Barbara Bleisch, Warum wir unseren Eltern nichts schulden

Barbara Bleisch, Warum wir unseren Eltern nichts schulden

Dass Kinder ihren Eltern per se verpflichtet sind, ist eine immer noch weit verbreitete Ansicht, wie auch Eltern oft glauben, für ihre bereits erwachsenen Kinder noch zuständig zu sein und vieles besser zu wissen bzw. das Beste für ihre Kinder zu wollen und auch erreichen zu können.
Dieses tradierte Denken nimmt die Philosophin Barbara Bleisch in ihrem Buch „Warum wir unseren Eltern nichts schulden“ unter die Lupe.

Ihre Intention macht sie in ihrer Einleitung mit einem Russell-Zitat deutlich:

„Die Philosophie kann uns zwar nicht mit Sicherheit sagen, wie die richtigen Antworten auf die gestellten Fragen heißen, aber sie kann uns viele Möglichkeiten zu bedenken geben, die unser Blickfeld erweitern und uns von der Tyrannei des Gewohnten befreien.“

Unter den Aspekten „Schuld, Dankbarkeit, Freundschaft, Verwandtschaft, Verletzlichkeit und Das gute Kind“ – so auch die Kapitelüberschriften – geht sie der Frage nach, was Kinder ihren Eltern schuldig sind und inwiefern, in welchem Maße sie ihnen gegenüber verpflichtet sind, einfach aus der Tatsache dieser unlösbaren Verbindung heraus.l

Schritt für Schritt geht sie diesen Aspekten nach. Ihr Fazit lautet: dass Kinder ihren Eltern nichts schulden, sich aber bemühen sollten, gute Kinder zu sein. Die Grundvoraussetzung sei, dass beide Seiten respekt- und achtungsvoll miteinander umgehen müssen, wie das in allen tragenden, gelingenden Beziehungen der Fall sein muss, damit sie von Dauer sein können.

Das Buch bietet – falls notwendig, weil das familiäre Gefüge aus irgendeinem Grund in eine Schieflage geraten ist – eine gute Gelegenheit, das Verhältnis zu den eigenen Eltern zu reflektieren, sich aber auch darüber klar zu werden, wie halte ich es denn eigentlich mit den eigenen Kindern?
Welche Selbst- und Eigenständigkeit gestehe ich ihnen zu, welche unterschwelligen Erwartungen, Wünsche habe ich an sie. Können wir uns darüber austauschen, verständigen? Oder gibt es da eine anderen Verständigungsbedarf?
In der Hinsicht also: lesenswert!

Barbara Bleisch, Warum wir unseren Eltern nichts schulden, 10.Aufl. München 2019, 206 S., ISBN 978-3-442-71809-2

5 Gedanken zu „Barbara Bleisch, Warum wir unseren Eltern nichts schulden

  1. Da mein Mann und ich beide keine Eltern mehr haben, erübrigt sich das Thema für uns. Aber im Hinblick auf unsere Kinder wäre das Buch dennoch – so vermute ich – lesenswert, zumal ich die Philosophin Barbara Bleisch sehr schätze und ihre Art zu argumentieren toll finde.

    Einen lieben Montagsgruss, Brigitte

  2. eine Therapeutenfreundin in ihrer Aufstellungsarbeit:
    Ich habe das Leben durch euch, aber nicht von euch und nicht für euch!
    So der Spruch des Kindes zu den Eltern….

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