Tana French, Schattenstill

“DAMIT EINS VON VORNHEREIN KLAR IST: Ich war genau der Richtige für diesen Fall.”

An Selbstbewusstsein mangelt es Detective Kennedy also nicht, als er mit diesem schrecklichen, ungewöhnlichen Mordfall beauftragt wird: Eine Familie – Vater, Mutter, ein Junge und ein Mädchen – wird in ihrem Haus aufgefunden. Nur die Mutter hat den Anschlag schwer verletzt überlebt. Die Kinder sind erstickt, der Ehemann erstochen worden. Es muss einer der Familienmitglieder gewesen sein, denn die Haustür des Einfamilienhauses war verschlossen, es gab keine Einbruchsspuren, aber eine Reihe von Löchern in den Wänden verschiedener Räume. Die Schwester der Schwerverletzten hatte einen Schlüssel, scheidet aber als Verdächtige relativ schnell aus.

Die Ermittlungen führt Detective Kennedy mit Richie, einem Neuling seiner Abteilung, durch, der sich rasch als geschickter Ermittler entpuppt, weil er leicht Zugang zu den zu befragenden Personen herstellen, zuhören und kombinieren kann. Die Ermittlungen legen menschliche Abgründe und Handlungsweisen hinter einer zunächst gutbürgerlichen Fassade dar, die nur eins zum Ziel hatten, die Fassade aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig ist der so coole Detective, gar nicht so cool, wie auch seine Fassade vermuten lasst, hinter die der Leser schauen kann, nicht aber Richie, Kennedys Partner. Es kommt im Verlaufe der Ermittlungen zu Missverständnissen, Unstimmigkeiten und zum Zerwürfnis, so dass Kennedy zum Schluss auf eigene Faust ermittelt und beschließt, den Fall zu einem “guten” Ende zu bringen, um dann anschließend seinen Dienst zu quittieren.

Dieser vierte Kriminalroman Tana Frenchs ist wie immer ein gut erzählter, spannender Krimi mit Personen, die eine Geschichte haben, sich im Verlauf der Handlung entwickeln bzw. man als Leser durch Rückblicke die Entwicklung nachvollziehen kann, wie immer aber auf einer Länge, die zwischendurch ermüdend ist, da an einigen Stellen relativ schnell klar ist, was sich innerhalb der vier Wände abgespielt hat.

Tana French, Schattenstill, Kriminalroman, a.d. Englischen v. Ulrike Wasel u. Klaus Timmermann, Frankfurt 2012, 729 S., ISBN 978-3-502-10223-6

Datum: 11. April 2013
Themengebiet: Buch-Rezensionen, Rezensionen Trackback: Trackback-URL
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