Rückzug

Rückzug

Sich zurückziehen, kann verschieden erlebt werden:

Einmal als freiwilliger Rückzug und Gelegenheit, zu sich zu kommen, zu bilanzieren, was war, wie, wohin es weitergehen kann, soll. Es ist eine Form der Besinnung, ein Rückzug in die (äußere) Stille, die dann die oft vorherrschende innere Unruhe umso spürbarer werden lässt. Die innere Lautstärke kann in einem Ausmaß dröhnen, wie sie im normalen Alltag kaum oder nur schwer zu erkennen ist, es sei denn man meditiert regelmäßig. Was in mir will da wahrgenommen werden? Welche Not will beachtet werden, was ist not-wendig, um sie zu heilen? Was braucht es dazu? Schaffe ich das allein, brauche und suche ich mir Unterstützung?

Fragen über Fragen, die geduldiges Suchen nach Antworten erfordert oder auch das Auszuhalten, dass sich da (noch) keine Antwort finden lässt.
Einen solchen Rückzug gönne ich mir seit Jahren im Januar. Dann, wenn es nach den Feiertagen auch im Außen wieder ruhiger geworden ist, das Leben in der Natur noch ruht. Dann ist Stille als Vorbereitung für das, was kommen kann, darf, für mich sinnhaft.

Eine andere Form des Rückzuges beschreibt Hilde Domin in ihrem Gedicht „Rückzug“. Es ist eher ein In-sich-zurückziehen als Reaktion darauf, dass die Liebe keinen passenden Raum, keinen Adressaten findet, der sie annimmt. Dieser Rückzug ist eher eine Art Selbst-Verstümmelung, die dauerhaft schmerzt:

Meine Rechte (wer glaubt es ihr heut?)
war einstmals eine offene Rose
voller Schmetterlinge.
Plötzlich, fast ohne Vorbereitung,
wie einer gestoßen wird und fällt,
hat sie ihre Blätter verloren
und war blaß und nackt :
eine Menschenhand
wie alle andern.

Die „Bescheidenheit“ von der Hilde Domin da spricht ist eine oft gewählte Form der Trauer, dass die eigene Liebe nicht gesehen werden kann.

4 Gedanken zu „Rückzug

  1. es tut gut, mal zurückgezogen zu sein. geht mir grad so. allerdings denk ich nicht so viel, bin gern mal faul aufm sofa, lese, krame…
    dir wünsch ich eine gute, vielleicht ertragreiche rückzugszeit:-)!
    lieber gruß
    Sylvia

  2. Das ist sehr eindrücklich, sowohl, was Hilde Domin über ihre offene Hand schrieb als auch, was du zum Thema Rückzug schilderst.
    Danke dafür und einen lieben Gruss zum Wochenbeginn,
    Brigitte

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