Ulrike Edschmid, Die letzte Patientin

„Sie war nicht die Tochter, die ihre Mutter sich wünschte, und würde es auch nie sein. Sie schaffte es nicht, einen Mann an sich zu binden, sie würde keine Kinder haben, keine Familie, und sie hatte keinen Beruf. Sie war nichts, nichts als eine Enttäuschung.“
Doch später macht sie das, was sie immer schon umgetrieben hat, zu ihrem Beruf. Sie begibt sich auf „eine Forschungsreise in ihr Inneres und zerlegt das, was ihr stets als Unglück den Blick versperrte, in überschaubare Einzelteile.“ Sie wird Psychotherapeutin – mit eigener Praxis in einem kleinen Reihenhaus, das sie sich vom Erbe ihrer Eltern hat kaufen können. Ihr Schwerpunkt: die Trauma-Forschung.
Und dann kommt eine Patientin zu ihr, hochgradig traumatisiert, die schweigt, jahrelang. Wie geht da Therapie? Geht da Therapie überhaupt? Dann, wenn das „Schweigen unheilvoll“ ist?
„Keine Stille, sondern hart und unerbittlich. Eine undurchdringliche Wand habe sich zwischen ihr und ihrer Patientin aufgerichtet.“ Und genau diese Patientin bleibt und begleitet die unheilbar an Krebs erkrankte Therapeutin bis zu ihrem Lebensende, vermittelt ihr Geborgenheit und Liebe, die eigentlich beide in ihrem Leben sonst nicht erfahren und erlebt haben.
Es ist ein kurzer, ruhiger, eindringlicher Roman, der von der Sehnsucht nach Leben, Liebe und Geborgenheit erzählt, der gleichzeitig die menschlichen und beruflichen Grenzen einer Psychotherapeutin auslotet.
Das Leben dieser Therapeutin wird erzählt von einer ehemaligen WG-Mitbewohnerin aus Frankfurt.
„Die letzte Patientin“ ist ein Roman, der nachwirkt, auch dann noch, wenn man ihn längst schon zur Seite gelegt hat.
Ulrike Edschmid, Die letze Patientin, Roman, Berlin 2024, 111 S., ISBN 978-3-518-43183-2
2 Gedanken zu „Ulrike Edschmid, Die letzte Patientin“
Dein Beschrieb tönt gut und regt an, dieses wohl so spezielle wie berührende Buch zu lesen.
Danke und lieben Gruss zu dir,
Brigitte
Es ist schon ein sehr spezielles ;)
Doch genau solche Romane sind für mich interessant.