Montag, 6. April 2020 | Kategorie: Allgemein | Kommentare (0)

Wackersteinschwer und federleicht
möglich in derselben Gegenwart –
mein Garten zeigt es mir

(mona lisa)

Sonntag, 5. April 2020 | Kategorie: Allgemein | Kommentare (2)

Spaziergangforscher

Sonntag, 5. April 2020 | Kategorie: Allgemein | Kommentare (4)

Wer bin ich – das ist eine Frage, die zumindest ich mir immer mal wieder stelle, in unsicheren Zeiten, in denen das Ziel nicht klar ist, nur der Weg unter den Füßen noch spürbar.

Wenn da kein Halt im Außen ist, Wegbegleiter still, oft heimlich eine andere Abzweigung genommen haben.

Dann bin ich auf mich geworfen und kann wählen:
wahrnehmen, lauschen, annehmen oder
flüchten, verdrängen, am “Weiterso” hängen,
wohl wissend, ein “Weiterso” ist nicht möglich.

Ich kann mir selbst auf die Schliche kommen:
meinen Lebensstrategien, Glaubens- oder Blockadesätzen. Überprüfen, ob es noch meine sind oder je wirklich meine gewesen sind.

Welche Träume, Werte habe ich vielleicht unterwegs verloren, verraten oder einfach nur vergessen?
Was möchte ich noch erleben, was ist mir wirklich wichtig?

Jetzt ist Zeit für diese Fragen, die wir erst einmal für uns beantworten können. Vielleicht ist danach auch ein anderes, ehrlicheres Miteinander möglich. Denn wir werden in dieser Zeit auch mehr denn je merken, welche Dienstleistungen wir vielleicht als selbstverständlich in Anspruch genommen haben. Ich vermisse u.a. meine Augenoptikerin und Friseurin sehr ;)

Vor allem werden wir merken, welche Menschen tatsächlich unsere Mit-Menschen sind. In Krisenzeiten trennt sich die Spreu vom Weizen – das ist jedenfalls meine bisherige Erfahrung.

Dietrich Bonhoeffer hat offensichtlich seine Antwort gefunden und in dem (leicht gekürzten) Gedicht “Wer bin ich?” niedergeschrieben. Doch auch ihm sind Selbstzweifel, Unsicherheit nicht fremd. Wohl dem, der sie nutzen kann, seiner eigenen Wahrheit auf den Grund zu kommen.

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?

Wer bin ich? Der oder jener?
Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer?
Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler
und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?

Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott,
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott.

(Dietrich Bonhoeffer)

Samstag, 4. April 2020 | Kategorie: Allgemein | Kommentare (6)

Bei genauerem Hinsehen und Wahrnehmen gelingt es auch in diesen Tagen ein “Stück Himmel auf Erden” zu erhaschen und als Foto, auf jeden Fall aber als Erinnerung mit nach Hause zu nehmen.

Ich bin froh, dass Spaziergänge noch möglich sind. Sie erweitern den häuslichen Radius und die Beweglichkeit in Körper, Geist und Seele.

Interessant ist auch zu beobachten, wie Menschen soziale Distanz einhalten. Da gibt es diejenigen, die selbst in der Natur, allein auf dem Fahrrad unterwegs Mundschutz tragen (aber vielleicht ist das auch eine neue Möglichkeit, sich die Pollen vom Leib bzw. aus der Nase fernzuhalten, müsste ich mal ausprobieren). Andere lächeln, grüßen, winken, rufen sich aufmunternde Sätze zu, andere blicken zu Boden, als wenn schon Blickkontakt gefährlich sein könnte ;)

Doch diese Beobachtungen sind gute Möglichkeiten für sich selbst herauszufinden:
Beobachte ich nur oder bewerte ich schon?
Und wie verändern Bewertungen das, was einfach nur ist.

Freitag, 3. April 2020 | Kategorie: Allgemein | Kommentare (0)

Helen Wolff hat – ähnlich wie Kafka – verfügt:
“At my death, burn or throw away unread!”

Und auch im Hinblick auf Helen Wolff, ist es gut, dass sich Menschen geweigert haben, diesem Wunsch – bei allem Respekt – zu entsprechen. Ihr autobiografisch geprägter, zauberhafter Roman, entstanden im Sommer 1932/33, ist nun das erste Mal im Weidle Verlag veröffentlich worden, ergänzt mit einem ausführlichen Essay von Marion Detjen. Die Gestaltung des Covers ist – ihrer unnachahmlichen Art – von Kat Menschik. Ein schmaler, schlicht gestalteter Band, ein wahres Kleinod, mit so glattem Papier, dass selbst das Seitenwenden zu einem haptischen Erlebnis wird.

“Wir sind unterwegs, der Wagen, Du und ich.” Wir, das sind der vierzigjährige Kurt Wolff und die zwanzig Jahre jüngere Helen, die nach einem langen Winter in Deutschland in den Süden Frankreichs, an die Côte d’Azur aufbrechen. Er, der wohlhabende Lebemann und Womenizer “Nie wirst du dich ganz aus deinen Bindungen lösen” und Helen, seine zwanzig Jahre jüngere Geliebte, der er die Welt zeigen will und der bestimmt, wo es lang geht.

“Ich hänge an deinem Arm. Ich bin klein, Du bist groß. Wenn ich Dich nicht festhalte, muß ich wie ein kleiner atemloser Hund hinter dir herlaufen, den man mit zu kurzem Strick am Wagenende festgebunden hat.”

Sie liebt ihn dennoch ohne Einschränkung, hofft, dass seine Liebe zumindest “für einen Sommer vorhält“, und versucht, ihre Vorstellungen vom Urlaub, vom Leben überhaupt zu Gehör zu bringen. Sie träumt von einem kleinen abgelegenen Haus in der Nähe des Meeres, doch sie steigen ab in Hotels, “so fein, wie es zu Dir und nicht zu mir paßt.” Sie erlebt, dass man mit ihm kein “Privatleben” hat. Darüber ist sie gleichzeitig entsetzt und ganz begeistert: Ich schminke mich, und Du gibst Anweisungen.

Bei einem Casinobesuch in Monte Carlo erlebt sie ihn wie behext, nichts und niemand erreicht seine Aufmerksamkeit. Nur das Spiel zählt: “Ich weiß, in diesen Sekunden könnte ich tot umfallen, und Dein Herz rührte sich nicht.”

Sie geht ohne ihn ins Hotel zurück, schreibt einen kurzen Abschiedsbrief :“Du liebst die großen Worte nicht.” – auch in diesem Moment noch auf ihn fokussiert – und verlässt ihn, um ihre Träume für diesen Sommer zu verwirklichen: “Ich will leben, und du willst Dich amüsieren. – Nein, Lieber, nicht mit mir.” Ein großer, ein mutiger Schritt.

Sie findet ihr Traumhäuschen und Menschen, die sie darin unterstützen, ihr eigenes Lebensgefühl zu entdecken und zu leben. Da ist Wolf, ein ehemaliger Matrose, der sie tatkräftig unterstützt und sie auch – ohne sich aufzudrängen – mit seinen eigenen Lebensweisheiten begleitet und sie ins Erleben, Genießen bringt:

“Wolf hat recht, denke ich. Das Leben ist großartig, sobald man damit einverstanden ist. Alles andere ist falsch. Einwilligen … Nur die Angst ist falsch. … Sich dem Leben in die Arme legen ist richtig. So wie man sich früher Gott befohlen hat. Vielleicht ist es überhaupt das Gleiche.”

Und sie trifft ihren Geliebten wieder – in Gegenwart einer attraktiven blonden Schönheit – auf einem Fest, das sie mit Wolf besucht. In der Nacht steht er dann vor ihrer Tür und will ins Haus. Sie will nicht. Dennoch lässt sie ihn ins Haus und trifft eine weitreichende Entscheidung.

“Vielleicht verstehe ich Dich besser, weil ich eine Weile am Wasser gelebt habe. Es ist seine Natur, daß es mit dem Wetter wechselt, daß es mit dem Himmel trüb wird oder glänzt. Es ist seine Natur, daß man sich daran nicht festklammern kann, daß man hindurchgreift und daß es abläuft in vielen kleinen Tropfen. Aber wenn man Vertrauen hat, keine Angst, viel Hingabe, wenn man sich der Welle in die Arme legt und hinüberschaukelt, wenn man sein Gleichgewicht hat und seinen ruhigen Atem, trägt es doch.”

Sie erleben den Sommer gemeinsam. Er, der ihr die Landschaft als Hintergrund ihrer Liebe präsentieren wollte, taucht mit ihr ein in die Lebendigkeit, die Sinnlichkeit, die Wärme und Fülle dieses Sommers in dieser Landschaft: “Das Leben erfüllt sich auf der Stelle. Wir haben keine Unruhe mehr.”

Es ist ein poetischer, sehr persönlicher, vor allem überhaupt nicht moralisierender Roman einer jungen Frau in den Dreißigern des letzten Jahrhunderts – “Hindenburg und Hitler sind weit” – der für mich über diese Zeit hinaus Gültigkeit hat und nachklingt, gerade in dieser (Corona) Zeit, in der Menschen in hohem Maße auf sich zurückgeworfen sind und sich vielleicht noch intensiver mit der Sinnfrage beschäftigen. Was ist wichtig in meinem Leben? Welche Konsequenzen bin ich bereit in Kauf zu nehmen, wenn ich zu mir, meinen Werten stehe?

Eine in jeder Hinsicht gelungene Erstausgabe. Auf jeden Fall: sehr lesenswert!

Helen Wolff, Hintergrund für Liebe, Roman, Mit einem Essay v. Marion Detjen, Einbandillustration v. Kat Menschik, Weidle Verlag Bonn, 2020, 215 S., ISBN 987-3-938803-96-7

Donnerstag, 2. April 2020 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (4)

Die Krähe lacht. Die Krähe weiß,
Was hinter Vogelscheuchen steckt,
Und dass sie nicht wie Huhn mit Reis
Und Curry schmeckt.

Die Krähe schnupft. Die Krähe bleibt
Nicht gern in einer Nähe.
Dank ihrer Magensäure schreibt
Sie Runen. Jede Krähe.

Sie torkelt scheue Ironie,
Flieht souverän beschaulich.
Und wenn sie mich sieht, zwinkert sie
Mir zu, doch nie vertraulich.


(Joachim Ringelnatz) 

Mittwoch, 1. April 2020 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (2)

mein Garagendach

Auf den eisbedeckten Scheiben
fängt im Morgensonnenlichte
Blum und Scholle an zu treiben…

Löst in diamantnen Tränen
ihren Frost und ihre Dichte,
rinnt herab in Perlensträhnen…

Herz, o Herz, nach langem Wähnen
lass auch deines Glücks Geschichte
diamantne Tränen schreiben!

(Christian Morgenstern, Morgensonne im Winter)

Dienstag, 31. März 2020 | Kategorie: Allgemein | Kommentare (3)

Unterwegs: Menschenleere
Wieder zu Hause: Sonnenuntergang – unbeeindruckt von Corona
Tagsüber: Lichtblicke am Schreibtisch

Hatte heute meinen „Bürotag“:
Rechnungen überweisen und schreiben, Auszüge abheften, Steuererklärung bearbeiten …
Nicht wirklich meine Lieblingsarbeiten. Zahlen über Zahlen und das bei meiner Neigung zu Zahlendrehern ;)
Und dann: diverse Lichtblicke, die sich auf dem Schreibtisch breit machten, gute Laune verbreiteten und die Stimmung hoben.

Montag, 30. März 2020 | Kategorie: Allgemein | Kommentare (4)


Ein Hauptstudium der Jugend sollte sein, die Einsamkeit ertragen zu lernen; weil sie eine Quelle des Glückes, der Gemütsruhe ist.

(Arthur Schopenhauer)

Sonntag, 29. März 2020 | Kategorie: Allgemein | Kommentare (4)

Habe ich Zeit
oder nehme ich sie mir?

Und wofür?

Für das, was essentiell ist
für mich
für andere?

Da heißt es dann
Prioritäten setzen
der Tag hat immer nur
vierundzwanzig Stunden
zu allen Zeiten.

(© mona lisa)