Dienstag, 5. Mai 2015 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (2)

Wenn der Frühling kommt mit dem Sonnenschein,
Dann knospen und blühen die Blümlein auf;
Wenn der Mond beginnt seinen Strahlenlauf,
Dann schwimmen die Sternlein hintendrein;
Wenn der Sänger zwei süße Äuglein sieht,
Dann quellen ihm Lieder aus tiefem Gemüt; -
Doch Lieder und Sterne und Blümelein,
Und Äuglein und Mondglanz und Sonnenschein,
Wie sehr das Zeug auch gefällt,
So macht’s doch noch lang keine Welt.

(Heinrich Heine)

Dienstag, 5. Mai 2015 | Kategorie: Allgemein, Fotos | Kommentare (0)

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Montag, 4. Mai 2015 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (0)

Wie soll ich meine Seele halten, daß
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
O süßes Lied.

(Rainer Maria Rilke)

Sonntag, 3. Mai 2015 | Kategorie: Denk-Würdiges | Kommentare (1)

Zufriedenheit
stellt sich ein,
wenn alles da ist,
was ich zum Leben brauche.

Ich
muss mir
dessen allerdings bewusst sein.

(© mona lisa)

Samstag, 2. Mai 2015 | Kategorie: Denk-Würdiges, Zitate | Kommentare (0)

“Voreiligkeit beruht auf Ungeduld und Hast. Vergesslichkeit beruht darauf, dass man von Anfang an ungeduldig ist, durch seine Gefühle in Verwirrung gerät und somit keine innere Ruhe findet. Beide Schwächen dürften kaum auftreten, wenn man sich stets in Geduld übt, seine Fassung behält und sich auf die im Augenblick anstehende Aufgabe konzentriert.“

(Kamada Ryuko)

Freitag, 1. Mai 2015 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (1)

So häng ich denn auf krummem Aste
und schaukle meine Müdigkeit.
Ein Vogel lud mich her zu Gaste,
ein Vogelnest ist’s, drin ich raste.
Wo bin ich doch? Ach, weit! Ach weit!

Das weiße Meer liegt eingeschlafen,
und purpurn steht ein Segel drauf.
Fels, Feigenbäume, Turm und Hafen,
Idylle rings, Geblök von Schafen, –
Unschuld des Südens, nimm mich auf!

Nur Schritt für Schritt – das ist kein Leben,
stets Bein vor Bein macht deutsch und schwer.
Ich hieß den Wind mich aufwärts heben,
ich lernte mit den Vögeln schweben, –
nach Süden flog ich übers Meer.

Vernunft? Verdrießliches Geschäfte!
Das bringt uns allzubald ans Ziel!
Im Fliegen lernt ich, was mich äffte, –
schon fühl ich Mut und Blut und Säfte
zu neuem Leben, neuem Spiel ..

Einsam zu denken nenn ich weise,
doch einsam singen – wäre dumm!
So hört ein Lied zu eurem Preise
und setzt euch still um mich im Kreise,
ihr schlimmen Vögelchen, herum!

So jung, so falsch, so umgetrieben
scheint ganz ihr mir gemacht zum Lieben
und jedem schönen Zeitvertreib!
Im Norden – ich gesteh’s mit Zaudern –
liebt ich ein Weibchen, alt zum Schaudern:
“die Wahrheit” hieß dies alte Weib ..

(Friedrich Nietzsche)

Donnerstag, 30. April 2015 | Kategorie: Aufgelesen, Aufgeschnappt, Zitate | Kommentare (3)

„Es lehrt die Sitte wohl, es sei am schönsten, bei Unglücksfällen möglichst ruhig sich zu verhalten und nicht dem Ausbruche seines Schmerzes sich zu überlassen: denn man könne ja erstens nicht wissen, ob ein Gut oder ein Übel mit dergleichen Zufällen verbunden sei: zweitens komme einem etwas Ersprießliches dabei für die Zukunft nicht heraus, wenn man sie ungeduldig ertrage: drittens sei keiner der menschlichen Verluste eines so großen Aufhebens wert; viertens sei das ewige ‚Ach und Weh’ dem Geistesvermögen hinderlich, was in jenen menschlichen Zufällen augenblicklich zur Hand sein muss.
Welchem Geistesvermögen … ?
Dem Vermögen … bei einem geschehenen Unfall mit sich vernünftig zu Rate zu gehen und wie beim Würfeln nach dem, was liegt, seine Maßregeln zu treffen, wie der vernünftig berechnende Verstand nach den gegebenen Verhältnissen es für das Beste hält, statt wie Knaben, nachdem sie hingefallen sind, die wunde Stelle mit der Hand zu halten und immerfort zu schreien; im Gegenteil soll man die Seele stets daran gewöhnen, sobald als möglich an das Heilen und Wiedergutmachen des Unglücksfalles und der Wunde zu gehen und man soll durch die Heilkunde die Klagelieder beschwichtigen.“

(Sokrates, gefunden bei massundmitte)

Mittwoch, 29. April 2015 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (3)

Sie mögen moderne Scheherazaden? Dann lesen Sie Nino Vetris Geschichten, die in Palermo spielen. Es sind grotesk, komisch, ironisch und nicht ganz ernst zu nehmende Alltagsgeschichten, in denen komische Kauze aller Art vorkommen: Das gibt’s das Genie, den Flüchtigen, den Alten, einen Wahrsager mit Computer und einen Priester, der seine Schafe beschimpft, statt ihnen die Absolution zu geben:

“Glaubt ihr vielleicht, die Tore des Paradieses würden von Jammerlappen und Herdenvieh aufgerissen werden, nur weil ihr nicht gemordet und geraubt und eure Frau nicht verdroschen habt? Ich werde sie euch jedenfalls nicht aufsperren … Ich würde euch für den Rest eurer Tage in der Zelle vermodern lassen. Aber wir haben doch gar nichts getan …, wollt ihr sagen. Und genau deshalb! Nichtsnutze, die ihr nur eure Nudeln und den Wein dazu im Sinn habt. Ich gebe euch den Segen, aber keine Absolution. Gehet hin in Frieden. Pack!”

Von Himmel und Hölle ist auch noch in anderen Bereichen die Rede, etwa wenn der noch jugendliche Ich-Erzähler unter Alkoholeinfluss nicht mehr wirklich unterscheiden kann, ob er sich im Paradies oder in der Hölle befindet, als meditativ und kontemplativ empfindet er den Zustand allemal.

Phantasie, Träume und Wirklichkeit verwirbeln, gehen ineinander über und der Leser kann sich von diesem Sog einfangen lassen wie der Vater des Jungen. Dieser findet schnell heraus, dass er mit seinen Geschichten einer Bestrafung durch den Vater entgehen kann, witzigerweise meist mit Geschichten, die sich dann als “wirklich” herausstellen. Liebevoll wird er vom Vater als “Scheherazade” bezeichnet. Und so erzählt er, auch reflektierend über Erfindung und Wahrheit in der Literatur:

“Wie doch manchmal die Wirklichkeit die Phantasie überholt!… Und mich erinnerte all das an Bücher. Daran, wie Bücher funktionieren. Vor allem die ohne große Beschreibungen in allen Details. … Im Buch siehst du nichts, das Buch liefert dir nur das Gerüst, das Skelett der Dinge. Das Fenster musst du selber bauen. Und genauso sind in Büchern die Straßen, die Autos, die Männer, die Frauen…
Und deshalb schien es mir, ich lebte in einem offenen Buch,”

Es ist ein ungewohntes Fenster, durch das man mit der eigenen Phantasie und Befindlichkeit schauen kann.

Nino Vetri, Mamas wunderbares Herz, Geschichten aus Palermo, a.d. Ital. v. Andreas Rostek, edition.fotoTAPETA, Berlin 2015, 117 S., ISBN 978-3-940524-34-8

Dienstag, 28. April 2015 | Kategorie: Allgemein | Kommentare (2)

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Dienstag, 28. April 2015 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (0)

Das Mädchen:

Vorüber! Ach vorüber!
Geh wilder Knochenmann!
Ich bin noch jung, geh Lieber!
Und rühre mich nicht an.

Der Tod:

Gib deine Hand, du schön und zart Gebild!
Bin Freund, und komme nicht, zu strafen:
Sei gutes Muts! ich bin nicht wild,
Sollst sanft in meinen Armen schlafen.

(Matthias Claudius)

Dieses Gedicht durchzieht wie ein Leitmotiv die Bilder Charlotte Salomons, zu sehen im Kunstmuseum Bochum; eine sinnvolle, sehenswerte Ergänzung zur Ballettaufführung im Musiktheater im Revier. Die Ausstellung ist noch bis zum 25.Mai 2015 zu sehen. Es lohnt sich!