Liebe?!

Liebe?!

Jener ist hohl und will voll werden,Dieser ist überfüllt und will sich ausleeren,-Beide treibt es, sich ein Individuum zu suchen, das ihnen dazu dient.Und diesen Vorgang, im höchsten Sinne verstanden,nennt man beidemal mit Einem Worte: Liebe,– wie? die Liebe sollte etwas Unegoistisches sein?  (Friedrich Nietzsche)

Amaryllis

Amaryllis

Das Atelier ist heiß.Draußen, drunten die andere WeltKlopft ihre Teppiche, schreit und bellt.Der Maler, der das wußte, er weißEs jetzt nicht mehr. Die Zeit steht still.Der Pinsel zecht, läuft, zecht, läuft schnellUnd weiter, als er darf und will.Reglos im Stuhle das schöne ModellTräumt von sich selber, von Amaryll. (Joachim Ringelnatz)

Der Schauende

Der Schauende

Ich sehe den Bäumen die Stürme an,die aus laugewordenen Tagenan meine ängstlichen Fenster schlagen,und höre die Fernen Dinge sagen,die ich nicht ohne Freund ertragen,nicht ohne Schwester lieben kann. Da geht der Sturm, ein Umgestalter,geht durch den Wald und durch die Zeit,und alles ist wie ohne Alter:die Landschaft, wie ein Vers im Psalter,ist Ernst und Wucht und Ewigkeit. Wie ist das klein, womit wir ringen,was mit uns ringt, wie ist das groß;ließen wir, ähnlicher den Dingen,uns so vom großen Sturm bezwingen,…

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Kaltes Herz

Kaltes Herz

Schwarzes Eisen, kalt und spröde, Schelten möchte ich dich nicht, Weil es dir an Lebenswärme Und an Biegsamkeit gebricht. Bist du doch in Feuersgluthen Zischend einst emporgewallt, Eh‘ du unter Hammerschlägen Mußtest werden starr und kalt. Und, so sollt auch ihr nicht schelten, Wenn ihr seht ein kaltes Herz, Sollt ihm heißes Mitleid zollen, Weil es gleicht dem todten Erz. Wißt ihr denn, ob es nicht glühend, Zischend einst emporgewallt, Bis es unter Schicksalsschlägen Ward wie Eisen starr und kalt?…

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Feuer

Feuer

Mit einem Feuer fühlt der Mensch sich niemals allein. Die Flamme kann Gesellschaft leisten – darin steckt der Urzusammenhang zwischen Flamme und Seele. (Oswald Spengler)

Pfützen

Pfützen

Pfützen spiegeln das Himmelslicht.Sie haben ein helles Gesicht. Meide ihre Mulden!Tritt nicht in Lachen.Wenn sie dich dreckig machen,Ist’s dein Verschulden. Pfützen sind Schicksal für manches Getier,Sind aber für Kinder Seligkeiten.Häufig werden sich zwei oder vierMenschen um Pfützen streiten. (Ringelnatz)

Älter werden – oder: Der Lack ist ab!

Älter werden – oder: Der Lack ist ab!

„Der Lack ist ab!“ Und damit lässt sich vielleicht (viel) Geld machen, zumindest ist es einen Versuch wert ;)!Irgendwie haben Menschen, Firmen, was auch immer, mitbekommen, dass ich älter werde. Wen wundert’s. Älter werden wir alle, jeden Tag um einen Tag. Das nenne ich doch mal Gerechtigkeit oder den Lauf der Zeit, der Dinge. Vielleicht ist es auch eine der Konsequenzen von Internet-Bestellungen, bei denen man sein Geburtsdatum angeben muss. Von wegen Datenschutz ;) Reklame für häusliche Unterstützung/Pflege, Treppenlifte, Sterbeversicherungen,…

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Jon Fosse, Vaim

Jon Fosse, Vaim

„Vaim“ ist Jon Fosses – Literaturnobelpreisträger von 2023 – neuer Roman, der in drei Abschnitten – aus der Perspektive dreier männlicher Ich-Erzähler – von ungewöhnlich passiven, alleinstehenden, nicht mehr ganz jungen Männern – „ein Jungspund war ich absolut nicht mehr“ – erzählt, deren Leben von einem Moment zum anderen eine völlig neue (Aus-) Richtung bekommt, als Eline in ihr Leben tritt, eine Frau, die mehr oder weniger in Imperativen redet, denen man/Mann sich besser nicht widersetzt: Pack das Nötigste ein,…

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Heinzelmännchen

Heinzelmännchen

(Ein seltenes Bild hinterm Haus) Wie war zu Köln es doch vordemMit Heinzelmännchen so bequem!Denn, war man faul … man legte sichhin auf die Bank und pflegte sich:Da kamen bei Nacht,ehe man’s gedacht,die Männlein und schwärmtenund klappten und lärmten,und rupftenund zupften,und hüpften und trabtenund putzten und schabten…Und eh ein Faulpelz noch erwacht,…War all sein Tagewerk… bereits gemacht! … O weh! nun sind sie alle fort,und keines ist mehr hier am Ort!Man kann nicht mehr wie sonsten ruhn,man muss nun alles…

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Spiegelbild

Spiegelbild

Du kannst dein Spiegelbild nicht in kochendem Wasser sehen. Genauso wenig kannst du die Wahrheit in einem Zustand des Zorns erkennen. Wenn das Wasser sich beruhigt, kommt die Klarheit. (Siddharta Buddha)