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Schlagwort: Joachim Ringelnatz

Hinaus an den Strand

Hinaus an den Strand

Hinaus an den Strand will ich gehen, Wenn keiner wacht Das wilde Meer zu sehen Und die heilige Nacht. Und wieder faßt mich das alte Weh – Am Strand tanzt ein Boot. Das lockt mich hinaus in die tosende See, Fort, fort für immer von Haß und Not, In die See, in die Nacht, in das Glück, in den Tod. Ich löse das Tau Und die Freiheit lacht Hinter Nebel und Grau. Und ich fahre jubelnd hinaus in die Nacht,…

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Rückblick

Rückblick

Ich sehe hinter dem Grau heute Blau, Und ich bin milder gewordenIch bin nicht mehr der junge Radau Und wehe nicht mehr aus Norden. Es kommen die Jüngsten auch mal dahin, Wenn sie streng Zauderndes wagen Und fragen nach jedem »Wie ist …?« dann: »Wie bin …?« Und werden still Danke sagen. (Joachim Ringelnatz)

Lampe und Spiegel

Lampe und Spiegel

„Sie faule, verbummelte Schlampe!“sagte der Spiegel zur Lampe.„Sie altes, schmieriges Scherbenstück!“gab die Lampe dem Spiegel zurück.Der Spiegel in seiner Erbitterungbekam einen ganz gewaltigen Sprung.Der zornigen Lampe verging die Puste:Sie fauchte, rauchte, schwelte und ruste.Das Stubenmädchen ließ beide in Ruheund doch – man schob ihr die Schuld in die Schuhe. (Joachim Ringelnatz) (Gut, dass kein Spiegel in ihrer Nähe ist!)

Amaryllis

Amaryllis

Das Atelier ist heiß.Draußen, drunten die andere WeltKlopft ihre Teppiche, schreit und bellt.Der Maler, der das wußte, er weißEs jetzt nicht mehr. Die Zeit steht still.Der Pinsel zecht, läuft, zecht, läuft schnellUnd weiter, als er darf und will.Reglos im Stuhle das schöne ModellTräumt von sich selber, von Amaryll. (Joachim Ringelnatz)

Sommerfrische

Sommerfrische

Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß,Das durch den sonnigen Himmel schreitet.Und schmücke den Hut, der dich begleitet,Mit einem grünen Reis. Verstecke dich faul in der Fülle der Gräser.Weil’s wohltut, weil’s frommt.Und bist du ein MundharmonikabläserUnd hast eine bei dir, dann spiel, was dir kommt. Und lass deine Melodien lenkenVon dem freigegebenen Wolkengezupf.Vergiss dich. Es soll dein DenkenNicht weiter reichen als ein Grashüpferhupf. (Joachim Ringelnatz )

O Welt in einem Ei

O Welt in einem Ei

O Welt im Ei, von HautUnd Schale rings umgeben!Wenn dich die Sonne schaut,Beginnt dein freieres Leben. Dann lebst du, wie dein Ahne will,Als Strauß, als Fisch, als Krokodil,Als Huhn ein Mehrerwachen,Ein größeres Glück und größere QualIn einem weiteren Oval.Bis neue Schalen krachen. O Welt in einem Ei,Wie Wichtiges entscheidet sich,Geht deine Wand entzwei.Vielleicht verschlingt man, kocht man dich,Ißt dich mit Senf, mit Kaviar(Störs ungezählten Eiern!). Und wenn sie Ostern feiern,Die dich verschlucken roh und gar,Dann lachen sie und spaßena conto…

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Schweigen

Schweigen

Manche Leute verneigen Sich gern vor Leuten, die ernsten Gesichts Langdauernd schweigen. Manche Leute neigenDazu, zu grollen, wenn andere schweigen. Schonet das Schweigen. Es sagt doch nichts. (Joachim Ringelnatz) Oh doch. Schweigen kann so beredt sein. Bietet viel Interpretionsspielraum, vor allem, wenn man nicht weiß,warum, wozu geschwiegen wird.

Anstachelung beim Zahnstochern

Anstachelung beim Zahnstochern

… Keine Hand vors Gesicht.Komm, Zahnstöcherchen,Piek die PeinigerAus den Löcherchen!Schäme dich nicht,Denn du bist ein kluger Reiniger. Immer wacker gespießt!Wenn auch mal Blut fließt.Ich bin nicht bang.Gesegnete Mahlzeit beim letzten Gang. (Joachim Ringelnatz)

Tagesanfang

Tagesanfang

Aus meiner tiefsten Seele ziehtMit NasenflügelbebenEin ungeheurer AppetitNach Frühstück und nach Leben. (Joachim Ringelnatz) Heute gab’s selbst gemachtes Müsli – ich möchte wissen, was drin ist – mit selbstgepflückten Brombeeren/ und Banane (die musste „weg“).