Sara Sligar, Alles, was zu ihr gehört

Sara Sligar, Alles, was zu ihr gehört

Kate Aitken, eine junge Journalistin, will nach einem #meetoo Skandal New York verlassen. Sie hat weder Lust, noch Kraft, noch letztendlich eine echte Chance, in ihrer alten Umgebung neu anzufangen. Sie will und braucht aber Abstand – räumlich und emotional – zu dem, was war.

Das, was ihr passiert ist, bleibt lange vage, wird immer wieder nur angedeutet. Nach und nach erfährt man mehr Details, so dass allmählich, parallel zur eigentlichen Handlung, auch Kates Geschichte Gestalt annimmt.

Sie hat einen Job als Archivarin bei Theo Brand, dem Sohn der international bekannten Fotografin Miranda Brand angenommen, der nach dem Tod seines Vaters – lange nach Mirandas nicht wirklich aufgeklärtem Tod – Hilfe bei der Sichtung des Nachlasses braucht.

Kate Aitken kommt zunächst bei einem Onkel und einer Tante unter und beginnt den Job einer Archivarin im Hause Brands. Es gibt viel zu sichten und zu ordnen, da Miranda nahezu alles aufgehoben hat: (Arbeits-)Notizen, Briefe, Einkaufszettel, Kassenbons und sonstige Quittungen, die nach und nach das Porträt einer in viele Kämpfe verwickelten Künstlerin in einer von Männern dominierten (Kunst-) Welt entstehen lässt, die auch privat arge Schwierigkeiten in ihrer Ehe hatte, vor allem nach der Geburt ihres Sohnes Theo, in dessen Folge ihr Ehemann sie in eine Anstalt hat einliefern lassen, in der Elektroschocks als Therapieformen noch an der Tagesordnung waren.

Theo Brand verhält sich Kate gegenüber sehr reserviert, im Gegensatz zu seinen Kindern. Er begegnet ihr gegenüber sehr skeptisch und verbietet ihr, außer dem Arbeitszimmer seiner Mutter noch weitere Räume zu betreten. Aber gerade das entfacht Kates Neugier, die dann in Abwesenheit Theos Brands bei einem Streifzug durchs Haus Miranda Brands Tagebücher findet, die er vor ihr versteck hat. Heimlich liest sie diese Aufzeichnungen und erhält Einblick in die innere, die eigentliche Welt Miranda Brands.

Dass sich dann – wie könnte es in einem amerikanischen Roman auch anders sein – noch eine Affäre zwischen Kate und Theo entwickelt, die offensichtlich die Spannung noch erhöhen soll, da länger nicht klar ist, ob Mirandas Tod Mord oder Selbstmord und ob Theo daran beteiligt war oder nicht, hätte für meinen Geschmack nicht mehr sein müssen.

Die Konzentration auf das schwierige Frauenleben Mirandas und die immer noch bestehenden Schwierigkeiten heutiger Frauen im (Arbeits-) Leben hätte dem Roman sicher mehr Schärfe und Kontur gegeben.

Sara Sligar, Alles, was zu mir gehört. a.d. Engl. v. Ulrike Braus, Roman, hanserblau, Müchen 2020, 431 S., ISBN 978-3-446-26635-3

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