Freitag, 14. Mai 2021 | Kategorie: Allgemein | Kommentare (3)

Dies Prachtexemplar habe ich heute morgen gerettet. Er lag zappelnd auf dem Rücken in einer Pfütze. Da ich keine Gafferin bin, habe ich ihn erst gerettet und dann fotografiert ;)
Wie sich das Galgenkind die Monatsnamen merkt
Jaguar
Zebra
Nerz
Mandrill
Maikäfer
Ponny
Muli
Auerochs
Wespenbär
Locktauber
Robbenbär
Zehenbär.

(Christian Morgenstern)

Donnerstag, 13. Mai 2021 | Kategorie: Allgemein | Kommentare (2)

“Sprich, damit ich dich sehe.”

(Sokrates)

Schweigen als probates Mittel der Konfliktlösung – eine Idee, der in meiner Ursprungsfamilie viele gefolgt sind.
„Bist du nicht für mich, dann bist du gegen mich. Und dann rede ich nicht mehr mit dir, weil das, was mir an dir nicht passt, für mich nicht mehr existiert.“ So platt wurde es natürlich nicht gesagt, lief aber darauf hinaus.

Leider wurde immer wieder vergessen, klar zu kommunizieren, was da nicht „passte“, wie ich nicht passte, offensichtlich gegen ungeschriebene Gesetzte verstoßen hatte, die man nur wirklich hat wahrnehmen können, wenn man dagegen verstieß. Doch da war es dann meist auch schon zu spät – für einen Dialog, für Verständigung, für Verstehen.

Man war draußen. Persona non grata. Ein feiner Titel.

Wenn’s „gut“ lief, war da noch ein Dritter, der einem zu vermitteln versuchte, wie man sich zu verhalten habe, was der Schweigende oft unausgesprochen erwartete.
Bestand man dann auf einem direkten Dialog mit dem, der mit einem ein Problem hatte, war man noch weiter draußen, denn der vermittelnde Dritte schwieg dann auch und mit ihm alle, die mit ihm zu tun hatten, auf „seiner Seite“ standen. Auch eine Form von Grabenkampf im Familienstellungskrieg.

Strafe – oft lebenslang, zumindest so lang, wie diese Menschen lebten.

In dem Film „An seiner Seite“ erzählt Senta Berger ihrem Film-Ehemann Peter Simonischek von einem Volk, dass zwar Todesstrafen verhängte, sie aber nicht vollstreckte, sondern den Verurteilten einfach nicht mehr wahrnahm, ihn nicht mehr ansah, nicht mehr mit ihm sprach.
Sie wurden zu Ausgestoßenen, Unsichtbaren und starben – alle.

Diese Erzählung und das Verhalten des „Star-Dirigenten“ seiner Frau gegenüber hat vieles in meiner Erinnerung wachgerufen, mir aber auch verdeutlicht, dass wir heute die Möglichkeit haben, unseren „Stamm“ zu verlassen, zu überleben und Resilenzien zu entwickeln, die es einem ermöglichen, auch außerhalb des Stammes zu überleben und einen eigenen Weg zu finden und zu gehen, weil es auch außerhalb Menschen gibt, mit denen man in Resonanz kommen, von denen man gesehen wird.

Den eigenen Weg zu gehen, bedeutet dann allerdings auch zu entdecken, wie wichtig es ist, mit sich selbst liebevoll in Resonanz zu kommen, etwas was viele „Stammesmitglieder“ als „Egoismus“ brandmarkten. Doch schon in der Bibel heißt es: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“

„Wie dich selbst“ – dieser Satzteil hatte dort, wo ich herkomme, kaum bis keine Bedeutung – schade.

Mittwoch, 12. Mai 2021 | Kategorie: Allgemein | Kommentare (2)


Ab und an wird‘s malerisch, verbunden mit zahlreichen Arbeiten, bevor der Handwerker kommt und dann, wenn er wieder gegangen ist.

Dennoch: Ab und an muss es einfach sein. Gute Gelegenheit zum Aussortieren und Platz schaffen.

Dienstag, 11. Mai 2021 | Kategorie: Allgemein | Kommentare (8)

Vor Jahrzehnten hatte ich – dank meines damaligen Arbeitgebers – die Möglichkeit, an einem BLOCK-Seminar teilzunehmen. Ich habe diese Chance wahrgenommen und das war gut so. Noch heute greife ich auf Erkenntnisse und Methoden zurück, wenn Blockaden, alte Glaubenssätze mich mal wieder ausbremsen bzw. ich mich selbst damit ausbremse.

Später habe ich dann Karl Fordemann, den heutigen Leiter der Akademie, auf Langeoog kennengelernt, zunächst ohne zu wissen, dass und was er mit dem BLOCK zu tun hat. Auffallend angenehm und ungewöhnlich war allerdings, wie schnell wir in der Lage waren, essentielle Gespräche zu führen. Es besteht immer noch eine lockere Verbindung, u.a. über seine Newsletter.

Der neueste hat mich heute erreicht, mit folgender Idee, die ich gern – ungefiltert, also als Zitat – an euch weitergeben möchte:

Donnerstag ist wieder Vatertag –

und den könnte ich in Corona Zeiten auch mal ganz anders feiern …. wenn ich überhaupt daran gedacht habe, ihn zu feiern?

Und wie?

Ich habe da eine Idee: Ich schreibe meinen Kindern einen Brief, am Vatertag. 

Was ich Dir als Vater schon immer mal sagen wollte – (mich jedoch bisher nicht getraut habe) – das schreibe ich Dir heute. Weil Vatertag ist.

Und der junge Vater schreibt seinem Vater, dem Opa seiner Kinder…
Was ich Dir immer schon mal sagen wollte, Papa … „
(Karl Fordemann)

Was ich dir immer schon mal sagen wollte, das können natürlich auch Mütter als Idee aufgreifen oder Menschen, die einander gewogen sind. Denn als Nachrufe in der Zeitung oder als Grabreden hat der oder die Betreffende nichts mehr davon. Macht’s wie Herman van Veen es singt:

„Sag keine liebe Sache an meinem Grab, sag es jetzt, leg keine Blume auf meinen Sarg, bring sie jetzt, bring sie jetzt, bring sie jetzt. …“

Montag, 10. Mai 2021 | Kategorie: Allgemein | Kommentare (2)

Mit „Mystic Shots“ hat Wolfgang Dichans in Zusammenarbeit mit seiner Frau Ulrike Feistel ein interessantes Buch geschaffen, das Mystik und Kunst in Form von Fotos und Bildern fein miteinander in Verbindung bringt bzw. zueinander in Beziehung setzt. „Shots“ sind für Wolfgang Dichans:

  • Schüsse, hoffentlich ins Zentrum des eigenen Denkens
  • Momentaufnahmen
  • konzentrierte Drinks, auch als „Vitaminbomben“ beliebt

Herausgekommen ist eine kleine, feine Sammlung kurzer, mystischer Texte verschiedener Autoren – von Rumi, Meister Eckhart bis hin zu Dorothee Sölle, Karl Rahner und eigenen Haikus – kombiniert mit einem dazu ausgewählten Foto, das passende (Alltags) Szenen oder Fotos eigener Bilder bzw. die seiner Frau zeigen.

Texte und Fotos bedrängen einander nicht, lassen sich viel mehr genug Raum, so als respektierten sie sich gegenseitig in ihrer Eigen- und Selbstständigkeit. Erst im Auge, im Denken der Leser*in entsteht eine neue interessante Kombination.

Wolfgang Dichans möchte mit diesen „Mystic Shots“ – so in seinem Vorwort –
„Spuren legen, Denkanstöße geben, zum Meditieren bringen, Mut machen.“

Jetzt noch dürres Holz
doch bald schon alles in Grün
Leben – unsichtbar
(Wolfgang Dichans)

Es ist also ein Buch mit Texten, mit denen man den Tag beginnen oder beenden, eine Meditation einleiten kann, die auch Einladung sein können, damit in die Stille zu gehen:

Halt an, wo läufst du hin? Der Himmel ist in dir –
suchst du ihn andernorts, du fehlst ihn für und für.
(Angelus Silesius)

Ich mag solche Bücher gern auf meinem Küchentisch als Anregung für den Tag, machmal eignen sie sich auch als Wochen-, Monats- oder gar Jahresmotto. „Den Himmel in sich zu finden“ ist vielleicht sogar eine lebenslange Aufgabe für den, der danach sucht.

Wolfgang Dichans, Mystic Shots. Texte -Fotos – Bilder. In Zusammenarbeit mit Ulrike Feistel, Echter Verlag 2021, 96 S., ISBN 978-3-429-05598-1

Sonntag, 9. Mai 2021 | Kategorie: Allgemein | Kommentare (4)

Leinen –
für mich der Inbegriff von Sommer, Lässigkeit, Bequemlichkeit, Unkompliziertheit …
Bei plötzlichen Temperaturen von fast 30 Grad sehr angenehm.

Samstag, 8. Mai 2021 | Kategorie: Allgemein | Kommentare (0)

„Die letzte Analyse“ ist der erste Fall der Literaturprofessorin Kate Fansler. Aufklären will sie die Ermordung von Janet Harrison, einer ihrer Studentinnen, die auf der Couch des Psychoanalytikers Emanuel Bauers passiert ist, der einer ihrer ehemaligen Liebhaber ist. Mit ihm und seiner Frau Nicola ist Kate immer noch gut befreundet. Ja, sie hat Janet Dr. Emanuel Bauer sogar als guten Psychiater empfohlen, als diese sie nach einem gefragt hat.


Obwohl vieles gegen Emanuel Bauer spricht, ist Kate unumstößlich von dessen Unschuld überzeugt, aber auch von der mangelnden Gründlichkeit und fehlenden Objektivität der Kriminalpolizei, für die Bauer als Täter offensichtlich schon feststeht. Er hatte Zeit, Gelegenheit und das Tatmesser stammt aus seiner Küche, ist zudem übersät mit seinen Fingerabdrücken und denen seiner Frau. Allein ein Motiv ist nicht ersichtlich.

Und sie macht sich an die Arbeit, unterstützt von Jerry, dem zukünftigen Mann ihrer Nichte, und Reed, einem Staatsanwalt, der offensichtlich hoffnungslos in Kate verliebt ist. Dieser hat Verständnis für sie und unterstützt sie im Rahmen seiner Möglichkeiten:

„Ich habe Verständnis für deine Gefühle gegenüber Emanuel, für die Wichtigkeit dieses Falles im Hinblick auf die öffentliche Reputation der Psychiatrie und so weiter und so weiter, aber mir gefällt überhaupt nicht, was dieser Fall aus dir gemacht hat. Du unterbrichst deine Arbeit in der Bibliothek, sagst Vorlesungen ab, schmeißt dein Geld hinaus wie ein betrunkener Seemann, nimmst Schlaftabletten, fliegst in höchst verwerflicher Weise überall in den Vereinigten Staaten herum, wirst immer langatmiger in deinen Reden und führst junge Männer auf Abwege. All das muss aufhören.“

Und er schlägt ihr einen Handel vor, der ihre akribisch zusammengetragenen Indizien auch für die Polizei beweiskräftig machen und zur Verhaftung, Anklage und Verurteilung des wahren Täters führen soll.

„Die letzte Analyse“ ist ein unterhaltsamer, intelligenter, niveauvoller, gut geschriebener Kriminalroman, der seine Spannung aus den komplizierten, teilweise verwirrenden Ermittlungen rekrutiert und nicht aus der – oft unnötig reißerischen – Beschreibung einer blutrünstigen Tat. Und immer wieder macht es Freude Kate Fansler bei ihren literarisch gefärbten unkonventionellen Recherchen zu begleiten und mit ihr die Puzzleteilen zu kombinieren und nach logischen Verbindungen zu suchen.
Ich freue mich jedenfalls schon auf den zweiten im Herbst erscheinenden Fall Kate Fanslers.

Amanda Cross, Die letzte Analyse, Ein Fall für Kate Fansler, Dörlemann Verlag, Zürich 2021, 333 S., ISBN 978-3-03820-088-8

Freitag, 7. Mai 2021 | Kategorie: Allgemein | Kommentare (2)

Korf liest gerne schnell und viel;
darum widert ihn das Spiel
all des zwölfmal unerbetnen
Ausgewalzten, Breitgetretnen.

Meistes ist in sechs bis acht
Wörtern völlig abgemacht,
und in ebensoviel Sätzen
läßt sich Bandwurmweisheit schwätzen.

Es erfindet drum sein Geist
etwas, was ihn dem entreißt:
Brillen, deren Energieen
ihm den Text – zusammenziehen!

Beispielsweise dies Gedicht
läse, so bebrillt, man – nicht!
Dreiunddreißig seinesgleichen
gäben erst – Ein – Fragezeichen!!

(Christian Morgenstern)

Donnerstag, 6. Mai 2021 | Kategorie: Allgemein | Kommentare (6)

Das Mondschaf steht auf weiter Flur.
Es harrt und harrt der großen Schur.
Das Mondschaf.

Das Mondschaf rupft sich einen Halm
und geht dann heim auf seine Alm.
Das Mondschaf.

Das Mondschaf spricht zu sich im Traum:
„Ich bin des Weltalls dunkler Raum.“
Das Mondschaf.

Das Mondschaf liegt am Morgen tot.
Sein Leib ist weiß, die Sonn ist rot.
Das Mondschaf.

(Christian Morgenstern)

Mittwoch, 5. Mai 2021 | Kategorie: Allgemein | Kommentare (2)

Impfneid