Benedict Wells, Vom Ende der Einsamkeit

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Jules, ein selbstbewusstes, quirliges, mutiges Kind muss mit seinen beiden Geschwistern Marty und Liz ins Internat, da die Eltern bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen sind und ihre Tante nicht für alle drei Kinder sorgen kann.

Im Internat wird auf die Situation der drei überhaupt keine Rücksicht genommen, weder von der Leitung, die Jules von seinem älteren Bruder und der Schwester getrennt unterbringt, so dass er kaum die Möglichkeit hat, mit ihnen in Kontakt zu kommen, noch von Seiten der Mitschüler. Eher im Gegenteil.

Jules zieht sich immer mehr in sich zurück, Musik, Bücher und seine Mitschülerin Alva helfen ihm weiterzuleben. Sie verbringen viel Zeit miteinander. Jules mag sie sehr, obwohl sie ihm immer auch fremd und geheimnisvoll bleibt. Seinen Vorschlag nach dem Abitur in eine Wohngemeinschaft zu ziehen, lehnt Alva ab. Sie verlieren sich aus den Augen. Denken muss Jules allerdings immer wieder an sie. Er kann und will sie nicht vergessen.

Bei einem Treffen nach Jahren, erfährt er, dass Alva inzwischen verheiratet ist, für ihn also mehr denn je unerreichbar. Doch dann laden Alva und ihr Mann Jules zu sich in die Schweiz ein.

Dieser sehr leise Roman ist eine Art Entwicklungsroman, erzählt aus der Rückblende, beginnend mit einem Krankenhausaufenthalt Jules, der nach einem Motorradunfall stationär behandelt werden muss. Erst am Ende des Romans erfährt man, was es mit dem Unfall auf sich hat und wie Jules dann doch noch mit Alva – der Liebe seines Lebens – zusammengekommen ist und welch bedeutende Rolle inzwischen seine Geschwister in seinem Leben, mit seinen zwei Kindern haben.

Es ist ein Roman, der durch viele innere Monologe, deutlich macht, wie unterschiedlich Menschen mit Verlust, Trauer innerer und äußerer Heimatlosigkeit umgehen, welche Kompensationsmöglichkeiten sie finden, gleichzeitig immer auf der Suche nach ihrem eigenen Lebenssinn, nach dem „richtigen“ Leben.

„Als junger Mensch hatte ich das Gefühl, seit dem Tod meiner Eltern ein anderes, falsches Leben zu führen … und erst spät habe ich verstanden, dass in Wahrheit nur ich selbst der Architekt meiner Existenz bin. Ich bin es, wenn ich zulasse, dass meine Vergangenheit mich beeinflusst, und ich bin es umgekehrt genauso, wenn ich mich ihr widersetzte. … Dieses andere Leben, in dem ich nun schon so deutliche Spuren hinterlassen habe, kann gar nicht mehr falsch sein.
Denn es ist meins.“

Benedict Wells, Vom Ende der Einsamkeit, Roman, Diogenes Verlag Zürich 2016, 355 S., ISBN 978-3-257-06958-7

Datum: 1. August 2016
Themengebiet: Buch-Rezensionen, Fotos Trackback: Trackback-URL
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2 Kommentare

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  2. 2

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