Italo Calvino, Marcovaldo oder Die Jahreszeiten in der Stadt

Sie suchen ein Buch, das schön gestaltet, bebildert ist und auch noch gute Laune macht? Als Geschenk oder einfach für sich selbst? Dann sind die Geschichten von Marcovaldo, erzählt von Italo Calvino das Richtige. Sie begleiten beim Lesen Marcovaldo, einen Hilfsarbeiter mit vielköpfiger Familie, in sehr armen Verhältnissen lebend, auf seinen Streifzügen durch seine Stadt:

„Schilder, Verkehrsampeln, Schaufenster, Leuchtreklamen, Plakate, waren sie auch noch so ausgeklügelt, um die Aufmerksamkeit auf sich zulenken, das alles konnte seinen Blick nicht fesseln, der über den Sand einer Wüste zu schweifen schien. Was ihm hingegen nie entging, das war etwa ein Blatt, das einem Zweig gilbte, eine Feder, die an einem Dachziegel hängen geblieben war. Keine Bremse auf der Kruppe eines Pferdes, keine Rille, von einem Holzwurm in die Tischplatte gebohrt, keine zerquetschte Schale einer Feige auf dem Bürgersteig, die Marcovaldo nicht bemerkt, über die er nicht Erörterungen angestellt, die er nicht zum Anlass genommen hätte, dem Wechsel der Jahreszeiten, den Sehnsüchten seiner Seele und der Trübseligkeit seiner Existenz nachzusinnen.“

Immer ist er dabei auf der Suche nach intakter Natur, weil er glaubt, damit die Situation seiner Familie verbessern zu können. Mal sucht er Pilze oder nach einer Flussstelle, an der er frische Fische fangen kann, damit seine Kinder mehr, abwechlungsreicher und gesund zu essen bekommen. Doch meist geht etwas schief. Die Pilze sind vergiftet, die Fische ebenfalls, weil das Blau des Flusses Folge einer in der Nähe ansässigen Farbenfabrik ist, die ihre Abwässer in den Fluss einleitet. Wespen, die er als Rheumamittel anwendet, lösen eher allergische Schocks aus, statt zu heilen.

Marcovaldo ist ein liebenswerter Tollpatsch, der letztendlich aber immer heil auch aus den verzwicktesten Situationen herauskommt und manchmal auch einfach nur Glück hat. Auf der Suche nach guter Luft, landet er im Garten eines Sanatoriums, wo die Kinder gute Luft und nette Herren antreffen, die ihnen beim Kirschenpflücken helfen. Diese Kirschen sind dann auch wirklich essbar.
Zauberhaft bebildert sind die Texte von Doro Petersen, die in einem Nachwort von ihrer Arbeit mit diesen Erzählungen berichtet.

Illu_Fruehling_Die_gute_Luft
© Doro Petersen/Edition Büchergilde

Doch nicht nur ganzseitige Darstellungen illustrieren die Texte, sondern auch kleine Grafiken, die sich an den Seitenrändern oder sogar in einzelnen Zeilen finden. Sie haben manchmal die Leichtigkeit von Kinderzeichnungen. Die in sich abgeschlossenen Texte lassen sich chronologisch lesen oder nach Jahreszeiten, ganz nach Lust und Laune, die sich beim Lesen und Anschauen der Bilder garantiert einstellen. Ein Buch, das Bücherliebhaber und Lesefreunde gleichermaßen anspricht.

Italo Calvino, Marcovaldo oder Die Jahreszeiten in der Stadt, Edition Büchergilde, Frankfurt/M. 191 S., ISBN 978-3-86406-047-2

Datum: 26. April 2015
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