David Foster Wallace, Der Planet Trillaphon im Verhältnis zur Üblen Sache

„Ich nehme jetzt seit, mal überlegen, rund einem Jahr Antidepressiva, und ich würde mal sagen, da kann ich ganz gut einschätzen, wie die so sind. Sie sind eigentlich ganz okay, aber so, wie es okay wäre, auf einem anderen Planeten zu leben, wo es warm und gemütlich ist und Essen und frisches Wasser gibt: Es wäre okay, aber es wäre natürlich nicht die gute alte Erde. Ich war jetzt fast ein Jahr nicht mehr auf der Erde, weil es mir auf der Erde nicht besonders gut ging.“

In „Der Planet Trillaphon im Verhälntis zur Üblen Sache“ erzählt Wallace aus der Perspektive des „Steppkes, der Probleme mit der Üblen Sache“ hat, wie dieser seine Krankeit nennt, was die Depression mit ihm macht. Wie sie immer mehr Raum einnimmt und ihn veranlasst, Dinge zu tun, die sein Leben gefährden. Er kommt schließlich ins „Weiße Stockwerk“ eines Krankenhauses, wo – mittels Psychopharmaka – sein Aufstieg auf den Planeten Trillaphon beginnt. Dort ist er weit weg ist von der „Üblen Sache“.
Da der Steppke vorher erklärt hat, wie die Üble Sache funktioniert, weiß der aufmerksame Leser, was es heißt, weit weg davon zu sein:

„Du denkst darüber nach – kniest dich voll rein, denn es dient ja nur deinem Wohl – und dann dämmert dir unvermittelt … dass die üble Sache das schafft, weil du selbst die Üble Sache bist! Du bist die Üble Sache. Das ist alles. … Du selbst bist die Krankheit.“

Diese autobiografisch gefärbte Erzählung schafft die Möglichkeit ansatzweise zu verstehen, wie jemand mit Depressionen die Welt sieht, lässt einen aber ebenso rat- und hilflos zurück, da nicht deutlich wird, wie es zu dieser Krankheit kommt, und ob und wie sie heilbar ist. Man befürchet: Wohl eher nicht und erahnt, wie es wahrscheinlich mit dem Steppke, der übrigens bereits studiert, enden wird, auch wenn davon in der Erzählung nicht mehr explizit die Rede ist.

David Foster Wallace, Der Planet Trillaphon im Verhältnis zur Üblen Sache, Zweisprachige Ausgabe a.d.amerik. Engl. von Ulrich Blumenbach, Köln 2015, 105 S., ISBN 978-3-462-04749-3

Datum: 14. Mai 2015
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