Platz schaffen

Der Besuch in der Autowaschanlage war mal wieder notwendig, habe zunächst die falsche Einfahrt erwischt und bin auf einen Secondhand-Shop aufmerksam geworden, der sich allein durch Haushaltsauflösungen speist.
Also erst Auto waschen lassen und dann noch einen Abstecher in den Shop riskieren – bei den Außentemperaturen und großen Fensterfronten schon eine Herausforderung ;)
Aber ich bin ja neugierig.
Es war ein Ausflug in meine Kindheit und Jugend: da war das „gute Sonntagsgeschirr“, am besten mit Goldrand und – wenn machbar – auch von einer renommierten Porzellanmanufaktur, die diversen Kristallgläser, – geschliffen natürlich – passende Kristallgläser für Cognac, Wein, zierliche Mokkatässchen, aus denen früher Tanten mit abgespreiztem kleinen Finger tranken, weil sie das für vornehm hielten, massive Beistelltische aus Eiche, Travertin, der Ascher aus Bleikristall, Zinn oder Bronze, alte „Schinken“, die überall in den Wohnungen und Häusern an den Wänden hingen – der Großvater mit Pfeife, der „röhrende Hirsch“ und was der Idylle mehr war. Nippes in allen möglichen Varianten und Materialien.
Nein, Buddhas etc. waren da nicht zu sehen, die stehen bei Haushaltsauflösungen offensichtlich noch nicht zur Verfügung ;)
Dafür aber Pelzmäntel in verschiedenen Ausführungen. Die ganz dicken, schweren meiner Elterngeneration schon nicht mehr.
Wann werden meine Haushaltsgegenstände in irgendwelchen Secondhand-Shops auftauchen, weil meine Söhne davon kaum etwas brauchen können, da sie selbst eigenständige Haushalte haben. Das ein oder andere Erinnerungsstück wird sicher integriert werden …
Solche Besuche führen einem die Endlichkeit der eigenen Existenz plastisch vor Augen, machen deutlich, dass wir nichts mitnehmen können und sind stille Aufforderungen, das Leben jeden Augenblick zu genießen und mit dem, was ist, in Frieden zu sein, bzw. da Frieden zu schaffen, wo noch Konflikte schwelen.
Doch dazu gehören meist zwei. Zur Versöhnung, zum inneren Frieden kann man auch aus eigener Kraft gelangen, wenn man denn will.
8 Gedanken zu „Platz schaffen“
Wie schön, diese philosophischen Ausführungen, angeregt durch die Secondhand-Angebote.
Ja, das Leben ist endlich, daran werden wir immer mal wieder erinnert.
Dir einen schönen, ganz heutigen Tag!
Lieben Gruss, Brigitte
Es hat fast alles mehrere Dimensionen, die man wahrnehmen könnte.
So auch der bloße Besuch einer Ausstellung ;)
Herzliche Abendgrüße
Grad stelle ich mir meine zarte Oma vor, flehend hingesunken vor einer bronzefarbenen Buddhafigur, doch sie hatte noch nicht mal ein Kreuz im Haus. Beten tat sie nur bei Gewitter.
Schön hast du trotz Hitze berichtet!
Doch bei uns waren es die diversen Kreuze. Doch flehend hingesunken habe ich meine Oma nie gesehen, nicht einmal betend, wohl aber „meckernd“, kritisierend.
Doch auf ihr Pfannkuchen lasse ich nichts kommen.
Abendgrüße aus Speckhorn
Die zahlreichen Fehler habe ich korrigiert, hoffentlich alle ;)
Das ist ein wunderbar gespannter Bogen, vom Platzschaffen zum Secondhandshop über das Gewahrsein der eigenen Endlichkeit – bishin zu Versöhnung.
Das Platzschaffen ist bei mir leider ins Stocken geraten, da war ich schon mal besser dabei. Aber es gibt auch keinerlei Neuanschaffungen – schon gar nicht brauche ich Kleidung.
Die elterliche Wohnung wird einmal genau das zu Tage bringen, was Du aufzählst. Wenn ich die Kästen und ihre Inhalte bestaune, dann frage ich mich, wie viele Familien mit all dem Geschirr, den Gläsern, den Handtüchern, den Kleidungsstücken leben hätten können. Genau aus diesem Grund will ich viel früher loslassen. Wer soll das alles hinter mir einmal ausräumen? Das will ich niemandem antun …
Liebe Grüße nach Speckhorn
Die Generation meiner (Groß-) Eltern haben gesammelt, gehortet. Stets nach dem Motto:
Das kann man sicher noch einmal gebrauchen.
Knöpfe wurden abgeschnitten und gesammelt … Doch sicher sind da die Erfahrungen des Krieges prägend gewesen, die Notwendigkeit, Dinge zu reparieren, auszubessern und zu stopfen. Ich erinnere mich, dass meine Mutter Pullover, die nicht mehr passten, aufgeribbelt, feucht gemacht, mit Hilfe eines Brettes geglättet und neu verstrickt hat. Bündchen wurden verlängert, Flicken auf dünn gewordene Ellbogenstellen genäht,.
Etwas, was ich in Ansätzen immer noch nachahmenswert finde, wenn auch nicht in diesem Ausmaß.
Die „gute alte Zeit“ ist sicher nicht immer das gewesen, was sie vorgegeben hat, das ein oder andere ist sicher dann doch gut im Sinne von sinnvoll gewesen.
Schicke dir friedvolle Abendgrüße
Das ist ja ein ganz besonderes Foto. Was für eine Focussiertheit und Klarheit – und doch irgendwie kryptisch. Lädt zum Stucdieren ein!
Deine Second-Hand-Laden-Erlebnis kann ich gut nachvollziehen, nicht nur die Gegenständen, sondern auch die Gedanken und Empfindungen, die einem da kommen. Es ginge mir genauso. Die Endlichkeit und vor allem den Umstand, dass es nur das eigene Herz ist, das an bestimmten Gegenständen hängt, wird einem da so deutlich.
Liebe Grüße, Andrea
Die Klarheit des Flyers steht tatsächlich im Kontrast zur Ausstellung im Secondhand-Shop. Dort hat man zwar die Angebote nach gewissen Themen arrangiert, dennoch hat das Ganze einen Anstrich von Trödelladen.
Hat auch was, muss man aber mögen ;)
Liebe Grüße