Montag, 20. Oktober 2014 | Kategorie: Allgemein | Kommentare (0)

Das Leben hört nicht auf, lustig zu sein,
wenn Menschen sterben.
Ebenso bleibt es ernst,
wenn Menschen lachen.

(George Bernhard Shaw)

Genau das habe ich am Bett einer Dame erfahren, die auf einen Platz im Hospiz wartet.
Wir haben uns voneinander verabschiedet – für immer.
Und das heiter und gelassen.
Eine für beide heilsame Begegnung.

Sonntag, 19. Oktober 2014 | Kategorie: Alltägliches | Kommentare (0)

“Eine Pastorin? Keine Sorge“…, “Das heiratet sich weg, das Problem! Dein Kollege ist doch noch zu haben, nicht wahr?“
Das Problem, also die Pastorin, heiratet sich weg – das galt damals noch. Eine Pastorin, die heiratete, verlor ihr Amt, ihre Stelle, einfach alles. Pflichtzölibat für Pastorinnen noch in den 60 er Jahren!”

Diese Sätze gab es heute Morgen in der Sendung Lebenszeichen „40 Jahre Pfarrerinnen – Was die Gleichberechtigung von Frauen einer Kirche bringt“ zu hören.

Sie feiern immerhin schon ihr 40 Jähriges!

In der katholischen Kirche sind sie davon noch Lichtjahre entfernt.

Samstag, 18. Oktober 2014 | Kategorie: Allgemein, Fotos | Kommentare (0)

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Freitag, 17. Oktober 2014 | Kategorie: Denk-Würdiges, Merk-Würdiges, Zitate | Kommentare (2)

Die Hölle der Lebenden ist nicht etwas, das erst noch kommen wird. Wenn es eine gibt, ist es die, die schon da ist, die Hölle, in der wir jeden Tag leben, die wir durch unser Zusammensein bilden. Es gibt zwei Arten, nicht unter ihr zu leiden.
Die erste fällt vielen leicht: die Hölle zu akzeptieren und so sehr Teil von ihr zu werden, dass man sie nicht mehr sieht.
Die zweite ist riskant und verlangt ständige Aufmerksamkeit und Lernbereitschaft: zu suchen und erkennen zu lernen, wer und was inmitten der Hölle nicht Hölle ist, und ihm Dauer und Raum zu geben.

(Italo Calvino, Die unsichtbaren Städte)

Donnerstag, 16. Oktober 2014 | Kategorie: Aufgelesen, Zitate | Kommentare (0)

You may think I’m small,
but I have a universe inside my mind.

(Yoko Ono)

Mittwoch, 15. Oktober 2014 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (4)

Nun liegt er vor der dritte Band über Hilla Palm aus Dondorf, 600 Seiten stark, mit Lesebändchen.

Der Roman beginnt mit der Aufzählung des gesamten “Stammpersonals”, das die Leser schon aus “Das verborgene Wort” und “Aufbruch” kennen:

“Ich kann sie doch nicht einfach sitzen lassen im hillije Kölle, meine Hilla, mit dieser Lichtung, dieser Nacht in ihrem jungen Leben, da muss einer her, der sie erlöst, muss Freude her, Party, Lebenslust. Hereinspaziert heißt es noch einmal für Vater Josef Palm und Mutter Maria Palm, für die Großmutter Anna Rüppli, den Bruder Bertram, Altstraße 2; für Tante Berta, Onkel Schäng und die Cousinen Maria und Hanni”.
Diese Eingangssätze bieten in jeder Hinsicht einen Vorgeschmack auf den Roman.

Die Erzählperspektive wechselt immer wieder vom Ich-Erzähler zum personalen oder auch auktorialen Erzähler, Hilla mehr oder weniger nahe. Die Autorin – oder ist es der Ich-Erzähler? – (er-)klärt schon zu Beginn sein Verhältnis zur Protagonistin dieses Romans:

“Hilla ist nicht mehr allein. Ich selbst schaue meiner jüngeren Schwester über die Schulter, wann immer mir danach ist, übernehme gewissermaßen das Kommando über meine Vergangenheit, die ja ihre, Hillas, Gegenwart ist. Übernehme zudem die Verantwortung für Hillas Erfahrungen, die ja auch die meinen sind, übernehme die Verantwortung für meine Erfindungen, die nicht die meine, aber doch Hillas Erfahrungen sind.”

Hilla beginnt in Köln Germanistik zu studieren, wohnt in einem katholischen Studentenwohnheim und beginnt ein für sie in jeder Hinsicht neues Leben. Sie erkundet die Straßen Kölns, findet Anschluss bei Mitbewohnerinnen des Studentenwohnheims und sogar eine Freundin. Pendelt an den Wochenenden immer wieder zwischen Dondorf und Köln und jobt nebenbei, um ihre karge Unterstützung aufzubessern.

Bei einer Karnevalsfeier lernt sie Hugo kennen, Student aus sehr gutem Hause. Mit ihm, seiner liebevollen zugewandten Art, kann sie ihr Trauma auf der Lichtung ganz allmählich verarbeiten und lernt, wieder zu vertrauen und das Leben zu genießen. Es ist ein Leben an Hugos Hand, an seiner Seite. Durch ihn erlebt sie wieder Lebensfreude, Lebens- und Liebeslust. Beide Elternhäuser hegen mehr oder weniger tiefes Misstrauen gegenüber dieser Beziehung.

Der Roman lässt die Zeit der späten Sechziger mit all seinen politischen und moralischen Vorstellungen wieder aufleben, lässt den Leser an den studentischen Unruhen in all ihren Facetten teilhaben. Da werden neue Lebensmodelle propagiert und ausprobiert. Es wird protestiert, demonstriert, der Friseur verweigert als Widerstand gegen das Establishment.

Leider wird alles in einer solchen (epischen Breite) geschildert, dass selbst der an Germanistik und Sozialwissenschaften interessierte Leser sich manchmal fragt, ob er noch Lust hat, den “Vorlesungen” zu folgen, denn nicht nur sprachwissenschaftliche Themen werden zwischen Hilla und Hugo erörtert, gespickt mit Zitaten und Gedichten, sondern auch politische Diskussionen, die dann anhand von Auszügen aus den Schriften Marx, von Zeitungsausschnitten, Flugblättern und Parolen der diversen Demonstrationen, Sit-Ins, Teach-Ins nachzuvollziehen sind.

Und dennoch. Mit Ulla Hahns Roman “Spiel der Zeit” lässt sich diese so wichtige Zeit mit all ihren, auch sprachlichen, Brüchen und Umbrüchen, speziell aus der weiblichen Perspektive, noch einmal vor Augen führen. Erinnerungen an eigene Erlebnisse und Erfahrungen werden wach, und auch Dankbarkeit, dass sich so vieles verändert hat, andere Formen des Zusammenlebens möglich sind, für die man zur damaligen Zeit noch hätte bestraft werden können.

Es ist ein Buch, das die Bereitschaft erfordert, sich auf diese Themen, und die Ulla Hahn sehr eigene Form der Darstellung einzulassen. Auch in diesem Band spielt, jongliert sie mit Wörtern, setzt sie neu, anders zusammen und lotet damit auch ihre Tiefe aus. Sie ist halt auch Poetin, nicht nur Erzählerin.

Ulla Hahn, Spiel der Zeit, DVA, München 2014, 607 S., ISBN 978-3-421-04585-0

Dienstag, 14. Oktober 2014 | Kategorie: Aufgelesen, Denk-Würdiges, Zitate | Kommentare (2)

Das Kind in uns wünscht sich Sicherheit,
damit sich erlittenes Leid nicht mehr wiederholen möge.
Das Herz wünscht sich,
dass wir die alten Wunden heilen lassen
und offen und verletzlich bleiben.

(Impuls des heutigen Kalenderblattes von Robert Betz)

Montag, 13. Oktober 2014 | Kategorie: Aufgeschnappt | Kommentare (2)

“Im Boxring Kohle drauflegen.”
(Wie muss ich mir denn das vorstellen?)

“In der Halle geht es schwitzig zu! …
Dennoch tritt er sauber auf!”

“Wenn du nicht zuschlägst, schlägt er zuerst.
Nimm drei Hände, wenn du reingehst!”

“Er muss noch genug Benzin im Tank haben, wenn es in die letzte Runde geht!”
(Benzin oder Kohle! Oder geht beides? Hauptsache Energielieferant!)

“Letzte Runde, jetzt gib alles für deine Familie!!”
Hat er, hat dennoch verloren.

“Blutspuren am Arm von B.!”

“Sie feiern in beiden Ecken! Das gehört dazu!”
Man muss bis zum Schluss aufmerksam sein. Und da hackt er mit der Axt noch mal rein.”

Sonntag, 12. Oktober 2014 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (3)

Unglaublich, wie erträgt ein Herz,
Was schon zu denken unerträglich!
Hinhalten Hoffnungen den Schmerz,
Ihn brechend, den sie steigern täglich.

Man hofft und hofft, bis hoffnungslos
Geworden das geliebte Leben,
Dann gibt man auf die Hoffnung blos,
Das Leben war schon aufgegeben.

(Friedrich Rückert)

(Leitmotiv in Bella Block, Unter den Linden)

Samstag, 11. Oktober 2014 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (0)

Gefrorne Tropfen fallen
Von meinen Wangen ab:
Ob es mir denn entgangen,
Daß ich geweinet hab’?
Ei Tränen, meine Tränen,
Und seid ihr gar so lau,
Daß ihr erstarrt zu Eise
Wie kühler Morgentau?
Und dringt doch aus der Quelle
Der Brust so glühend heiß,
Als wolltet ihr zerschmelzen
Des ganzen Winters Eis!

(aus: Schuberts Winterreise)