Tezer Özlü, Die kalten Nächte der Kindheit

Tezer Özlü, Die kalten Nächte der Kindheit

„- Lasst mich doch alle in Ruhe. Ich möchte rumlaufen, wie ich will, und machen, was ich will, sage ich.– Nein, du wirst wieder wahnhaft und solltest zurück nach Istanbul, sagt sie.“ Rumlaufen, wie man will, machen, was man will, ist für eine junge Frau in der Türkei in den 50igern des letzten Jahrhunderts gefährlich. Aufgewachsen in einer Lehrerfamilie, in der der Vater im Alltag militärische Ordnung verlangt, da er – wie die Männer seiner Generation – das Militär liebt,…

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Vorfrühling

Vorfrühling

Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung an der Wiesen aufgedecktes Grau. Kleine Wasser ändern die Betonung. Zärtlichkeiten, ungenau, greifen nach der Erde aus dem Raum. Wege gehen weit ins Land und zeigen’s. Unvermutet siehst du seines Steigens Ausdruck in dem leeren Baum. (Rainer Maria Rilke) Hier beginnen inzwischen die Arbeiten auf dem Feld, Güllewagen ziehen ihre Runden, begleitet von einem „unwiderstehlichen“ Duft. Besser nicht lüften und Kleidung reinholen ;)

Ulrike Edschmid, Die Liebhaber meiner Mutter

Ulrike Edschmid, Die Liebhaber meiner Mutter

„Damals war er der Liebhaber von Claire gewesen. Ich weiß nicht, ob sie mit der Absicht, ihren Liebhaber an meine Mutter weiterzugeben, an jenem Winterabend gekommen war. Ich habe vergessen, meine Mutter danach zu fragen, und jetzt ist es zu spät.“ Die Ich-Erzählerin dieses kurzen Romans erzählt durchgehend lapidar, aber nicht simpel – die Un-Tiefen des Erzählten immer erahnbar – von den diversen Liebhabern ihrer Mutter, einer Kriegswitwe. Der Mann, Vater der Erzählerin, ist im Zweiten Weltkrieg gefallen, sie hat…

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Vielen Dank für Ihre Geduld

Vielen Dank für Ihre Geduld

Hallo Monika Vielen Dank für deine Anfrage.Wir haben Sie nicht vergessen! Dass man zwischen einem „Du“ und dem „Sie“ hin- und herspringt – geschenkt. Dass man /ich für eine Bestellung noch aus dem letzten Jahr immer wieder in zeitlich recht großen Abschnitten vertröstet wird/werde, ist schon weniger amüsant.Dass eine Telefonnummer auf der Website angegeben wird, zeugt auf den ersten Blick ja von Kundenorientierung und -zugewandtheit. Doch wenn eine Stimme – fast wie ein Maschinengewehr – nahezu ununterbrochen und das mehr als…

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Winterstille

Winterstille

Nun hat der Berg sein Schneekleid angetan,Und Schnee liegt lastend auf den TannenbäumenUnd deckt die Felder zu, ein weißer Plan,Darunter still die jungen Saaten träumen. Fried‘ in der Weite! Nicht ein Laut erklingt —Ein Zweig nur bebt und stäubt Kristalle nieder,Gestreift vom Vogel, der empor sich schwingt —Und still ist alles rings und reglos wieder. In Winters Banden liegt der See und ruht,Die Wellen schlafen, die einst lockend riefen.Nicht spielen mehr die Winde mit der Flut,Kaum regt sich Leben noch…

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Rückzug

Rückzug

Sich zurückziehen, kann verschieden erlebt werden: Einmal als freiwilliger Rückzug und Gelegenheit, zu sich zu kommen, zu bilanzieren, was war, wie, wohin es weitergehen kann, soll. Es ist eine Form der Besinnung, ein Rückzug in die (äußere) Stille, die dann die oft vorherrschende innere Unruhe umso spürbarer werden lässt. Die innere Lautstärke kann in einem Ausmaß dröhnen, wie sie im normalen Alltag kaum oder nur schwer zu erkennen ist, es sei denn man meditiert regelmäßig. Was in mir will da…

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Liebe?!

Liebe?!

Jener ist hohl und will voll werden,Dieser ist überfüllt und will sich ausleeren,-Beide treibt es, sich ein Individuum zu suchen, das ihnen dazu dient.Und diesen Vorgang, im höchsten Sinne verstanden,nennt man beidemal mit Einem Worte: Liebe,– wie? die Liebe sollte etwas Unegoistisches sein?  (Friedrich Nietzsche)

Amaryllis

Amaryllis

Das Atelier ist heiß.Draußen, drunten die andere WeltKlopft ihre Teppiche, schreit und bellt.Der Maler, der das wußte, er weißEs jetzt nicht mehr. Die Zeit steht still.Der Pinsel zecht, läuft, zecht, läuft schnellUnd weiter, als er darf und will.Reglos im Stuhle das schöne ModellTräumt von sich selber, von Amaryll. (Joachim Ringelnatz)

Der Schauende

Der Schauende

Ich sehe den Bäumen die Stürme an,die aus laugewordenen Tagenan meine ängstlichen Fenster schlagen,und höre die Fernen Dinge sagen,die ich nicht ohne Freund ertragen,nicht ohne Schwester lieben kann. Da geht der Sturm, ein Umgestalter,geht durch den Wald und durch die Zeit,und alles ist wie ohne Alter:die Landschaft, wie ein Vers im Psalter,ist Ernst und Wucht und Ewigkeit. Wie ist das klein, womit wir ringen,was mit uns ringt, wie ist das groß;ließen wir, ähnlicher den Dingen,uns so vom großen Sturm bezwingen,…

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