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Schlagwort: Rainer Maria Rilke

Die Insel

Die Insel

Nordsee Die nächste Flut verwischt den Weg im Watt,und alles wird auf allen Seiten gleich;die kleine Insel draußen aber hatdie Augen zu; verwirrend kreist der Deich um ihre Wohner, die in einen Schlafgeboren werden, drin sie viele Weltenverwechseln, schweigend; denn sie reden selten,und jeder Satz ist wie ein Epitaph für etwas Angeschwemmtes, Unbekanntes,das unerklärt zu ihnen kommt und bleibt.Und so ist alles was ihr Blick beschreibtvon Kindheit an: nicht auf sie Angewandtes,zu Großes, Rücksichtsloses, Hergesandtes,das ihre Einsamkeit noch übertreibt.      II…

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Stimmungsbild

Stimmungsbild

(Abendstimmung in Speckhorn) Graue Dämmerungen hängenüberm weiten Wiesenplan, –müd, mit rotgelaufnen Wangenkommt der Tag im Westen an. Atemlos dort sinkt er niederhinter Hängen goldumsäumt,seine lichtermatten Liderfallen mählich zu. – Er träumt. – Träumt manch sonnig Traumgebilde..Leis vom Himmel schwebt dahin,jetzt die Nacht und neigt sich milde,Sterne lächelnd über ihn… (Rainer Maria Rilke)

Mein Engel

Mein Engel

(Installation in der Autobahnkirche Baden) Ich ließ meinen Engel lange nicht los,und er verarmte mir in den Armenund wurde klein, und ich wurde groß:und auf einmal war ich das Erbarmen,und er eine zitternde Bitte bloß. Da hab ich ihm seine Himmel gegeben, –und er ließ mir das Nahe, daraus er entschwand;er lernte das Schweben, ich lernte das Leben,und wir haben langsam einander erkannt… Seit mich mein Engel nicht mehr bewacht,kann er frei seine Flügel entfaltenund die Stille der Sterne durchspalten,…

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Zum Licht

Zum Licht

Sowie des LichtesFunken sich heben,Sieh’, des GedichtesRhythmisches Schweben,Dass es dich weckeAus deinen Träumen …Zaudern und säumen?Nur das nicht!Richte und reckeAuf dich zum Licht! (Rainer Maria Rilke, 3. Strophe des Gedichts, Zum Licht)

Der Auferstandene

Der Auferstandene

Er vermochte niemals bis zuletzt ihr zu weigern oder abzuneinen, dass sie ihrer Liebe sich berühme; und sie sank ans Kreuz in dem Kostüme eines Schmerzes, welches ganz besetzt war mit ihrer Liebe größten Steinen.  Aber da sie dann, um ihn zu salben, an das Grab kam, Tränen im Gesicht, war er auferstanden ihrethalben, dass er seliger ihr sage: Nicht –  Sie begriff es erst in ihrer Höhle, wie er ihr, gestärkt durch seinen Tod, endlich das Erleichternde der Öle und des Rührens Vorgefühl verbot,  um aus ihr die Liebende zu…

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Zukunft

Zukunft

Die Zukunft muss man sich selbst aufbauen,lange bevor sie eintritt. (Rainer Maria Rilke) Gibt es Grenzen, die Zukunft planen, sinnlos machen? Uns eher auffordern, den Augenblick zu genießen?Mit zunehmendem Alter werden bisherige „Sicherheiten“ bröckelig, andere dagegen gewinnen an Stärke.

Heute Morgen

Heute Morgen

Wann war ein Mensch je so wach Wie der Morgen von heut? Nicht nur Blume und Bach, Auch das Dach ist erfreut. Selbst sein alternder Rand, von den Himmeln erhellt, – wird fühlend: ist Land, ist Antwort, ist Welt. Alles atmet und dankt. O ihr Nöte der Nacht, wie ihr spurlos versankt. Aus Scharen von Licht War ihr Dunkel gemacht, Das sich rein widerspricht. (Rainer Maria Rilke)

Vergeßner Sonnenschein

Vergeßner Sonnenschein

Die Nacht holt heimlich durch des Vorhangs Faltenaus Deinem Haar vergeßnen Sonnenschein.Schau, ich will nichts, als Deine Hände haltenund still und gut und voller Frieden sein. Da wächst die Seele mir, bis sie in Scherbenden Alltag sprengt; sie wird so wunderweit:an ihren morgenroten Molen sterbendie ersten Wellen der Unendlichkeit. (Rainer Maria Rilke)

Heilige Einsamkeit

Heilige Einsamkeit

Du meine heilige Einsamkeit,du bist so reich und rein und weitwie ein erwachender Garten.Meine heilige Einsamkeit du –halte die goldenen Türen zu,vor denen die Wünsche warten. (Rainer Maria Rilke)