Silvester 2025

Das neue Jahr sieht mich freundlich an,
und ich lasse das alte mit seinem Sonnenschein und Wolken ruhig hinter mir.
(Johann Wolfgang v. Goethe)
Ok, hört sich gut an. Diese Ruhe-Einstellung hatte ich Silvester 1982 so noch nicht:
Denn: Wie jedes Jahr hat der Älteste an diesem Tag Geburtstag.
Viele verschiedene Erinnerungen sind damit unweigerlich verbunden:
– Die Vorbereitungszeit, die ich – in manchen Aspekten und nicht nur heute – keiner Frau mehr wünsche:
Die Frage nach Möglichkeiten einer Hausgeburt, abgebügelt mit der Gegen-Frage eines Arztes:
Wollen Sie das Blut bis an die Wand spritzen sehen, Ihr Kind in Gefahr bringen?
– Dann doch aber die Erkenntnis, dass es nicht soo verkehrt war, ins Krankenhaus zu gehen, da das noch
Ungeborene die Nabelschnur um den Hals hatte. Es also irgendwann offensichtlich schnell gehen
musste. Aber: Hätte ich es mit einer guten einfühlsamen, kompetenten Hebamme das nicht genauso
hinbekommen?
– Irritation darüber, dass die Begrüßung des Arztes darin bestand zu hören: Ein typisches Beamtenkind!
Sie bekommen für diesen Monat noch Kindergeld und können ihren Sohn noch steuerlich absetzen!!!
Super! Genau das zählt in dem Moment!!
– Mein Kampf darum, den neugeborenen Sohn bei mir im Zimmer zu behalten. War nicht vorgesehen:
Die Wöchnerin – also ich – braucht Ruhe. Ja, schon, aber das gelingt nicht, wenn ich mir Sorgen um
meinen Sohn mache.
– Der Kampf war dann letztendlich – in vorgegebenen Grenzen, nämlich tagsüber – erfolgreich.
Damit Frieden zuschließen und sich einzugestehen, das, was unter den gegeben Umständen möglich war, erreicht, ermöglicht zu haben, ist immer noch not-wendig und nach Jahrzehnten (!) zuzulassen.
6 Gedanken zu „Silvester 2025“
Spannend, diese Rückschau, die zeigt, wie viel Kraft nicht nur der Geburtsvorgang erfordert(e).
Aber du scheinst das insgesamt doch prima gemeistert zu haben. Dein Sohn wird dir dankbar sein.
Herzliche Gratulation und alles Gute in deine und seine Richtung!
Es lohnt sich für euch also besonders, den heutigen Tag zu feiern. :–)
Und das schöne Foto passt auch dazu.
Lieben Gruss in den Silvester,
Brigitte
In erster Linie war und bin ich dankbar, dass er gesund zur Welt gekommen ist, die Nabelschnur die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn nicht beeinträchtigt hat.
Alles andere konnte und kann ich unterordnen, dennoch bin ich manchmal ein wenig traurig, wenn ich höre, wie Frauen – in der Regel – heute unterstützt werden. Dennoch freue ich mich gleichzeitig für sie!
Nun ja, man ist halt Kind/Frau seiner Zeit ;)
Schauen wir nach vorn und setzten uns da für Veränderungen ein, wo es uns möglich ist.
Herzliche Neujahrsgrüße
Ich habe Dich schon oft als sehr starke Persönlichkeit empfunden, wenn ich Dir das ganz frei von der Leber weg so rückmelden darf. Aber angesichts einer schweren Geburt noch diese mentale Kraft aufzubringen, das ist schon sehr speziell. Ich habe großen Respekt!
Deine Erinnerungen zeigen, wie unfassbar roh so manche Ärzte dem Wunder einer Geburt gegenüberstanden. Ich fürchte, das könnte auch heute manchmal noch der Fall sein.
Ich habe mich ganz bewusst für eine Ärztin entschieden, die mich seit meinen Wechselbeschwerden gynäkologisch begleitet.
Mein früherer Arzt hat mir die Vorsorgeuntersuchungen schwer gemacht und ich habe eine Phobie vor solchen Terminen aufgebaut. Seine Anmerkung war einmal diese: „Sie haben so ein gebärfreudiges Becken, wie sieht es mit einem Kinderwunsch aus?“ Dieser Satz hat auch etwas mit mir gemacht. Seitdem dachte ich immer wieder darüber nach, warum es nicht genügend weibliche Fachärztinnen gab. Dies scheint sich in meiner Wahrnehmung erst in den letzten Jahren zu ändern.
Ich wünsche Dir von Herzen einen gut verbrachten Silvesterabend, ganz liebe Grüße nach Speckhorn! C Stern
Oh, das ist ja mal eine feine Rückmeldung!
Woraus schließt du das? Ich frage aus ehrlicher Neugier, weil mir offensichtlich diese Stärke kaum bewusst ist. Ich mache es, weil ich es für not-wendig halte.
Bei der Geburt des Jüngsten sollte ich unbedingt in die Badewanne. „Da geh ich nicht rein!“ „Es täte mir aber sicher gut!“ „Nein, ich mag nicht baden, aber wenn Sie eine Sauna hier haben, dann gern!“
Nach der Geburt sollte ich unter die Dusche. Das täte mir gut. Nein, ich bleibe liegen, ich bin müde und erschöpft. Ich brauche einfach meine Ruhe.“ Ich musste erst einmal die Rücksichtslosigkeit des hinzugerufenen Arztes verdauen, der zu nähen begann, obschon die Betäubungsspritze noch gar nicht wirkte. „Das kann gar nicht weh tun!“ Das hat mich allerdings so fassungslos gemacht, dass ich dazu nichts sagen konnte, konnte gerade noch meinen Impuls unterdrücken im meinen Fuß ins Gesicht stoßen. Man/ frau ist ja so höflich erzogen.
Ja und schon war man/ ich die Aufmüpfige …
Das ist schon kräftezehrend und manchmal möchte ich einfach „die Segel streichen“ und alles hinnehmen. Doch dann kommt da ein großes: Nein, bzw. ein Und-dennoch …
Etwas mehr Rückhalt und Solidarität wäre da manchmal hilfreich. …
Auch dir einen sanften Start ins Jahr 2026, tun wir das, was uns wesensgemäß ist.
Herzliche Grüße
Ich bin sehr betroffen, was Du über die Art und Weise schreibst, wie Ärzte mit Dir umgegangen sind. Das ist unfassbar traurig und ich fürchte, in so manchen Fällen gibt es das leider immer noch.
Doch es zeigt erneut, dass Du sogar in diesen so schwierigen Momenten, in wahren Ausnahmesituationen, gewusst hast, was für Dich und Deine neugeborenen Söhne richtig war.
Zu Deiner Frage: Ich meine, es ist mein Gefühl für das, wie Du schreibst, worüber Du schreibst, was Dich bewegt – auch, welche Rückmeldungen Du mir zu meinen Themen gibst. Daraus spricht sehr viel Erfahrung, ein intensiver Weg, viel Hinsehen (und nicht wegschauen) und ganz viel Tiefe und Einsicht, ein Dich-Den-Herausforderungen-Stellen und sie bewältigen.
Auch Deine Bücherwahl und Deine Rezensionen zeugen von Deiner Stärke.
Ich nehme Dich wahr als eine Frau, die wohl vieles erlebt hat, auch sehr Schmerzliches – und Du wächst daran, bist feinfühlig anstatt zu verhärten. All das schätze ich sehr, sehr an Dir – deshalb wäre ich sehr unglücklich gewesen, hättest Du Deinen Blog nicht weitergeführt.
Manches, was ich wahrnehme, kann ich auch gar nicht mit Worten benennen, ich spüre es einfach nur, auch in der Qualität von Farben.
Ich nehme viel aus Deinem Blog mit, nicht nur, während ich lese, ich denke auch dazwischen darüber nach, fühle mich inspiriert und bereichert. Und ich danke Dir für Deine Offenheit und Wertschätzung.
Herzliche Grüße nach Speckhorn
Herzlichen Dank für deine ausführliche Erklärung. Ich fühle mich gesehen und wenn ich vorbehaltlos, also ohne – immer noch vorhandene alte Glaubenssätze oder Zuschreibungen – hinspüre, dann auch passend beschrieben.
Herzlichen Dank.
Heute gehe ich im Vorfeld – zumindest bei Ärzten viel aktiver mit meinen Besonderheiten um. Ich konfrontiere Ärzte und Personal mit möglichen Folgen ihres Verhaltens, wenn sie nicht auf mich eingehen: bisher mit Erfolg, das Augenbrauenhochziehen nehme ich dann in Kauf, blöde Bemerkungen versuche ich zu überhören oder zu kontern, wenn mir Passendes einfällt.
Mittlerweile ist es besser geworden oder ich habe inzwischen mitfühlendere ÄrztInnen gefunden.
Herzliche Morgengrüße aus dem leicht winterlichen Speckhorn.