Mittwoch, 25. Mai 2016 | Kategorie: Allgemein, Fotos | Kommentare (2)

Auch bei Schietwetter gibt es immer wieder Lichtblicke, Hingucker,
wenn man sie wahrnimmt:

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Dienstag, 24. Mai 2016 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (2)

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Der Wind zieht seine Hosen an,
Die weißen Wasserhosen!
Er peitscht die Wellen, so stark er kann,
Die heulen und brausen und tosen.

Aus dunkler Höh‘, mit wilder Macht,
Die Regengüsse träufen;
Es ist, als wollt die alte Nacht
Das alte Meer ersäufen.

An den Mastbaum klammert die Möwe sich
Mit heiserem Schrillen und Schreien;
Sie flattert und will gar ängstiglich
Ein Unglück prophezeien.

(Heinrich Heine)

Montag, 23. Mai 2016 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

„Die große Reise“ erzählt von dem fünftägigen Eisenbahntransport des Ich-Erzählers ins Konzentrationslager Buchenwald, wobei die Insassen dieses Zuges, somit auch der Erzähler nicht wissen, die Reise geht. Bahnhofsnamen, vage Landschafskenntnisse, Gerüchte über Lager etc. lassen aber nach und nach erahnen, wohin die Reise geht.

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Die Erinnerung des Erzählers an die Reise ist so vollkommen, „daß, wenn ich anfinge, diese Reise in all ihren Einzelheiten zu erzählen, die Leute um mich herum, die mir anfänglich gern, wenn auch nur aus Höflichkeit, ihre Aufmerksamkeit geschenkt hätten, vor Langeweile vergehen, sterben, sachte in ihren Sitzen zusammensinken und in den Tod wie in den träge fließenden Strom meiner Erzählungen sinken würden oder aber in rasenden Wahnsinn verfielen, wenn sie den sanften Schrecken all der Einzelheiten und Geschehnisse, all des Hin und Her dieser langen Reise vor sechzehn Jahren nicht mehr ertrügen.“

Eingeschoben sind daher oft unvermittelt einsetzende Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend, Erinnerungen Phantasien, Träume, philisophische Überlegungen, die Zeit im Widerstand, aber auch Geschehnisse, die sich erst später im Lager und in der Zeit nach der Befreiung ereignen werden.

Das Ergebnis ist ein sprachlich unglaublich intensiver Roman, der einen biografischer Überblick über Sempruns Leben bis nach der Befreiung aus dem KZ Buchenwald vermittelt, der nicht nur die äußeren Ereignisse zur Sprache bringt, sondern auch Reflektionen über das Leben allgemein, z.B. über „Freiheit“:

„Ich bin gefangen, weil ich ein freier Mensch bin, weil ich mich gezwungen sah, meine Freiheit zu leben, weil ich diesen Zwang auf mich genommen habe. Und ebenso gibt es nur eine einzige Antwort auf die zweite Frage: ‚Warum sind Sie hier?‘, die ich an jenem Oktobertag dem deutschen Wachtposten gestellt habe … Er ist hier, weil er nirgends sonst ist, weil er nicht die Notwendigkeit empfunden hat, anderswo zu sein. Weil er nicht frei ist.“

Diese Gedanken weisen über die damalige Zeit hinaus und könnten den heutigen Leser nötigen, seine Position zu überdenken, sich klar zu machen, auf welcher Seite er denn steht:

„Da stehen wir, jeder auf seiner Seite des Gitters, und nie vorher habe ich so genau gewußt, wofür ich kämpfte. Es mußte wohnlich gemacht werden, das Sein dieses Menschen oder vielmehr das Sein der anderen Menschen gleich ihm, denn für ihn selbst war es sicher zu spät. … Das heißt, ich stand auf meiner Seite, er wußte nicht, auf welcher Seite er stand.“

Es ist eines der intensivsten, nachhaltigsten Bücher über diese Zeit, die ich gelesen habe. In jeder Hinsicht herausragend!

Jorge Semprun, Die große Reise, Roman, Reinbek b. Hamburg, 18. Auflage 2015, 239 S., ISBN 978-3-518-37244-9

Sonntag, 22. Mai 2016 | Kategorie: Alltägliches, Fotos | Kommentare (2)

Immer wieder für eine Überraschung gut:

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Samstag, 21. Mai 2016 | Kategorie: Allgemein, Fotos, Zitate | Kommentare (2)

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Den Puls des eigenen Herzens fühlen. Ruhe im Innern, Ruhe im Äußern. Wieder Atem holen lernen, das ist es.

(Christian Morgenstern)

Freitag, 20. Mai 2016 | Kategorie: Allgemein, Fotos | Kommentare (2)

Auf einer Abfalltonne:

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Donnerstag, 19. Mai 2016 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (2)

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Da fliegt, als wir im Felde gehen,
Ein Sommerfaden über Land,
Ein leicht und licht Gespinst der Feeen,
Und knüpft von mir zu ihr ein Band.

Ich nehm‘ ihn für ein günstig Zeichen,
Ein Zeichen, wie die Lieb‘ es braucht.
O Hoffnungen der Hoffnungsreichen,
Aus Duft gewebt, von Luft zerhaucht!

(Ludwig Uhland)

Mittwoch, 18. Mai 2016 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Fotos, Rezensionen | Kommentare (2)

Die Edition Büchergilde hat die bekannte Novelle von Gottfried Keller als „Graphic Novel“ herausgegeben.

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Martin Krusche/Edition Büchergilde

Der 1982 geborene Illustrator Martin Krusche hat die Geschichte des Schneidergesellen Wenzel Strapinski in eine heutige Großstadt verlegt – dem verwendeten Slang nach – könnte es Berlin sein.

Kellers Geschichte des arbeitslosen Schneiders beginnt so:
„An einem unfreundlichen Novembertage wanderte ein armes Schneiderlein auf der Landstraße nach Goldach, einer kleinen reichen Stadt, die nur wenige Stunden von Seldwyla entfernt ist. Der Schneider trug in seiner Tasche nichts als einen Fingerhut, welchen er, in Ermangelung irgendeiner Münze, unablässig in den Fingern drehte, wenn er der Kälte wegen die Hände in die Hosen steckte, und die Finger schmerzten ihn ordentlich von diesem Drehen und Reiben.“

Im Prolog der Graphic Novelle erfährt der Leser Folgendes:
„…UND SO SCHWER ES MIR ALS CHEF DES SUPERMARKTES AUCH FÄLLT, HERR STRAPINSKi, MUSS ICH IHNEN LEIDER MITTEILEN; DASS ES AUS BETRIEBLICHEN GRÜNDEN NICHT MÖGLICH IST; SIE ALS KASSIER-KRAFT WEITER BEI UNS ZU BESCHÄFTIGEN:
DESWEGEN WERDEN WIR SIE KURZFRISTIG UND ZUM NÄCHSTMÖGLICHEN ZEITPUNKT – ALSO HEUTE – KÜNDIGEN. WIR WÜNSCHEN IHNEN TROTZDEM ALLES GUTE WEITERHIN!“

Arbeitslos kann er seine Miete nicht mehr zahlen. Ihm wird daher auch die Wohnung gekündigt. Seine Vermiterin verabschiedet ihn zu Beginn der Graphic Novel so:

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Martin Krusche/Edition Büchergilde

In Bildern mit eingearbeiteten Sätzen wird die weitere Handlung erzählt. Da sieht man dann Strapinski z.B. mit heruntergelassenen Hosen auf dem Klo sitzend : SHIT! IN WAS BIN ICH HIER NUR REINGERATEN?“

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Martin Krusche/Edition Büchergilde

Für mich kommen die Texte der Bildergeschichte an die sprachliche Vorlage nicht heran, weil sie die inneren Befindlichkeiten des Arbeitslosen m.E. nicht annähernd darstellen können, ein Problem, das oft auch bei der Verfilmung von Literatur entsteht.

Aber vielleicht ist es eine sinnvolle Möglichkeit, junge Leser an die Geschichte mit ihrer Thematik von mehr Schein als Sein, von Unterwürfigkeit sogenannter „Honoratioren“ vor den Reichen darzustellen, heute noch genau so aktuell wie zu Kellers Zeiten. Unter diesem Aspekt ist es diese Graphic Novel auf jeden Fall eine angemessene und zeitgemäße Bearbeitung.

Als literarisch Interessierter muss man sich mit der zwangsläufigen sprachlichen Reduzierung ja nicht zufrieden geben, denn die Novelle Kellers ist im zweiten Teil abgedruckt und nachzulesen.
Dann kann man vergleichen und zu einer eigenen Beurteilung kommen, die sicher sehr unterschiedlich ausfallen kann, je nach Schwerpunkt, Maßstab und eigenen Vorlieben.

Gottfried Keller, Kleider machen Leute. Eine Graphic Novel von Martin Krusche, Edition Büchergilde, Frankfurt am Main 2016, 151 S., ISBN 978-3-86406-57-1

Dienstag, 17. Mai 2016 | Kategorie: Alltägliches, Fotos | Kommentare (2)

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Kann ich mich hierhin setzen?
Ist hier noch frei?
Wollen Sie noch länger bleiben?

Ja, will ich.

Montag, 16. Mai 2016 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (0)

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Wann war ein Mensch je so wach
Wie der Morgen von heut?
Nicht nur Blume und Bach,
Auch das Dach ist erfreut.

Selbst sein alternder Rand,
von den Himmeln erhellt, –
wird fühlend: ist Land,
ist Antwort, ist Welt.

Alles atmet und dankt.
O ihr Nöte der Nacht,
wie ihr spurlos versankt.

Aus Scharen von Licht
War ihr Dunkel gemacht,
Das sich rein widerspricht.

(Rainer Maria Rilke)