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Kategorie: Gedichte

Schnee

Schnee

Schnee, zärtliches Grüßender Engel,schwebe, sinke –breit alles in Schweigenund Vergessenheit!Gibt es noch Böses,wo Schnee liegt?Verhüllt, verfernt er nichtalles zu Nahe und Hartemit seiner beschwichtigendenWeichheit, und dämpft selbstdie Schritte des Lautestenin Leise?Schnee, zärtliches Grüßender Engel,den Menschen, den Tieren! –Weißeste Feierder Abgeschiedenheit. (Francisca Stoecklin)

Kapellenloser Glaube

Kapellenloser Glaube

Es gibt so wunderweiße Nächte,drin alle Dinge Silber sind.Da schimmert mancher Stern so lind,als ob er fromme Hirten brächtezu einem neuen Jesuskind. Weit wie mit dichtem Diamantenstaubebestreut, erscheinen Flur und Flut,und in die Herzen, traumgemut,steigt ein kapellenloser Glaube,der leise seine Wunder tut. (Rainer Maria Rilke)

Winter

Winter

Jetzt hat der rote Briefkasteneine weiße Mütze auf, schief und verwegen.Mancher hat bei Glatteisplötzlich gelegen,der sonst so standhaft war.Aber der Schnee hat leisund wunderbargeblinkt auf den Tannenbäumen.Was wohl jetzt die Schmetterlinge träumen? (Wolfgang Borchert) Leider kein Schnee, sondern Nieselregen auf gefrorenen Boden. Entstanden ist eine nahezu unsichtbare Eisglasur.Folge: zahlreichen Autounfälle und Stürze. Auch meine Standhaftigkeit ist gestern ins Rutschen geraten – auf dem Weg zur Mülltonne, die heute geleert werden sollen. Ich habe das Glatteis einfach nicht gesehen. Meine „Schutzengel“…

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„Mehr Licht“?

„Mehr Licht“?

„Mehr Licht. mehr Licht!“ Die Finsternis läßt mich nur zagend vorwärts gehn; ich schreite langsam, ungewiß und bleib oft ängstlich tastend stehn. (Karl May, erste Strophe seines Gedichts, „Mehr Licht“) In einer Großstadt wie Hamburg taucht dieser Wunsch erst gar nicht auf. Im Gegenteil, da schwirren einem eher Begriffe wie Elektrosmog oder Lichtverschmutzung durch den Kopf.

Zwischen den Jahren

Zwischen den Jahren

Zwischen zweier Jahre Sarg und WindelWiederholt sich immer solch historischer Schwindel, Der zumal Kalenderfabrikanten Und viele alte antitot gesinnte Tanten Hochbeglückt. Und auch mich. Prosit Neujahr, Brüder! Ich bin heute lüderlich. Ja, ich brülle und betrinke mich. Mich schlägt keine Uhr. Und ich wünsche jedem Menschen nur: Daß von dem, was er mit losem Munde Heute erfleht, möglichst wenig in Erfüllung geht. Weil die Welt mir doch zu jeder Stunde So am richtigsten erscheint, wie sie besteht. (Joachim Ringelnatz)

Schenken

Schenken

Schenke groß oder klein,Aber immer gediegen.Wenn die BedachtenDie Gaben wiegen,Sei dein Gewißen rein.Schenke herzlich und frei.Schenke dabeiWas in dir wohntAn Meinung, Geschmack und Humor,So daß die eigene Freude zuvorDich reichlich belohnt.Schenke mit Geist ohne List.Sei eingedenk,Daß dein GeschenkDu selber bist. (Joachim Ringelnatz)

Nach der Wintersonnenwende

Nach der Wintersonnenwende

Dann kommt ein Tag, du bist wie aufgewacht,Vorüber ist die längste Nacht,Du fühlst wie Frühling an die Augen wehen,Von neuem hebst du an zu sehen,Es ist noch nichts geschehen,Und doch ist dir, du habest viel vollbracht. (Ernst Lissauer)

Stell dich mitten in den Regen

Stell dich mitten in den Regen

Stell dich mitten in den Regen,glaub an seinen Tropfensegenspinn dich in das Rauschen einund versuche gut zu sein! Stell dich mitten in den Wind,glaub an ihn und sei ein Kind –lass den Sturm in dich hineinund versuche gut zu sein. Stell dich mitten in das Feuer,liebe dieses Ungeheuerin des Herzens rotem Wein –und versuche gut zu sein! (Wolfgang Borchert)

Lichter der Nacht

Lichter der Nacht

Der Jammer trübe Nacht die schwarze Nacht der SündenDes Grabes Dunkelheit, muß durch die Nacht verschwinden.Nacht, lichter als der Tag! Nacht, mehr denn lichte Nacht! (Andreas Gryphius, Über die Geburt Jesus, letzte Strophe des Sonetts)