Freitag, 29. Mai 2015 | Kategorie: Allgemein, Fotos | Kommentare (2)

Bin erstaunt, welche Erinnerungen eine Zigarrenkiste bei mir auslösen konnte:

IMG_1634.JPG

IMG_1633.JPG

Natürlich waren die Zigarrenkisten meines Opas nicht so schön bunt, rochen aber intensiver – jedenfalls der Erinnerung nach. Wie sehr habe ich darauf gewartet, dass eine leer wurde. In der Zwischenzeit habe ich mich mit den Banderolen der Zigarren begnügt, die mein Opa für mich aufbewahrte und die ich dann zu Fingerringen umfunktioniert und getragen habe, bis sie sich auflösten oder zerrissen.

Ich konnte die Kästchen so gut für alles Mögliche gebrauchen. Für diverse Schätze, für Briefmarken, vor allem aber für Glanzbilber, mit und ohne Glimmer.
Die Kästchen konnte man auch gut mit auf die Straße nehmen, wo wir dann in Hauseingängen, auf Kirchentreppen saßen und getauscht haben, wenn wir jemanden trafen und jemand dann auch noch tauschen wollte. Telefone waren fürs Verabreden tabu. Die standen für uns Kinder unerreichbar im Wohnzimmer.

Donnerstag, 28. Mai 2015 | Kategorie: Allgemein, Fotos | Kommentare (2)

IMG_1632.JPG

Donnerstag, 28. Mai 2015 | Kategorie: Denk-Würdiges, Gedichte | Kommentare (2)

Wunderliches Wort: die Zeit vertreiben!
Sie zu halten, wäre das Problem.
Denn, wen ängstigts nicht: wo ist ein Bleiben,
wo ein endlich Sein in alledem? -

Sieh, der Tag verlangsamt sich, entgegen
jenem Raum, der ihn nach Abend nimmt:
Aufstehn wurde Stehn, und Stehn wird Legen,
und das willig Liegende verschwimmt -

Berge ruhn, von Sternen überprächtigt; -
aber auch in ihnen flimmert Zeit.
Ach, in meinem wilden Herzen nächtigt
obdachlos die Unvergänglichkeit.

(Rainer M. Rilke, aus dem Nachlaß des Grafen C. W.)

Mittwoch, 27. Mai 2015 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

Mr. Morris Duckworth verdient seinen Lebensunterhalt als Englischlehrer in Italien und hat neben seinem Job an einer Schule noch einige Privatschüler aus reichem Hause. Er hasst und verachtet die Reichen aus tiefstem Herzen, versucht aber gleichzeitig mit allen Mitteln “Einlass bei ihnen zu finden”. Dabei schreckt er vor nichts zurück. Diebstahl, Lug, Betrug und Verstellung gehören zu seinem Repertoire, nicht zuletzt auch Morde. Doch Schuld an seinen Taten sind immer die anderen:

“Er hatte schließlich nicht töten wollen. Es hatte keinerlei Vorsatz gegeben, die Tat war völlig spontan gewesen. Dieser widerliche, geile Idiot hatte es gar nicht anders verdient, er hatte ihn ja förmlich dazu gezwungen, und Morris wollte verflucht sein, wenn er sich deswegen das Herz schwer machte.(Mord sollte nach dem Wert des Opfers beurteilt werden, nach seinem Recht auf Leben, fand Morris, und nicht nach irgendwelchen abstrakten juristischen Prinzipien. Wer es getan hatte, war dann vielleicht gar nicht mehr so wichtig.)”

Der Kriminalroman ist kein gewöhnlicher, beschreibt er doch aus der Perspektive von Duckworth nicht nur dessen Taten und Bemühungen, diese nicht ans Tageslicht kommen zu lassen, sondern beteiligt den Leser auch über weite Strecken an Morris innerem Dialog mit seinem Vater, dem er per Diktafon seine Gemütslage, seinen Hass auf ihn mitteilt.

“Vater in seiner schweinischen Dummheit, brachte höhere Schulbildung irgendwie immer mit Homosexualität in Verbindung, und als Morris der erste Schüler von Acton High wurde, der in Cambridge ja akzeptiert wurde, war das für ihn bloß eine Bestätigung seines Verdachts.”

Der Leser wird aber auch Zeuge von Duckworth kruden Gedankengängen, etwa wenn er immer wieder überlegt, was er mit dem vielen Geld – das er aber noch gar nicht hat – anfangen will. Da ist von Anlagen bei der Börse, von Immobilieninvestitionen die Rede und jeder halbwegs intelligente Leser weißt, das das nicht gutgehen kann. Bemerkbar macht sich das auch im Schreibstil, der immer wieder durch Fragen, Fragen, Fragen geprägt ist und über weite Teile im Konjunjtiv II, dem Irrealis, geschrieben ist.

Ab und zu möchte man Duckworth zurufen, ob er nicht mal auf den Boden der Tatsachen kommen will, um dann auf realistischer Grundlage zu überlegen, wie’s weitergehen kann. Doch die Einwände würde er sicher nur als spießbürgerlich abtun – Hochstapler wie er ist.

Tim Parks, Der Ehrgeizige Mr. Duckworth, a.d. Engl. v. Lutz-W. Wolff, Verlag Antje Kunstmann, München 2015, 301 S. mit einem Vorwort des Autors, ISBN 978-3-88897-930-9

Mittwoch, 27. Mai 2015 | Kategorie: Allgemein | Kommentare (0)

IMG_1604.JPG

Dienstag, 26. Mai 2015 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (3)

Du wunderst wunderlich dich über Wunder,
Verschwendest Witzespfeile, blank geschliffen.
Was du begreifst, mein Freund, ist doch nur Plunder,
Und in Begriffen nicht mit einbegriffen
Ist noch ein unermeßliches Revier,
Du selber drin das größte Wundertier.

(Joseph von Eichendorff)

Montag, 25. Mai 2015 | Kategorie: Allgemein | Kommentare (2)

ansprechend organisiert

IMG_1617.JPG

Montag, 25. Mai 2015 | Kategorie: Aufgelesen, Denk-Würdiges | Kommentare (0)

So wie die Schalen einer Zwiebel Blatt um Blatt abgelöst werden müssen,
um an das Herz zu gelangen,
so muss der Diamant 58 Mal die Härte der Scheibe erfahren,
bis er seine Schönheit im Brillianten entfaltet.

(aus: Franz X. Bühler, Vom Kopf ins Herz, Bd. 1, S.74)

Sonntag, 24. Mai 2015 | Kategorie: Allgemein, Fotos | Kommentare (3)

IMG_1601.JPG

Sonntag, 24. Mai 2015 | Kategorie: Aufgelesen, Aufgeschnappt, Zitate | Kommentare (1)

Drei Dinge sind wichtig für ein gutes Leben:
erstens – freundlich zu sein,
zweitens – freundlich zu sein,
drittens – freundlich zu sein.

(Henry James, gefunden in “Lebenszeichen” v. 26.04.2015)