Durchsuchen nach
Kategorie: Fotos

Der Novembertag

Der Novembertag

Kalter Herbst vermag den Tag zu knebeln,seine tausend Jubelstimmen schweigen;hoch vom Domturm wimmern gar so eigenSterbeglocken in Novembernebeln. Auf den nassen Dächern liegt verschlafenweißes Dunstlicht; und mit kalten Händengreift der Sturm in des Kamines Wändeneines Totenkarmens Schlußoktaven. (Rainer Maria Rilke)

Hanns Zischler, Yumikos Paravent

Hanns Zischler, Yumikos Paravent

„Post für Sie, Madame!“ Mit einem folgenschweren Brief beginnt der Roman in Frankreich, wo Hanaka als Archivarin in einem ehemaligen Kloster arbeitet . Dort werden Nachlässe französischer SchriftstellerInnen und KünstlerInnen gesichtet und geordnet, in meist „euphorischer Resignation“ angesichts des Ausmaßes, welches die Leiterin als „wahres Papiergewitter“ bezeichnet. Der Brief ist von Yumiko, Mitarbeiterin und Mitinhaberin des Modeateliers ihrer Mutter Johanna in Kobe, Japan: „Nun liebe Hanaka, die schreckliche, die traurige Nachricht – Johanna, Deine Mutter, ist am 17. August nachmittags…

Weiterlesen Weiterlesen

Das erste Herbstblatt

Das erste Herbstblatt

Das erste Herbstblatt leuchtet wie Blut,Als ob verwundet im Strauch einer ruht.Sein Blut von Blatt zu Blatt still tropft,Sein Tod an alle Bäume klopft. Die Sonne brennt so still und stumm,Das rote Blatt geht drohend um,Als müßte ein Mörder im Strauchwerk stehenUnd wild sein Blutdurst am Weg umgehen. Und abends steigt der Rauch dann auf.Als sei das Land ein Kehrichthauf`,So lastet am Fluß ein schwüler DunstWie der letzte Atem der Sommerbrunst. Max Dauthendey, 1867-1918

Sehnsucht

Sehnsucht

Sehnsucht gab mir ihr weites Kleid, Seine Naht ist lang wie die Ewigkeit. Streicht die Sehnsucht um das Haus, Trocknen die plaudernden Brunnen aus; Die Tage kommen wie Tiere daher, Du rufst ihre Namen, sie atmen nur schwer; Du suchst dich im Spiegel, der Spiegel ist leer, Hörst nur der Sehnsucht Schritt, Du selbst bist nicht mehr. (Max Dauthendey) (Noch sind die Spiegel nicht leer, und das ist gut so.)

Solch ein lauer weißer Tag

Solch ein lauer weißer Tag

Solch ein lauer weißer TagMag die Hände gar nicht rühren,Nur die Augen liegen wach.Draußen welken gelb die Bäume,In der stillen Esche nickenGraue Blätter, altersschwach.Graue Blätter, graue Träume. (Max Dauthendey)

Wetterleuchten

Wetterleuchten

Die Sonne ist gesunken,Der Donner schlief schon ein;Nur durch die fernen WolkenGeht noch der Blitze Schein. Es tropfet von den Zweigen –So schweigend steht die Nacht.Nagend in meinen GedankenVersunknes Leid erwacht. Du denkst, es ist verklungenDer alte böse Schmerz –Da zuckt sein WetterleuchtenNoch immer durch das Herz. (Heinrich Seidel)

Napoleon

Napoleon

Das Fieber warst du einer bösen Zeit;Vielleicht bestimmt des Uebels Grund zu heben.So flammtest du durchs aufgeregte Leben!Doch, wie des Krankenlagers Aengstlichkeit,Dem Fieber pflegt der Krankheit Schuld zu geben,Schienst du allein der Feind nur aller Ruh‘,Und trugst die Schuld, die früher war als du! … – Denn seit du fort, fließt nun nicht mehr das Blut,In dem vor dir schon alle Felder rannen?Ward Lohn den gegen dich vereinten Mannen?Ist heilig das von dir bedrohte Gut?Die Tyrannei entfernt mit dem Tyrannen?Ist…

Weiterlesen Weiterlesen

Kat Menschik, mehr Essen essen

Kat Menschik, mehr Essen essen

„Mehr Essen essen“ ist eine Art Folgeband von „Essen essen“, 2019 erschienen, ebenfalls in der Reihe der Lieblingsbücher, einer eigenen Buchreihe der Illustratorin Kat Menschik. Es ist in allem Ausdruck ihrer Lebensfreude und Genussfähigkeit: Pippi Langstrumpfs Ausruf: „Es ist schön, am Leben zu sein.“ folgend, enthält dieses kleine Kochbuch „nur ein einziges Fleischgericht, wenige Fischgerichte“, aber „erstaunlich viele Suppen„. Also sehr passend für die nun folgende Herbst- und Winterzeit. Das Inhaltsverzeichnis lässt die Bandbreite der Rezepte ahnen, aber auch die…

Weiterlesen Weiterlesen

Ich will den Herbst

Ich will den Herbst

Ich will den Herbst! Ist es nicht, als wäre er das eigentlich Schaffende, schaffender denn der Frühling, der schon gleich ist, schaffender, wenn er kommt mit seinem Willen zur Verwandlung und das viel zu fertige, viel zu befriedigte, schließlich fast bürgerlich-behagliche Bild des Sommers zerstört? Dieser große herrliche Wind, der Himmel auf Himmel baut; in sein Land möchte ich gehen und auf seinen Wegen. Rilke aus einem Brief an Clara Rilke vom 12. August 1904