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Kategorie: Gedichte

Träumerei in Hellblau

Träumerei in Hellblau

Alle Landschaften habenSich mit Blau gefüllt.Alle Büsche und Bäume des Stromes,Der weit in den Norden schwillt. Blaue Länder der Wolken,Weiße Segel dicht,Die Gestade des Himmels in FernenZergehen in Wind und Licht. Wenn die Abende sinkenUnd wir schlafen ein,Gehen die Träume, die schönen,Mit leichten Füßen herein. Zymbeln lassen sie klingenIn den Händen licht.Manche flüstern, und haltenKerzen vor ihr Gesicht. (George Heym)

Regen

Regen

Da draußen regnet es weit und breit.Es regnet graugraue Verlassenheit.Es plaudern tausend flüsternde Zungen.Es regnet tausend Erinnerungen.Der Regen Geschichten ums Fenster rauscht.Die Seele gern dem Regen lauscht. Der Regen hält dich im Haus gefangen.Die Seele ist hinter ihm hergegangen.Die Insichgekehrte ist still erwacht,Im Regen sie weiteste Wege macht.Du sitzt mit stummem Gesicht am Fenster,Empfängst den Besuch der Regengespenster. (Max Dauthendey)

Im (Nacht)Zug

Im (Nacht)Zug

Da rast es nun hin mit dem brausenden Zugan Wiesen und Wäldern vorüber,über Mauern, Stakete und Bäume im Flug,und trüber blickt es und trüber.Und jetzt, wahrhaftig, ich täusche mich nicht,jetzt rollen über mein Schattengesichtzwei schwere und leuchtende Tränen.Und tief in der Brust klingt es und singt’s,und fiebernd das Herz und die Pulse durchdringt’s,ein wildes, ein brennendes Sehnen. (Gerhard Hauptmann), eine Strophe des Gedichts Im Nachtzu.

Der Wächter der Lampe

Der Wächter der Lampe

Wachsein ist alles. Es kommt die Nacht und keiner wird keinen erkennen. Haltet Wacht und laßt die Lampen brennen. Alles Werden ist wankend und ungewiß, aber alles Ziel ist Reife. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, auf daß sie es einst begreife. (Manfred Kyber)

Ein Abschied

Ein Abschied

Die Dämmerung kommt aus bleichem Land.Ich fühle müd: sie bringt den Abschied mit -.Leb wohl … laß meine Hand …Nein, mach kein Licht,Ich will im Dunkeln gehen.Ich brauche, wenn ich gehe, dein Gesichtnicht mit den Augen sehen.Denn meine Seele nimmt es mit.  (Hertha Kräftner)

Die Biene – zum Weltbienentag

Die Biene – zum Weltbienentag

(Zum Ausfliegen ist es noch zu früh und zu kühl) Die kleine SeeleZarter SymboleTaucht in das FüllhornFrüher Gladiole,Schöpft weiße Schaummilch,Brockt gelbe Bretzel,Folgt eines WindesFreundlichem Rätsel. Flughauch läßt klingenGoldtropfenblumen;Da sie noch schwingen,Löst sie die Krumen.Winziger Engel,Summende Flocke,Rührt sie den SchwengelGlitzernder Glocke. Des Kindes Auge,Das Gott zerbrochen,Eh‘ es zu RosenLeuchtend gesprochen,Schwebt aus den Lidern,Die sich ihm sperrten,Hängt braun und samtenAn Sonnengärten. (Gertrud Kolmar)

Freundschaft

Freundschaft

Hast du einen Freund, dem du fest vertraust, geh oft, ihn aufzusuchen! Denn Gesträuch wächst und starkes Gras auf dem Weg, den kein Wandrer geht. (Edda, Hávamál, Loddfafnirlied) Und dennoch enden manchmal auch Freundschaften – dann, wenn der Tod diesen Weg betritt. Ich hatte seit meinem 16. Lebensjahr einen „Freund“, einen Wegbegleiter, den ich über meinen damaligen Freund kennengelernt habe. Auch nach Ende dieser Freundschaft war der Wegbegleiter – ein Franziskanerpater – für mich da. Immer. Als väterlicher Freund, der…

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Mein Tanzlied

Mein Tanzlied

„If you don’t do your dance, who will?“ (Gabriellen Roth) Aus mir braust finstre Tanzmusik, Meine Seele kracht in tausend Stücken; Der Teufel holt sich mein Mißgeschick, Um es ans brandige Herz zu drücken. Die Rosen fliegen mir aus dem Haar Und mein Leben saust nach allen Seiten, So tanz ich schon seit tausend Jahr, Seit meiner ersten Ewigkeiten. (Else Lasker-Schüler)

Erwachen

Erwachen

Erste Rosen erwachen,und ihr Duften ist zagwie ein leisleises Lachen;flüchtig mit schwalbenflachenFlügeln streift es den Tag; und wohin du langst,da ist alles noch Angst. Jeder Schimmer ist scheu,und kein Klang ist noch zahm,und die Nacht ist zu neu,und die Schönheit ist Scham. (Rainer Maria Rilke)

Von weichem Lichte übergossen

Von weichem Lichte übergossen

Die Bäume sind von weichem Lichte übergossen,im Winde zitternd glitzert jedes Blatt.Der Himmel, seidig-blau und glatt,ist wie ein Tropfen Tau vom Morgenwind vergossen.Die Tannen sind in sanfte Röte eingeschlossenund beugen sich vor seiner Majestät, dem Wind.Hinter den Pappeln blickt der Mond aufs Kind,das ihm den Gruß schon zugelächelt hat. Im Winde sind die Büsche wunderbar:bald sind sie Silber und bald leuchtend grünund bald wie Mondschein auf lichtblondem Haarund dann, als würden sie aufs neue blühn. Ich möchte leben.Schau, das Leben…

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