Wolfgang Herrndorf, tschick

„tschick“ ist ein Jugendroman des 2013 verstorbenen Autors Wolfgang Herrndorf, ein Road-Movie, in dem Maik Klingenberg und Andrej Tschiatschow, genannt Tschick, sich in einem gestohlenen Lada in Richtung Walachai aufmachen.

Beide sind in ihrer Klasse Außenseiter, obschon sie zunächst wenig miteinander zu verbinden scheint. Maik kommt aus einem „stinkreichen“ Elternhaus, Tschick aus einem der als Asi-Hochhäuser in Hellersdorf. Als vernachlässigt und verwahrlost bezeichnet ein „Typ von der Jugendgerichtshilfe“ allerdings beide, da keiner der beiden Eltern sich um die Jugendlichen zu kümmern scheint. Maiks Mutter ist in einer Entziehungsklinik, sein Vater fährt mit seiner sehr viel jüngeren Geliebten in Urlaub und Maik soll die Ferien in der elterlichen Villa am Pool verbringen, mit 200 € Taschengeld, Putzfrau und Gärtner zur Seite.

Doch dann fährt Tschick mit dem gestohlenen Lada vor und auf geht’s, ohne wirkliches Ziel, ohne Plan, ohne irgendetwas. Sie schliddern von einer Schwierigkeit, manche mögen sagen „Abenteuer“, in die nächste und haben ihren ungebremsten Spaß an diesen Situationen, lernen die ungewöhnlichsten Menschen kennen, denen sie immer andere Geschichten über sich auftischen, immer auf der Hut vor der Polizei.

Erzählt wird das Ganze in einer recht einfachen, sehr umgangssprachlichen Jugendsprache, bestehend aus diversen Slangelementen. Der Jugend-Roman trifft sicher den Nerv vieler Jugendlicher und ist von fast allen hoch gelobt worden.

Mir persönlich hat er zunächst nicht so gut gefallen. Das mag einfach daran liegen, dass mich Romane, die fast ausschließlich äußere Handlungen beschreiben, nicht so sehr interessieren. Spannender finde ich immer, was sich in den Köpfen der Menschen abspielt.
Und genau das findet man bei genauem Lesen zwischen den Zeilen: die Einsamkeit und Unsicherheit der beiden, das Sich-Ausprobieren-Wollen, das Sich-Vergleichen-Müssen, um den eigenen Weg zu finden. Und diese Suche ist letztendlich ja eine lebenslange.

Insofern ist der Roman dann auch wieder einer für Erwachsene, die sich beim Lesen an ihre eigene Jugend erinnern und vielleicht den ein oder anderen Impuls verspüren, mal wieder auszubrechen, über die Stränge zu schlagen, etwas noch nie Gemachtes zu tun. Noch einmal ein „erstes Mal“ erleben.

Wolfgang Herrndorf, tschick, 31. Aufl. Reinbek 2014, 254 S. ISBN 978-3-499-25635-6

Datum: 21. Mai 2014
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Ein Kommentar

  1. 1

    […] auf den Inhalt nicht eingehe, den verweise ich auf meine schon vor längerer Zeit erschienene Rezension (bitte klicken!) dieses Romans von Wolfgang […]

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