Kaltes Herz

Kaltes Herz

Schwarzes Eisen, kalt und spröde,
Schelten möchte ich dich nicht,
Weil es dir an Lebenswärme
Und an Biegsamkeit gebricht.

Bist du doch in Feuersgluthen
Zischend einst emporgewallt,
Eh‘ du unter Hammerschlägen
Mußtest werden starr und kalt.

Und, so sollt auch ihr nicht schelten,
Wenn ihr seht ein kaltes Herz,
Sollt ihm heißes Mitleid zollen,
Weil es gleicht dem todten Erz.

Wißt ihr denn, ob es nicht glühend,
Zischend einst emporgewallt,
Bis es unter Schicksalsschlägen
Ward wie Eisen starr und kalt?

(Luise Büchner)


10 Gedanken zu „Kaltes Herz

    1. Ich denke nur, dass das Erstarren und Erkalten kein Muss ist, wie im Gedicht behauptet wird.
      Doch Liebe, Zuneigung und Mitgefühl können es wieder warm werden lassen. Davon bin ich überzeugt.
      Herzliche Morgengrüße

  1. In dem kleinen Gedicht geht es darum, dass man Menschen, die kalt und starr sind/wirken, nicht verurteilt. Ihnen mit einer Art „Vorschuss-Verständnis“ zu begegen, das wird als wünschenswert gezeigt.
    Schön auch das Herz, das du uns zeigst!

    Liebe Grüße, Andrea

  2. gestern sah ich einen beitrag, in dem es um ähnliches ging, allerdings bezog es sich auf das oder diejenigen, denen man im fitness-studio begegnen kann:-). es ging ungefähr so, sich vorzustellen, was diese menschen, die man vielleicht insgeheim verurteilt, vorher so durchgemacht haben. ah. das ist jetzt total ungenau, aber es war überzeugend. nicht verurteilen – jedem mit warmen herzen gegenübertreten. manchmal klappts ja. manchmal (bei mir) leider nicht so… ich übe…
    lieber gruß
    Sylvia

    1. Wir sind ja auch keine Heiligen und selbst die waren menschlich und damit fehlbar ;)
      Sich aber immer mal wieder klarzumachen, wie man Menschen im Alltag begegnet, ist sicher nicht verkehrt.
      Herzliche Morgengrüße

  3. Ein erkaltetes Herz, kann es nicht auch kalt durch Erschöpfung geworden sein?
    Es ist anstrengend, immer wieder glühend emporzuwallen.
    Feuer, die hoch lodern, verbrauchen viel Energie – das wird gerade dann zum Problem, wenn Erwartungen enttäuscht werden.
    Luise Büchner hat mich nachdenklich gemacht, danke fürs Teilen.
    Herzliche Abendgrüße

    1. Das ist sicher nicht unwahrscheinlich. Die Hammerschläge, von denen im Gedicht die Rede ist, können ja unterschiedlicher Natur sein.
      Sicher fügt man sich die ein oder anderen Schläge selbst zu, weil man nicht achtsam mit sich selbst umgeht.
      Wünsche dir einen guten Morgen und einen eben solchen Tag.

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