Anna Mitgutsch, Abschied von Jerusalem

Anna Mitgutsch, Abschied von Jerusalem

Jerusalem ist „wie eine Sabre, eine Kaktusfrucht, … stachlig und hart, aber der Kern ist weich und duftend süß.“
Hildegard, die sich in Jerusalem Dvorah nennt, ist in Wien geborene Jüdin, lebt aber als Journalistin in Amerika und verliebt sich in Jerusalem in den deutlich jüngeren Sivan, der vorgibt Armenier zu sein. Es ist ein erotisches Liebesabenteuer, das nur im Verborgenen geschehen kann und nur den Augenblick kennt. Denn weder ihre, noch seine Vergangenheit kommen zur Sprache, Zukunft ist undenkbar und nicht möglich. Er ist ihr „Sommergeliebter“. Eines Tages bleibt Sivan einfach weg. Ihre Ahnung, er sei Terrorist, scheint sich zu bestätigen. Bei ihrer Ausreise wird sie festgehalten.

Der Roman besteht aus einem Rückblick, in dem der Leser viel über Jerusalem und die sehr unterschiedlichen Bewohner erfährt, über Dvorahs jüdische und „arische“ Familienmitglieder, ihr Problem, sich nirgendwo dazugehörig zu fühlen, ihre Affinität zu dieser Stadt, diesem Land, in dem sie sich aber auch nicht wirklich zu Hause fühlen kann. Nahezu poetisch anmutende Landschaftsbeschreibungen lassen die Anziehungskraft dieser Stadt, dieses Landes erahnen. Dennoch ist sich Dvorah nicht klar darüber, inwieweit die stachelige, harte Schale sie nicht immer noch außen vorhält.

Ihre Beziehung zu Sivan ist verwirrend, verletzend und gleichzeitig intensiv und innig. Wie die Stadt, in der diese Liebe eigentlich nicht sein darf und sich dennoch – zumindest zeitweilig – durchsetzt, über alle Unmöglichkeiten und Gegensätze hinweg.

Anna Mitgutsch, Abschied von Jerusalem, Berlin 1995, 282 S., ISBN 3-87134-204-1

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