Freitag, 20. Juli 2018 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

„Ein Buch wie ein Faustschlag“

ist auf der Coverrückseite zu lesen. Ja, an vielen Stellen ist der Roman ein Faustschlag in die Magengrube bzw. ins Gehirn. Es sind Schilderungen von Morden, die dem Schlachten von Tieren ähneln. Mehrfach wiederholt, setzen sie sich als Bilder im Gehirn fest sobald man als Leser den Beginn der Wiederholung bemerkt.

Der Roman spielt in der Warschauer Unterwelt der dreißiger Jahre. Jakub Shapiro, ein junger talentierter Boxer, und Kaplica, der Unterweltpate, sind die männlichen Protagonisten dieses Romans, in dem Frauen eine eher untergeordnete Rolle spielen als angepasste Dekoration ihrer Männer oder als Huren in dem von Ryfka geleiteten privaten Bordell. Mit ihnen verfahren die Männer nach Gutdünken und auf brutale Art und Weise, benutzen sie als Möglichkeit, ihren Frust und ihre Aggressionen über was auch immer abzubauen. Und keine von ihnen wehrt sich bzw. hat die Möglichkeit, sich zu wehren.

Es ist kein Roman, der eine lineare Handlung erzählt, sondern eher geleitet ist von den „Aufgaben“ des Unterweltpaten, der stets darum bemüht ist, seine Macht und Geldquellen zu erhalten. Spuren Menschen nicht nach seinen Vorstellungen, werden sie liquidiert. Jakub Shapiro wird zu seiner rechten Hand, übernimmt immer mehr Aufgaben und gerät zusehends in die Rolle des Paten, als diesem ein politischer Mord angehängt und er deswegen inhaftiert wird. Politisch motivierte Gegner aus der rechten Szene werden zunehmend zum Problem, dem Kaplica dann irgendwann nicht mehr gewachsen ist.

Erzählt wird der Roman aus der Erinnerung eines Mannes, dessen Vater von Jakub Shapiro getötet worden ist:

„Meinen Vater hat ein großer, gutaussehender Jude mit breiten Schultern und dem mächtigen Rücken eines makkabäischen Kämpfers getötet. Jetzt steht er im Ring, es ist der letzte Kampf des Abends und die letzte runde dieses Kampfes, und ich schaue aus der ersten Reihe zu. Ich heiße Mojzesz Bernstein, bin siebzehn Jahre alt und existiere nicht.“

Tja, schon auf der ersten Sie beginnt das Verwirr- oder Versteckspiel um die Identität es Icherzählers. Denn das Wissen des Erzählers geht an vielen Stellen weit über das hinaus, was der Ich-Erzähler aus seiner doch eher begrenzten Perspektive wissen kann. Erst ziemlich zum Schluss, aber auch nur bei genauem Lesen, wird die Identität des Erzählers gelüftet. Der Leser wird gezwungen, sich über das Gelesene und die Bedeutung des Erzählten für den Erzähler noch einmal völlig andere Gedanken zu machen.

Ich persönlich habe da gestreikt. Mir war der Roman über weite Strecken zu brutal. Die Funktion der Gewaltszenen hat sich mir – auch im Verlauf des Romans – nicht wirklich erschlossen. Aber vielleicht ist der Roman ja auch ein Männer-Roman, allerdings mit einer frauenverachtenden Perspektive. Empfehlenswert? Meiner Meinung nach nicht.

Szczepan Twardoch, Der Boxer, a.d. Polnischen v. Olaf Kühl, Rowohlt Verlag, Berlin, 3. Aufl. 2018, 463 S., ISBN 978-3-731-008-3

Donnerstag, 19. Juli 2018 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (4)


Nicht alle Schmerzen sind heilbar, denn manche schleichen
Sich tiefer und tiefer ins Herz hinein,
Und während Tage und Jahre verstreichen,
Werden sie Stein.

Du sprichst und lachst, wie wenn nichts wäre,
Sie scheinen zerronnen wie Schaum.
Doch du spürst ihre lastende Schwere
Bis in den Traum.

Der Frühling kommt wieder mit Wärme und Helle,
Die Welt wird ein Blütenmeer.
Aber in meinem Herzen ist eine Stelle,
Da blüht nichts mehr.

(Ricarda Huch)

Mittwoch, 18. Juli 2018 | Kategorie: Aufgelesen, Denk-Würdiges, Worte, Zitate | Kommentare (2)

Niemand wird mit dem Hass auf andere Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ethnischen Herkunft oder Religion geboren. Hass wird gelernt.

Und wenn man Hass lernen kann, kann man auch lernen zu lieben. Denn Liebe ist ein viel natürlicheres Empfinden im Herzen eines Menschen als ihr Gegenteil.

(Nelson Mandela)

Dienstag, 17. Juli 2018 | Kategorie: Zitate | Kommentare (2)


Ich mag und will jetzt nicht berühmt werden, aber nach hundert Jahren möcht‘ ich gelesen werden.

(Annette von Droste-Hülshoff)

Montag, 16. Juli 2018 | Kategorie: Allgemein, Aufgeschnappt, Fotos | Kommentare (2)


Es gibt keinen Himmel für Putzfrauen.
Und wenn, dann möchte ich da auf keinen Fall hin.

Sonntag, 15. Juli 2018 | Kategorie: Allgemein, Aufgelesen, Worte, Zitate | Kommentare (4)


Es braucht Courage,
aufzustehen und zu reden.
Genauso braucht es Courage,
sich hinzusetzen und zuzuhören.

(Winston Churchill)

Samstag, 14. Juli 2018 | Kategorie: Allgemein, Fotos | Kommentare (5)

Freitag, 13. Juli 2018 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Fotos, Gedichte, Rezensionen | Kommentare (2)


„hauptsache es berührt“ spricht schon durch die Aufmachung mein ästhetisches Empfinden an. Ergänzt werden die zweisprachigen Gedichte von ansprechenden doppelseitigen Fotografien vor jedem der vier Kapitel, die viel Raum für eigene Fantasien und Interpretationen lassen:

die heilige widersetzt sich der verehrung,
die geräusche der stadt,
vor hellen Fenstern gestochen scharf,
mückenlarven schlupfbereit

Die Gedichte der jeweiligen Kapitel sind nummeriert, ohne Titel. In ihnen skizziert Joachim P. Harms Stimmungen, kurze Augenblicke und erzeugt entsprechende Stimmungsbilder, in die man sich begeben und verweilen kann, wenn man mag:

8
eine plastiktüte vorm wind
schraubt sich empor,
bleibt hängen im geäst.

schwärme von hängeschlössern
im maschendraht verstrickte
liebesschwüre.

vertäute schiffe.
ein mann schrubbt das deck.

Manchmal ergeben sich zunächst auch sprachliche (Lese-) Widerstände, wenn durch Enjambements Zeilen auf ungewohnte Art miteinander verwoben werden, die Sätze ellipsenförmig daherkommen:

9

sie gab ihm bratkartoffeln
und erklärte wie wichtig es sei
eine kunst
sie auf beiden seiten knusprig
und in der mitte nicht zu weich.

man könne auch zwiebeln dazu.
aber das sei nicht leicht
brennen sie an und zu glasig …

er wollte milchreis.
dampfend heiß
goldgelb zucker und zimt.

Insgesamt ergeben sich Sprach- und Stimmungsbilder, die man als Leser hinnehmen oder mit eigenen Assoziationen und Fantasien ergänzen und dann zu etwas Eigenem machen kann. Achtsam zu lesen in stillen Momenten, damit sie ihre Wirkkraft entfalten können.

Im Anhang kann man über die an der Entstehung dieses Bandes beteiligten Personen Näheres erfahren.

joachim p. harms, it touches that’s the main thing, hauptsache es berührt, ins Amerikanische Englisch übertragen von Allan Andre, Norderstedt 2016, 149 S., ISBN 978-3-7412-7130-4

Donnerstag, 12. Juli 2018 | Kategorie: Alltägliches, Fotos | Kommentare (2)


Eine fröhliche Aufforderung zur Müllbeseitigung.

Mittwoch, 4. Juli 2018 | Kategorie: Allgemein, Fotos | Kommentare (6)


Lege jetzt einfach mal eine kleine Sommerpause ein.
Zeit, um die Füße hochzulegen, die Seele baumeln zu lassen und zu genießen, was es zu genießen gibt.