Durchsuchen nach
Kategorie: Gedichte

Streiflichter

Streiflichter

Streiflichter und SchlagschattenSchlaffheit, Stumpfsinn überall,Langeweile, Unbehagen,Unter hohler Floskeln SchwallSchlechtverhehltes Selbstverzagen,Toller Luxus, Schwindelei,Statt Genuß – Betäubung, Leere,Der Verarmung RiesenschreiBei des geist’gen Druckes Schwere;Knechtsinn und Prostitution,Schmutz und übertünchter Firnis,Dogmenstreit für ReligionUnd für Recht – Ukasen-Wirrnis,Mechanismus statt Genie,Und kein Fünkchen Poesie. (Friedrich Wilhelm Wanderer)

Blatteinsamkeit – zum 1. November

Blatteinsamkeit – zum 1. November

„Der Mensch ist erst dann reif, wenn er mit dem Tod zu rechnen beginnt, ihn ins Leben einkalkuliert und die Spanne Zeit, die uns gegeben ist, völlig greifbar ist. Wenn man das weiß, ist das Leben um uns und unser eigenes einer Kristallisation gleich geworden.“ (Zitat von Maria Lassnig, aus: Kirstin Breitenfellner, Maria malt, S. 443)

Welkes Blatt

Welkes Blatt

Auf der halbvergilbten Seiteliegt das dünne, gelbe Blatt,liegt es traurig, zart und mattwie ein Tränenblick ins Weite.Und der Stengel ist so biegsam zart,daß man fast des dünnen Kleides harrt,das diese Gestalt bekleiden soll. Und das Blatt ist wie ein Lied in Moll,weil es an den Herbst gemahnt,wie ein Kind, das traurig ahnt,daß es krank ist und bald sterben soll,ganz so süß und voll verhaltnem Weh.So ist auch der letzte Schnee … (Selma Meerbaum-Eisinger)

Welke Blätter

Welke Blätter

Plötzlich hallt mein Schritt nicht mehr,sondern rauschet leise, leise,wie die tränenvolle Weise,die ich sing‘, von Sehnsucht schwer.Unter meinen müden Beinen,die ich hebe wie im Traum,liegen tot und voll von WeinenBlätter von dem großen Baum. (Selma Meerbaum-Eisinger)

Vorschau auf den kommenden Winter?

Vorschau auf den kommenden Winter?

Unendlich dehnt sie sich, die weiße Fläche,bis auf den letzten Hauch von Leben leer;die muntern Pulse stocken längst, die Bäche,es regt sich selbst der kalte Wind nicht mehr. (Christian Friedrich Hebbel, 1.Strophe seines Gedichtes “Winter-Landchaft“)

BERLIN

BERLIN

Schnelllebigkeit Quirligkeit Lebendigkeit Vielsprachigkeit Improvisation Buntheit und Vielfalt Stadt der Gegensätze der Erinnerung an Gräueltaten, Teilung der Mahnmale der Touristen aller Couleur mit Polizeipräsens fast überall ständigem Sirenengeheul Kurz: Stadt der Herausforderung aller Sinne und auf Dauer für mich zu viel von allem. (mona lisa)

Ohne Feindschaft

Ohne Feindschaft

Meinem Hunde rief ich zu,Höre: gut sei und gescheit,Kätzchen ist ein Tier wie du,Also tue ihm kein Leid. Und dem Kätzchen rief ich zu,Höre: gut sei und gescheit,Mäuschen ist ein Tier wie du,Also tue ihm kein Leid. Und so leben wir im HausFriedlich teilend manch Gericht,Ich, mein Hund, und Katz‘ und Maus,Nur die Menschen lernen’s nicht! Finken auch dem Fenster nahn,Speisen mit in Sang und Sing,Nachbarn freilich, die es sahn,Nennen mich den Sonderling. (Emil Claar)

Morgennebel

Morgennebel

Nun still, mein Schritt, im stillen Nebelfeld!hier rührt kein Leben mehr an meine Ruhe:hier darf ich fühlen, daß ich einsam bin.Kein Laut; kein Hauch; der bleiche Abend hältim dichten Mantel schwer die Luft gefangen.So thut es wohl dem unbewegten Sinn … (Alfred Dehmel, 1. Strophe seines Gedichts Nebel und Schatten)

Ewiger Rosenduft

Ewiger Rosenduft

Es hat die Rose sich beklagt, Dass gar zu schnell der Duft vergehe, Den ihr der Lenz gegeben habe.  Da hab ich ihr zum Trost gesagt,Dass er durch meine Lieder wehe,Und dort ein ewiges Leben habe. (Friedrich Martin von Bodenstedt)

Regen (in der Dämmerung)

Regen (in der Dämmerung)

Der wandernde Wind auf den WegenWar angefüllt mit süßem Laut,Der dämmernde rieselnde RegenWar mit Verlangen feucht betaut. Das rinnende rauschende WasserBerauschte verwirrend die StimmenDer Träume, die blasser und blasserIm schwebenden Nebel verschwimmen. Der Wind in den wehenden Weiden,Am Wasser der wandernde Wind,Berauschte die sehnenden Leiden,Die in der Dämmerung sind. Der Weg im dämmernden Wehen,Er führte zu keinem Ziel,Doch war er gut zu gehenIm Regend, der rieselnd fiel. (Hugo von Hofmannsthal)