Ulla Pfluger-Heist, Mal sehen, was das Leben noch zu bieten hat

Wer wäre nicht gern klug und weise und nicht zu betrügen, wie es in der komischen Oper von Lortzing heißt. Doch wer klug ist und viel weiß, ist der schon weise? Sicher nicht.
Erhält man Weisheit vielleicht mit zunehmendem Alter oder muss man sie erlagen? Und wenn das so ist, was kann ein Weisheitssuchender dafür tun?

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Ulla Pfluger-Heist beginnt ihre gut lesbare und spannende „Entdeckungsreise“ ins Weisheitsland mit der kleinen Hexe von Otfried Preußler. Die kleine Hexe will eine gute Hexe sein, ohne „alt und dumm“ dabei zu werden wie die alten Hexen. Die sind nämlich „nicht nur neidisch und eifersüchtig auf die Jugend der kleinen Hexe, sondern überhaupt festgefahren in ihrer Gefühlswelt und in ihrer Weltsicht.
Weltsicht allein führt also auch nicht schon zu Weisheit, sondern eher zu Halsstarrigkeit. „Weisheit ist das Ergebnis eines langen Lebensprojektes; des Lebensprojektes persönlicher Entwicklung und persönlichen Wachstums. Ziel dieses Projektes ist das Erlangen von Lebenskunst.“

Das eigene Leben als Kunst? Hört sich spannend an.

Und was braucht’s dazu? Zeit, Vorbilder, Neugier, Krisen und „Erschütterungen, die das Leben gehörig durcheinanderwirbeln“, die Bereitschaft, sich mit den existentiellen Themen des eigenen Lebens auseinanderzusetzen, „die uns aus der Gemütlichkeit aufrütteln und uns zwingen, nach neuen Lösungen zu suchen.“

Und dazu gehört auch, sich auf die eigene „Seelenlandschaften“ einzulassen. Aber wer will das schon? Weisheit ist also nicht zum Nulltatrif zu bekommen, sondern nur durch lebenslanges Lernen.

„Die Persönlichkeit wächst in dem Maße, wie ein sich ausweitender Horizont bewusst wahrgenommen und handelnd erlebt wird. Das erfordert die Stärke und Entschlossenheit, immer wieder neu aus bisherigen Festlegungen auszubrechen und die Ereignisse des Lebens, wie sie kommen, geplant oder ungeplant, erwünscht oder unerwünscht, mit Neugierde, Offenheit, Akzeptanz und Liebe anzugehen.“

Dieses Buch zeigt auf, wie man das „Leben mit den Augen der Seele wahrnehmen“ könnte, um so der „Weisheit entgegenzuwachsen„. Ein Buch, das dann auf fruchtbaren Boden fällt, wenn der Leser nach der oder schon während der Lektüre beginnt, sich zu überlegen, was von dem Gelesenen mit seinem eigenen Leben zu tun hat, was integriert, korrigiert werden müsste und wo man sich bereits schon auf einem guten Weg und in guter Begleitung befindet. Eine Literaturliste im Anhang kann zu weiteren Entdeckungsreisen animieren.

Ein Buch – überaus lesenswert für all diejenigen, die Lust darauf haben, unterwegs zu sich selbst zu sein, die auch Spaß daran haben, wie die Autorin neben der „Kleinen Hexe“, Texte verschiedener Schriftsteller, LyrikerInnen und Philosophen heranzieht, zitiert und ihre Tiefen auslotet.

Ulla Pfluger-Heist, Mal sehen, was das Leben noch zu bieten hat. Weise werden, aber wie? Eine Entdeckungsreise. Freiburg i.B. 2009, 157 S., ISBN 978-3-451-06024-3

Datum: 4. März 2016
Themengebiet: Buch-Rezensionen, Fotos, Rezensionen Trackback: Trackback-URL
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