Hakan Nesser, Kim Novak badete nie im See von Genezareth

Ein Ich-Erzähler berichtet rückblickend von dem “SCHRECKLICHEN” , das im Sommer 1962 geschehen ist. Seine Mutter liegt im Sterben, die Mutter Edwards, eines Jungen aus der Nachbarschaft, ist in einer Entziehungsanstalt. Die beiden Heranwachsenden sollen unter Aufsicht Henrys, des älteren Bruders des Ich-Erzählers, den Sommer in einem schwedischen Sommerhaus an einem See verbringen. Dort treffen sie Ewa Kaludis wieder, die Kim Novak ähnelt, eine junge Lehrerin, bei der der Ich-Erzähler vor den Ferien Vertretungsunterricht hatte. Ewa ist mit dem Baseballspieler Berra Albertsson verlobt, der für sein rüpelhaftes und nicht gerade zimperliches Auftreten bekannt ist und Kanonen-Berra genannt wird. Ewa hat mit Henry ein Verhältnis – mit verheerenden Folgen: Berra Albertsson wird erschlagen auf einem Parkplatz in der Nähe des Sommerhauses gefunden. Sofort gerät Henry in Verdacht, wird sogar inhaftiert, doch auch die beiden Jugendlichen verstricken sich in Widersprüche.
Der Leser erhält zum Schluss des Romans nur eine Ahnung davon, wer der Täter gewesen ist. Gestellt wird er jedenfalls nicht.
Ein ruhig erzählter Kriminalroman, der dem Leser Einblick in die (Gedanken-) Welt der beiden Jugendlichen und ihrer Freundschaft gewährt, die versuchen, sich gegenseitig Halt zu geben in einer für sie schwierigen Situation, in der sie an den Erwachsenen ihrer Umgebung oft nicht mehr Orientierung finden als Phrasen.

Hakan Nesser, Kim Novak badete nie im See von Genezareth, aus dem Schwedischen von Christel Hildebrandt, München 2004, 287 S, ISBN 3-442-72481-3

Datum: 13. August 2008
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