Der Novembertag

Der Novembertag

Kalter Herbst vermag den Tag zu knebeln,seine tausend Jubelstimmen schweigen;hoch vom Domturm wimmern gar so eigenSterbeglocken in Novembernebeln. Auf den nassen Dächern liegt verschlafenweißes Dunstlicht; und mit kalten Händengreift der Sturm in des Kamines Wändeneines Totenkarmens Schlußoktaven. (Rainer Maria Rilke)

Allerheiligen

Allerheiligen

Allerheiligen – ein Tag, der mit vielen verschiedenen Erinnerungen verbunden ist:Als Kind die Spaziergänge mit den Eltern zu den Gräbern der Großeltern, die Feierlichkeit, aber auch das Geheimnisvolle der vielen Lichter auf den Gräbern, die Bemerkungen über den Zustand verschiedener Gräber, vor allem über die nicht beleuchteten … Später dann die eher „erzwungenen“, weil die Mutter – kurz nach dem Tod meines Vaters – mir gegenüber behauptete, sie könne nicht so ganz allein zum Grab des Vaters gehen. Bei ihr…

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Nebel

Nebel

Ein Nebel hat die Welt so weich zerstört.Blutlose Bäume lösen sich in Rauch.Und Schatten schweben, wo man Schreie hört.Brennende Biester schwinden hin wie Hauch. Gefangne Fliegen sind die Gaslaternen.Und jede flackert, dass sie noch entrinne.Doch seitlich lauert glimmend hoch in FernenDer giftge Mond, die fette Nebelspinne. Wir aber, die, verrucht, zum Tode taugen,Zerschreiten knirschend diese wüste Pracht.Und stechen stumm die weißen ElendsaugenWie Spieße in die aufgeschwollne Nacht. (Alfred Lichtenstein)

Hanns Zischler, Yumikos Paravent

Hanns Zischler, Yumikos Paravent

„Post für Sie, Madame!“ Mit einem folgenschweren Brief beginnt der Roman in Frankreich, wo Hanaka als Archivarin in einem ehemaligen Kloster arbeitet . Dort werden Nachlässe französischer SchriftstellerInnen und KünstlerInnen gesichtet und geordnet, in meist „euphorischer Resignation“ angesichts des Ausmaßes, welches die Leiterin als „wahres Papiergewitter“ bezeichnet. Der Brief ist von Yumiko, Mitarbeiterin und Mitinhaberin des Modeateliers ihrer Mutter Johanna in Kobe, Japan: „Nun liebe Hanaka, die schreckliche, die traurige Nachricht – Johanna, Deine Mutter, ist am 17. August nachmittags…

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Das erste Herbstblatt

Das erste Herbstblatt

Das erste Herbstblatt leuchtet wie Blut,Als ob verwundet im Strauch einer ruht.Sein Blut von Blatt zu Blatt still tropft,Sein Tod an alle Bäume klopft. Die Sonne brennt so still und stumm,Das rote Blatt geht drohend um,Als müßte ein Mörder im Strauchwerk stehenUnd wild sein Blutdurst am Weg umgehen. Und abends steigt der Rauch dann auf.Als sei das Land ein Kehrichthauf`,So lastet am Fluß ein schwüler DunstWie der letzte Atem der Sommerbrunst. Max Dauthendey, 1867-1918

Sehnsucht

Sehnsucht

Sehnsucht gab mir ihr weites Kleid, Seine Naht ist lang wie die Ewigkeit. Streicht die Sehnsucht um das Haus, Trocknen die plaudernden Brunnen aus; Die Tage kommen wie Tiere daher, Du rufst ihre Namen, sie atmen nur schwer; Du suchst dich im Spiegel, der Spiegel ist leer, Hörst nur der Sehnsucht Schritt, Du selbst bist nicht mehr. (Max Dauthendey) (Noch sind die Spiegel nicht leer, und das ist gut so.)

Bilder einer Ausstellung

Bilder einer Ausstellung

In Stuttgart habe ich mir eine Ausstellung über den Street-Art-Künstler Banksy angesehen, die einen Einblick in das umfangreiche Werk dieses Künstlers gibt, dessen Identität bis heute nicht sicher aufgedeckt ist. Ich kann das nachvollziehen. Die Bilder machen eindringlich auf Missstände in unserer Welt aufmerksam: auf die Grausamkeit von Kriegen, die Beziehungslosigkeit von Menschen, Ausgrenzung und Verfolgung von Minderheiten … Da tritt dann die Figur des Künstlers in den Hintergrund. Es geht um das, was er aufdecken, worauf er aufmerksam machen…

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Licht, das leuchten will

Licht, das leuchten will

Ein Licht, das leuchten will, muss sich verzehren; Trost, Licht und Wärme spendend, stirbt es still. Ein Licht, das leuchten will, kann nichts begehren, als dort zu stehen, wo’s der Meister will.  Ein Licht, das leuchten will, dem muss genügen, dass man das Licht nicht achtet, nur den Schein. Ein Licht, das leuchten will, muss sich drein fügen, für andre Kraft und für sich nichts zu sein.  Ein Licht, das leuchten will, darf auch nicht fragen, ob’s vielen leuchtet oder einem nur. Ein Licht, das leuchten will, muss…

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Autobahnkirchen

Autobahnkirchen

On the road again. Und schon wieder habe ich eine Raststätte mit Autobahnkirche „erwischt“, ohne danach Ausschau zu halten. Wie wohltuend ist die Stille dort. Die Geräusche der Autobahn sind gedämpft, wenn überhaupt zu hören. Kaum Besucher, kein Gedränge wie in den Raststätten selbst, wo die Menschen eher austasten als rasten, wenn‘s nicht schnell genug geht. Demnächst werde ich wohl gezielt nach solchen Raststätten suchen.

Solch ein lauer weißer Tag

Solch ein lauer weißer Tag

Solch ein lauer weißer TagMag die Hände gar nicht rühren,Nur die Augen liegen wach.Draußen welken gelb die Bäume,In der stillen Esche nickenGraue Blätter, altersschwach.Graue Blätter, graue Träume. (Max Dauthendey)