Dienstag, 21. März 2017 | Kategorie: Aufgelesen, Zitate | Kommentare (2)

„27.März 2009-17:43
Liebste Johanna,
heute Morgen hat Simon beim ersten frühen, viel zu frühen Kaffee gesagt, wäre er zehn Jahre jünger und hätte drei Kinder weniger, hätte er mich schon verlassen. …“

Das kann ja heiter werden ;)
So jeden falls beginnt der neue Roman von Zsuzsa Bánk, „Schlafen werden wir später“, der im s. Fischer Verlag erschienen ist. Er liegt zum Lesen griffbereit. Die Rezension folgt, sobald ich ihn gelesen habe.

Montag, 20. März 2017 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (1)

Der Frühling ist die schönste Zeit!
Was kann wohl schöner sein?
Da grünt und blüht es weit und breit
Im goldnen Sonnenschein.
Am Berghang schmilzt der letzte Schnee,
Das Bächlein rauscht zu Tal,
Es grünt die Saat, es blinkt der See
Im Frühlingssonnenstrahl.
Die Lerchen singen überall,
Die Amsel schlägt im Wald!
Nun kommt die liebe Nachtigall
Und auch der Kuckuck bald.
Nun jauchzet alles weit und breit,
Da stimmen froh wir ein:
Der Frühling ist die schönste Zeit!
Was kann wohl schöner sein?

(Annette von Droste-Hülshoff)

Sonntag, 19. März 2017 | Kategorie: Allgemein, Fotos | Kommentare (6)

Heute ein Wahnsinnskonzert im Konzerthaus Dortmund erlebt:

Musicaeterna unter der Leitung von Teodor Currentzis mit der Violinistin Patricia Kopatschinskaja. Zu hören waren die Mozartsinfonie Nr. 25, Mozarts Violinkonzert Nr. 4 und die 3. Sinfonie von Beethoven.

Ich habe von Musik wenig Ahnung, ich erlebe und genieße sie, und diese Stücke habe ich so noch nie gehört – unglaublich. Sie hallt nach, schafft sich Patz und Raum in mir und wirkt, bewegt.

In der Pause habe ich dann eine andere Art von Sinfonie genossen: ein Stilleben, erst ohne Weingläser, dann mit – die beiden dazugehörigen Damen sind aus dem Stilleben getreten – sie passten farblich nicht dazu ;)

Ein stilvoller, genussreicher Nachmittag!

Samstag, 18. März 2017 | Kategorie: Allgemein, Fotos | Kommentare (2)


Sie hat den Winter überstanden und blüht zum Dank stillvergnügt vor sich hin.


Der erste Bärlauch frisch aus dem Garten aufs Brot.

Freitag, 17. März 2017 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (2)

Dieser Erzählband enthält 57 Miniaturen über Aleppo in Zeiten des Krieges, Geschichten, in denen sich Realität und Träume, Gedanken über Literatur, Malerei und Visionen vermischen. In ihnen erzählt der Autor – leise, subtil und verstörend und dennoch überaus poetisch – die grausamen, menschenverachtenden Auswirkungen des Krieges, auf den Alltag der betroffenen Menschen und ihre Beziehungen zueinander.

So wünscht er sich so sehr, wieder einen Spaziergang machen zu können, ohne einen Checkpoint passieren zu müssen. Als unbedarfter Leser, der mit diesen Checkpoints keine praktischen Erfahrungen gemacht hat, denkt man zunächst nur an die Unannehmlichkeiten, die diese Kontrollen mit sich bringen.

Doch diverse Erzählungen zeigen auf, dass es lebensbedrohliche Stationen sind, die einen unvorhersehbar, willkürlich und aus bloßer Laune der Soldaten heraus das Leben kosten können, darunter auch völlig unschuldige, ja hilfsbedürftige Personen:

„Die Szene spielte sich so nah vor mir ab, daß ich, als ich meine Hand ausstreckte, den Jungen und den Vermummten voneinander trennen konnte. Ich rief und nannte ihn gegen meinen Willen >mein Sohn<: >Laß ihn in Ruhe, er ist mongoloid!< aber er prügelte weiter auf den Jungen ein, nachdem er mir einen so zornigen Blick zugeworfen hatte, daß ich um mich selbst Angst bekam. Trotzdem rief ich noch einmal:>Er ist mongoloid! Hast du noch nie von dieser Krankheit gehört?< Ich hatte den Eindruck, daß er tatsächlich noch nicht davon gehört hatte, denn er schlug weiter mit dem Gewehrkolben auf den Jungen ein. Dann schleifte er ihn zur Mauer und brüllte: >Bleib hier stehen. Beweg dich bloß nicht vom Fleck!< Da hörte der Junge plötzlich auf zu weinen und rannte so schnell er konnte los. Doch er kam nicht weit, denn eine Salve von Schüssen streckte ihn nieder ..."

Doch auch die ganz normalen menschlichen Sehnsüchte – auch die der Soldaten – finden Gehör in den Miniaturen, die sich auf einen unbeschwerten Spaziergang im Park beziehen, der mittlerweile keiner mehr ist, weil alle Bäume zum Heizen abgeholzt sind, auf zwangloses Beisammensein in Cafés und natürlich auf die Liebe, die selbstverständlich auch in den Zeiten des Krieges zum Ausdruck gebracht werden und leben will.

Der Autor hat sich stets als „Sohn des Friedens“ erlebt und muss entsetzt feststellen, dass im Krieg lebt, den er „ohne Übertreibung und Zögern“ als dritten Weltkrieg bezeichnet. „Ich bin nun der Sohn eines äußerst grausamen Krieges, den die Syrer derzeit erleben.“

Die Frage, weshalb er nicht bereits geflohen ist wie viele andere Syrer auch, beantwortet er in der ersten Erzählung „Der Dialog des Spaziergängers“ so:

“ ‚Kann ein Körper ohne Seele leben? aus diesem Grund werde ich meine Wohnung nicht verlassen: Weil ich meine Seele nicht in einen noch so großen Koffer stopfen kann. Meine Seele ist all das, was du in meinem Zimmer siehst … Tausende Bücher. Hunderte Schallplatten, Zeichnungen, Gemälde und Photographien.‘ Ich sagte zu ihr:‘ Geh du, rette du dich. Aber ich bleibe hier, in meiner Wohnung, solange meine Seele weiterlebt.‘ „

Und so geht er weiter unter Lebensgefahr durch Aleppo, trifft sich mit den noch verbliebenen Freunden in Cafés, übersteht diverse Angriffe in seiner Wohnung und schreibt darüber. Das lesenswerte, berührende, weil nahegehende Ergebnis liegt nun vor.

Niroz Malek, Der Spaziergänger von Aleppo, mit einem Nachwort des Autors, a.d. Arabischen v. Larissa Bender, Weidle Verlag, Bonn 2017, 137 S., ISBN 978-3-938803-83-7

Dienstag, 14. März 2017 | Kategorie: Aufgelesen, Fotos | Kommentare (4)

Ein Plakat, das mir beim ersten Eisdielenbesuch dieses Jahres ins Auge „gefallen“ ist.

Wenn einfach machen so einfach wäre, dennoch eine gute Gelegenheit, für sich zu klären, wann, weshalb man nicht ins Handeln kommt.

Montag, 13. März 2017 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (4)

Aus diversen „Gesprächen mit meiner Mutter in ihrem 102. Lebensjahr“ hat André Heller, mit ihrem Einverständnis, 18 mehr oder weniger kurze Gespräche ausgewählt und in diesem Büchlein zusammengefasst. Zart, humorvoll, teilweise selbstironisch, heiter geht es um das, was im Leben wichtig und wesentlich ist und was einem am Ende des Lebens bleibt. – Sehr empfehlenswert.

André Heller, der nicht immer eine so zarte, liebevolle Beziehung zu ihr gehabt hat, schreibt über sie:

Dies „ließ sie empathischer und selbstzärtlicher werden. Sie sah sich und die Welt mit gütigeren Augen, ihre Gedanken und Taten wurden harmonischer und leuchtender. …(Sie) öffnete und durchschritt … bisher verborgene Türen in ihrem Wesen. Und sie traute sich zu, ihr Selbstverständnis noch einmal von Grund auf neu zu gestalten. Während sie auf ihre Besucher still dem Augenblick hingegeben wirkte, hatte sich ihr Bewusstsein aufs imponierendste verändert.“

Essenz der Gespräche – von deren Richtigkeit sich der Leser im Folgenden selbst überzeugen kann. Die Interviews geben einen knappen, aber wesentlichen Überblick über ihr Leben, das während des 1. Weltkrieges 1914 begann.

Die Frage ihres Sohnes: Bist du eigentlich mit dir befreundet? beantwortet sie so.

„Eher nicht. Ich war mir nie besonders sympathisch. Schon weil ich so groß war. Das war immer mein Leiden. Du kannst dir nicht vorstellen, wie groß ein Meter zweiundachtzig in meiner Generation war. Riesin haben sie mich verspottet. Ich habe mich bemüht, gebückt zu gehen, immer flache Schuhe zu tragen, damit ich kleiner wirke.“

Ihre Sehnsucht nach einem Haus am Meer blieb unerfüllt. Doch es geht auch um Schuld und Verantwortung für das, was um einen herum passiert ist. Sie wirft sich noch nach Jahrzehnten vor, einem verwundeten todkranken Soldaten den Kuss, um den er sie gebeten hat, verweigert zu haben, weil ihr davor gegraust hat.

„Am nächsten Morgen war er tot. Das kann ich mir nicht verzeihen. Diesen Kuss hätte ich gegen den Krieg und für den Frieden geben müssen.“

Als André ihr die Möglichkeit aufzeigt, es heute in Gedanken zu tun und die Schuld damit aufzulösen, antwortet sie ihm:
„Dann geh geh jetzt bitte, ich habe viel zu erledigen.“

Natürlich werden auch „Altersthemen“ angesprochen: Ihre mit dem Alter einhergehenden körperlichen Beeinträchtigungen, die im Widerspruch zu dem Gefühl stehen, innerlich doch noch jung zu sein und sich auf den nächsten Tag zu freuen.
Oder die Frage, was sie in ihrem Leben für wichtig und wesentlich hält und was sie – hätte sie die Wahl – anders machen würde. Und ob Angst noch ein Thema für sie ist.

„Ich hab keine Angst mehr, das zahlt sich nicht mehr aus. … Ich hab jetzt was anderes zu tun … einfach so sein.“

Sie unternimmt Führungen durch ihr Leben, „meist noch vor dem Erwachsensein“, „löst Knoten auf“ und ist sich dennoch bewusst, kaum mehr am Leben draußen teilzunehmen, es sei denn als Zuschauerin.

Am berührendsten war für mich das 12. Gespräch, in dem es ums Sterben geht. Freudig erzählt sie ihrem Sohn, was sie für sich entdeckt hat:

„Es gibt einen Durchschlupf. In mir. Man zieht sich ganz zurück und versammelt sich vor dem Durchschlupf. … Man kann ihn benützen oder nicht. Aber es gibt ihn, und ich weiß es. … Wenn man den Durchschlupf nicht benützt, muss man anderswo durchbrechen. Das ist nicht so sanft und sehr unangenehm. … Es gibt jetzt keine Eile mehr. Ich weiß, es gibt ihn, und ich weiß, wo er ist, ich bin ganz ruhig.“

Wie tröstlich für sie, aber vielleicht auch für den ein oder anderen Leser, der sich sicher bei der Lektüre fragen wird, was kann ich dazu beitragen, mein Leben zu leben, was gehört dazu und wie kann ich mich darauf vorbereiten, meinen Durchschlupf zu finden.

Ich wünsche diesem Buch viele Leser aller Altersklassen. Es kann einen heiter und ruhig werden lassen.

André Heller, Uhren gibt es nicht mehr. Gespräche mit meiner Mutter in ihrem 102. Lebensjahr, Paul Zsolny Verlag, Wien 2017, 109 S., ISBN 978-3-552-05831-6

Mittwoch, 8. März 2017 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (2)

Schon länger habe ich keinen (guten) Krimi mehr gelesen. Dieses Erstlingswerk von Luca d’Andrea, das in seiner Heimatregion Südtirol angesiedelt ist, hat mir ausnehmend gut gefallen. Messlatte ist bei mir, wie schnell ich einen solchen Krimi lese bzw. wie kurz die Lesepausen sind. Und die waren kurz, nur vom Alltag mit seinen Notwendigkeiten diktiert!

„Im Leben wie in der Kunst zählt nur eines: die Wahrheit. Um zur Wahrheit über Evi, Kurt und Markus und die Nacht des 28. April 1985 zu kommen, müsst ihr alles über mich wissen. Denn es gibt nicht nur 1985 und das Massaker am Bletterbach, sondern auch 2014. Es gibt nicht nur Evi, Kurt und Markus, sondern auch Salinger, Annelise und Clara.
Alles hängt zusammen.“

Wie alles und wie kompliziert alles zusammenhängt, entschlüsselt sich im Verlauf dieses Krimis, der mit einem Unglück 2014 beginnt. Salinger, Drehbuchautor und Ich-Erzähler des Krimis, Ehemann von Anneliese und Vater von Clara, springt am 14. September für seinen kranken Kameramann Mike ein. Er fliegt mit dem Helikopter der Bergwacht und der Crew auf einen Gletscher, um eine in eine Gletscherspalte gefangene Person zu bergen. Als Einziger kommt er nicht ums Leben, als der Helikopter von einer Lawine erfasst wird und abstürzt.

Er hat in der Gletscherspalte Aufnahmen machen wollen und sich abseilen lassen. Da nicht drei Personen von der Winde in den Helikopter hochgezogen werden können, bleibt er – zum seinem Glück – in der Spalte und kann nach einiger Zeit geborgen werden. Doch seitdem leidet er heftigst unter posttraumatischen Belastungsstörungen, weigert sich aber zu einem Therapeuten zu gehen und die vom Arzt verschriebenen Medikamente zu nehmen. Mit heftigen Folgen, unter denen auch seine kleine Familie zu leiden hat.

Um nicht gänzlich verrückt zu werden – wie er meint – beginnt er, trotz des Versprechens seiner Frau gegenüber, sich ein Jahr Auszeit zu gönnen, mit Recherchen über das bisher unaufgeklärte „Bletterbach-Massaker“, bei dem Evi, Kurt und Markus bestialisch ermordet worden sind. Salinger hat zufällig davon nach einem Besuch mit seiner Tochter in der Bletterbach-Schlucht davon erfahren:

„Es waren nur ein paar Satzfetzen, doch manchmal braucht es nicht viel – und schon hat das Schicksal dir die Schlinge um den Hals gelegt.“ Und da er gut darin ist, sich „selbst in die Tasche zu lügen“, beginnt er mit seinen komplizierten Nachforschungen. „Neugier nährt sich von weißen Flecken auf der Karte.“

Kompliziert sind sie, weil er sich selbst und Anneliese sowie seinen Schwiegervater austricksen muss, die von seiner Arbeit nichts erfahren sollen, schwierig auch, da im dem Südtiroler Dorf Siebenhoch, jeder von jedem weiß, was er treibt, und Salinger zudem als Außenstehender nur schwer Zugang zu Einheimischen bekommt. Sie blocken ihn und seine Bemühungen sofort ab, sobald sie ihn durchschauen. Mehr als einmal bezieht er Prügel. So regeln Männer im Dorf ihre Probleme.

Doch natürlich lässt Salinger nicht los, letztendlich kann er das tragische Massaker aufklären, nachdem nahezu das halbe Dorf als Täter infrage gekommen ist.

Der Krimi ist nicht nur wegen seiner Handlung um die Aufklärung des Massakers interessant. Man erhält als Leser zudem auch Einblicke in diese Dorfgemeinschaft mit ihren kulturellen Festen, Riten, ihren Moralvorstellungen, Lebensgrundlagen und der sozialen Kontrolle sowie in die Welt der Filmindustrie, der Salinger – aufgrund seiner Arbeit als Dokumentarschriftsteller – notgedrungen angehört.

Diese Einblicke werden geschickt in die eigentliche Handlung eingewoben, meist als retardierende Momente – aber selten langweilig, sondern eher als spannungssteigernde Elemente. Gleichwohl hätten sie manchmal etwas weniger ausführlich erzählt daherkommen können.

Luca d’Andrea, Der Tod so kalt, DVA, München 2016, 469 S., ISBN 978-3-421-04759-5

Dienstag, 7. März 2017 | Kategorie: Allgemein, Fotos | Kommentare (3)

ohne Worte

Montag, 6. März 2017 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (0)


Hast du so sehr geweint?
Nach zwanzig Jahren Abschied
Regnet es noch.

(Ivan Goll, gefunden bei: http://terebess.hu/english/haiku/deutsch.html)