Montag, 27. Mai 2019 | Kategorie: Fotos, Zitate | Kommentare (1)


„Sie stellte sich eine Pusteblume vor, wenn Sie an Ihre Familie dachte, die weißen , beinahe schwerelosen Samen, verweht in alle Richtungen. Der Schlüssel zur Zufriedenheit lag darin, nicht nach Gründen zu fragen, das hatte sie vor langer Zeit gelernt.“

(aus: Elizabeth Strout, Das Leben natürlich, München 2014, S. 274)

Sonntag, 26. Mai 2019 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

Wenn Conradi Vögel beobachtet, und das macht er seit er als Kind ein Fernglas geschenkt bekommen hat, erlebt er immer wieder eine „Identität zwischen dem Sehenden und dem, was er sieht.“ Es sind für ihn „Momente der Leichtigkeit und Schönheit.“

„Und von diesem Augenblick, diesem kostbaren Jetzt, geht eine große Ruhe aus.“

Dieses Eintauchen ins Hier und Jetzt, das Im-Moment-ganz-Dasein, das Genießen des Augenblicks – ohne Gedankenschwere – genau das macht für den Autor die Praxis des Zen aus: Es ist eine Form der Meditation, „zu der man auch die vermeintlich banalen Tätigkeiten erheben“ kann.

Für Dōgen, den Conradi zitiert, gab es „keinen Unterschied zwischen den Arbeiten des Alltags und den Übungen in der Zen-Halle.“

Mit Conradi kann man sich auf Ausflüge in die Welt des Zen und und die wunderbare der Vogelwelt begeben, weltweit. Das kunstvoll gestaltete, sehr ästhetisch anmutende Büchlein strahlt eine Tiefe und Ruhe aus, die sich beim Lesen überträgt, so dass das Lesen selbst zu einer Art Meditation werden kann, vor allem wenn man es in der Natur liest, im Park, am Meer oder wo auch immer sich Vögel aufhalten. Man kann das Lesen dann von Vogelgesängen begleiten lassen oder einfach immer wieder Pausen machen, um gezielt zu lauschen. Dazu muss man auch nicht „Birder“ sein und die Vogelstimmen zuordnen können.

Arnulf Conradi und dem Kunstmannverlag ist da ein ästhetisches, sinnliches Lesevergnügen gelungen. Man kann förmlich nachvollziehen, was der Autor beschreibt:

„Das Erlebnis, den Vogel in seiner Schönheit und Lebendigkeit wahrzunehmen, ist wie eine Senkrechte in der Zeit. In dem Moment gibt es nichts anderes, du bist ganz im Hier und Jetzt.“

Ich wünsche diesem Buch viele LeserInnen!

Arnulf Conradi, Zen und die Kunst der Vogelbeobachtung, Verlag Antje Kunstmann, München 2019, 239 S., ISBN 978-3-95614-289-5

Samstag, 25. Mai 2019 | Kategorie: Aufgelesen, Fotos, Gedichte, Zitate | Kommentare (8)

niemals strauchelt die flechte.
ihre werke mißlingen nicht.

(Zwei Zeilen des Gedichts „flechtenkunde“ v. Hans Magnus Enzensberger)

Freitag, 24. Mai 2019 | Kategorie: Allgemein, Alltägliches, Zitate | Kommentare (4)


Muss ich noch 1.000 Orte besuchen, bevor ich sterbe?
(Rainer Wälde)

Donnerstag, 23. Mai 2019 | Kategorie: Allgemein, Fotos | Kommentare (7)

Mittwoch, 22. Mai 2019 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (8)


Das Leben ist gut und licht.
Das Leben hat goldene Gassen.
Fester wollen wirs fassen,
wir fürchten das Leben nicht.

Wir heben Stille und Sturm,
die bauen und bilden uns beide:
Dich – kleidet die Stille wie Seide,
mich – machen die Stürme zum Turm…

(Rainer Maria Rilke)

Dienstag, 21. Mai 2019 | Kategorie: Fotos | Kommentare (6)

Montag, 20. Mai 2019 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Fotos, Rezensionen | Kommentare (4)

Kochen als Trost, Therapie, Möglichkeit, Trauer zu bewältigen und ins eigene, veränderte Leben zurückzufinden? Warum nicht?

Nachdem Ingrid Niemeiers Mann nach 34 Jahren Ehe gestorben ist, hat sie sich zunehmend in ihre Küche zurückgezogen und gegen ihre Trauer angekocht, vor allem mit Zimt, denn „Zimt ist die Ermunterung etwas zu wagen. Zuerst in der Küche, dann sehen wir weiter.“

Kreativ hat sie Rezepte ausprobiert, sich mit sinnlichen Düften umgeben, die sie umarmen, weil sie frohe Erinnerungen wachrufen. Sie merkt für sich, dass das Kochen „die einzige Zeit des Tages ist, in der ich bin. … Die pure Version aus Mandarinen, Zucker und Zitronen ist unschlagbar, Kindheit steigt aus der Tiefe auf. Das ist inneres Leuchten. Der Geruchssinn öffnet Schubladen in den Archiven des Gehirns. Mandarinen: unbesorgte Fröhlichkeit mit Schneeflocken auf der Nase.“

Doch Kochen, Einkaufen machen auch ihr Alleinsein deutlich, etwa wenn sie im Mai Spargel auf dem Markt sieht, für den immer ihr Mann zuständig war. Und ihr wird zudem deutlich, dass seine Zubereitungsart nicht wirklich ihre war:

„Ich will den Spargel nicht mit Sößchen und Kartöffelchen zubereiten. Musst du gar nicht! Da sticht die Realität wieder zu: Du kannst ab jetzt für immer alles so machen, wie du es willst. Der Spargel ist die lächerlichste Verdeutlichung dieser zweifelhaften Freiheit. Keine Butter mehr, kein Parmesan, kein kleines Steak und kein gehacktes Ei. Ich mache grünen Spargel mit Olivenöl im Ofen auf Kartoffelpüree. Ich backe weißen Spargel mit Rosmarin und Zitronenscheiben zu rohem Babyspinat und gerösteten Brotwürfeln. Grüner Spargel mit Miso-Sauce, Spargel Pannacotta und Spargel Gazpacho, Spargel mit Bratwurst und Himbeer-Rettich, weißer Spargel mit Linsen und Erbeerpüree, grüner Spargel mit Aprikosen.“

Sie hat schon recht bald eine Art Kochtagebuch angelegt, eine Kombination aus Rezepten und Notizen über die eigene Befindlichkeit. Und sie merkt nach einem Jahr, dass zwar ihre Trauer nicht wie erhofft vorbei ist. Doch sie kann dennoch feststellen: „Ich halte mich jetzt besser aus. Das macht es den anderen leichter, bin nicht mehr bis an die Zähne mit Schmerz bewaffnet.“ Sie bilanziert ihre Küchentätigkeiten: Und diese Bilanz lässt sich sehen.

Dieses besondere Kochbuch. In 22 Kapiteln findet der Leser ihren Trauerprozess , teils humorvoll, ironisch mit wunderbaren Vergleichen beschrieben, kombiniert mit sehr ungewöhnlichen Rezepten und Anmerkungen von David Roth, einem Beerdigungsunternehmer aus dem Bergischen, der als Trauerbegleiter in seiner privaten Trauerakademie ungewöhnliche Wege geht und u.a. die Idee seines Vaters umsetzt, Kochkurse für Trauernde anzubieten.

Für ihn steht das das Verbindende des Kochens im Vordergrund, das gemeinsame Einkaufen, Kochen und anschließende Genießen und das sich Erinnern. Er verbindet die Arbeit an diesem Buch mit der Hoffnung, „dass ein bisschen vom Geist dieser Kochkurse in diesem Buch steckt und Sie über das sinnliche Kocherlebnis Schritt für Schritt zurück ins Leben finden.“

Es ist ein schön gestaltetes Buch, die Beiträge von Niemeier und Roth sind farblich unterschiedlich, so dass eine Zuordnung auf den ersten Blick erkennbar ist. Garniert sind die Beiträge mit schönen Bildern, die einen bildhaft sinnlichen Eindruck der Kochergebnisse zeigen.

Im Anhang findet man ein Glossar, in dem „Was ist was?“ erklärt wird und ein alphabetisch angeordnetes Rezeptverzeichnis.
Anregend in jeder Hinsicht.

Zu den Rezepten kann ich noch nichts sagen. Doch ich bin sicher, ich werde einige davon ausprobieren, weil mich Rezepte ansprechen, die Zutaten kombinieren, die ich zunächst für nicht kombinierbar halte, wie Kartoffelsuppe mit Zimt und Kurkuma in dem Kapitel: Mit Kartoffeln allein zu Haus.

David Roth, Ingrid Niemeier, Nimm Zimt. Tröstende Rezepte in Zeiten der Trauer, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2019, 169 S., ISBN 978-3-579-07315-6

Sonntag, 19. Mai 2019 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (4)

Herz, mein Herz, sei nicht beklommen
und ertrage dein Geschick.
Neuer Frühling gibt zurück,
was der Winter dir genommen.

Und wie viel ist dir geblieben,
und wie schön ist doch die Welt!
Und mein Herz, was dir gefällt,
alles, alles darfst du lieben!

(Heinrich Heine)

Samstag, 18. Mai 2019 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (2)


Des Menschen Seele
gleicht dem Wasser:
vom Himmel kommt es,
zum Himmel steigt es,
und wieder nieder
zur Erde muss es –
ewig wechselnd.

Seele des Menschen,
wie gleichst du dem Wasser!
Schicksal des Menschen,
wie gleichst du dem Wind.

(Johann Wolfgang von Goethe)