Trauerarbeit

Trauerarbeit

Daß wir erschraken, da du starbst, nein,
daß dein starker Tod uns dunkel unterbrach,
das Bisdahin abreißend vom Seither:
das geht uns an; das einzuordnen wird
die Arbeit sein, die wir mit allem tun.

(Rainer Maria Rilke, Aus dem Requiem für Paula Modersohn-Becker,
geschrieben in Paris, 31. Oktober bis 2. November 1908 )

Zehn Jahre ist es nun her, dass meine Mutter gestorben ist. An dem Abend saß ich im Dortmunder Konzerthaus und hörte Mozarts Requiem. Ich habe in der Musik Mozarts für mich einen passenden Abschiedsraum gefunden: von dem, was und wie es war und was nicht mehr sein konnte und würde.
Anschließend konnte ich mich – ganz allein – von ihr verabschieden.
Schön war es zu sehen, dass sie – endlich – einen friedvollen Gesichtsausdruck hatte, etwas, was ich ihr immer auch schon zu Lebzeiten gewünscht hätte.
Die Beziehung zu ihr war sehr schwierig.
Meine Trauer hat eher darin bestanden, mit ihr nicht wirklich einen gemeinsamen Frieden gefunden zu haben. Ihre Unzufriedenheit mit mir – dass ich mich nicht wie eine normale Tochter verhalten habe, wobei sie mir nicht erklären konnte oder wollte, was darunter zu verstehen ist – war über den Tod hinaus wirkmächtig. In ihrem Testament kam ich nicht einmal vor, so als hätte es mich nie gegeben.

Inzwischen kann ich ihre Begrenztheit und die Auswirkungen für sie selbst und auch für uns als ihre Kinder sehen, akzeptieren, betrauern und letztlich auch verzeihen.
Sie, die zu Beginn des 2. Weltkrieges zwölf Jahre alt war, hatte sicher kein einfaches, glückliches Leben, über das sie aber kaum gesprochen hat.
Möge sie (als Katholikin) wenigstens nach ihrem Tod Frieden gefunden haben und sich auf die Auferstehung freuen können.
Ich habe meinen mit ihr inzwischen gefunden – weitgehendst jedenfalls.

2 Gedanken zu „Trauerarbeit

  1. Es ist so wichtig, Frieden zu finden, und so schwer, wenn man ihn zur Gänze aus sich selbst heraus finden muss. Manchmal wird das zu einem Teil der Lebensaufgaben … die man Stück für Stück erfüllt.

    (Der Tod meines Vaters ist im November auch 10 Jahre her, manchmal ist das wie ein Augenblick, manchmal wie ein halbes Leben. )

    Alles Liebe! Andrea

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