Samstag, 21. Oktober 2017 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (2)


Nun laß den Sommer gehen,
Laß Sturm und Winde wehen.
Bleibt diese Rose mein,
Wie könnt ich traurig sein?

(Joseph Freiherr von Eichendorff)

Freitag, 20. Oktober 2017 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (3)


Rings ein Verstummen, ein Entfärben:
Wie sanft den Wald die Lüfte streicheln,
Sein welkes Laub ihm abzuschmeicheln;
Ich liebe dieses milde Sterben.

Von hinnen geht die stille Reise,
Die Zeit der Liebe ist verklungen,
Die Vögel haben ausgesungen,
Und dürre Blätter sinken leise.

Die Vögel zogen nach dem Süden,
Aus dem Verfall des Laubes tauchen
Die Nester, die nicht Schutz mehr brauchen,
Die Blätter fallen stets, die müden.

In dieses Waldes leisem Rauschen
Ist mir als hör‘ ich Kunde wehen,
daß alles Sterben und Vergehen
Nur heimlich still vergnügtes Tauschen.

(Nikolaus Lenau)

Donnerstag, 19. Oktober 2017 | Kategorie: Allgemein, Denk-Würdiges, Fotos | Kommentare (4)


Wind und Sturm halten sie oft stand.

Eine menschliche Hand kann sie im Nu zerreißen und entfernen.

Mittwoch, 18. Oktober 2017 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (3)


Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
vergolden, ja vergolden!

Und geht es draußen noch so toll,
unchristlich oder christlich,
ist doch die Welt die schöne Welt,
so gänzlich unverwüstlich!

Und wimmert auch einmal das Herz
stoß an, und laß es klingen!
Wir wissen’s doch, ein rechtes Herz
ist gar nicht umzubringen.

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
vergolden, ja vergolden!

Wohl ist es Herbst; doch warte nur,
doch warte nur ein Weilchen!
Der Frühling kommt, der Himmel lacht,
es steht die Welt in Veilchen.

Die blauen Tage brechen an,
und ehe sie verfließen,
wir wollen sie, mein wackrer Freund,
genießen, ja genießen!

(Theodor Storm)

Dienstag, 17. Oktober 2017 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

Es gibt Romane, die sind spannender als so mancher Krimi. „Die goldene Legende“ von Nedeem Aslam, einem in London lebenden Schriftsteller, der mit 14 Jahren sein Land Pakistan verlassen musste, weil sein Vater zum Widerstand gegen das Zia-Regime gehörte, ist für mich ein solcher Roman.

Anhand dreier Einzelschicksale der Architektin Nargis, die als aufgeklärte Muslima lebt, der Christin Helen und dem Muslim Imran macht der Autor die Auswirkungen der blutigen Unruhen zwischen Muslimen und Christen in der pakistanischen Stadt Zamana deutlich.

Religiöse Vorschriften – oder sollte man eher sagen religiös motivierte Vorurteile – beherrschen die Stadt bis weit in den Alltag hinein. So müssen Christen aus eigenen Tassen oder Gläsern trinken, weil sie nicht dieselben Gefäßen benutzen dürfen wie muslimische Pakistanis. Sittenwächter verkünden angebliche Verfehlungen – ein anerkannter Beweis ist dafür nicht notwendig – einzelner Bürger über die Lautsprecher der Minarette und geben die Betroffenen damit mehr oder weniger einer Lychjustiz anheim. Macht- und geldgierige Besitzer ganzer Stadt-Viertel brauchen keinen Vorwand, um Christen zu verfolgen und umzubringen, wenn sie ihren Geschäften im Wege stehen. Selbstverständlich wird das Ganze bemäntelt.

Nargis, Helen und Imran sind aus verschiedenen Gründen auf der Flucht vor Geheimdienst und Polizei. Nicht weil sie selbst gegen das Gesetz verstoßen hätten, sondern weil sie wegen ihrer Verwandten verfolgt werden. Nargis Mann Massud ist auf offener Straße von einem Amerikaner erschossen worden. Von ihr verlangt der Geheimdienst nun, sie solle dem Mörder ihres Mannes öffentlich verzeihen.

Helens Vater Lily wird gesucht, weil er ein Liebesverhältnis mit einer verwitweten Muslima hat, deren Bruder ihr den Kontakt mit Männern insgesamt verboten hat. Ihm droht seine Ermordung und man versucht nun, über Helen an ihn heranzukommen.

Imram ist auf der Flucht, da er sich von den Islamisten getrennt hat, als ihm klar geworden ist, dass er sein Ziel – die Freiheit seiner Heimat Kaschmir – mit ihnen nicht wird erreichen können.

Die drei treffen auf ihrer Flucht aufeinander und versuchen, gemeinsam zu überleben. Dabei entsteht – unabhängig von ihrer Religion – Nähe und Verständnis. Nach anfänglichem Misstrauen bemerken sie schnell, wie sehr sie aufeinander angewiesen sind, wenn sie übeleben wollen, denn Geheimdienst und Polizei kommen ihnen immer näher. Hausdurchsuchungen bzw. Hausverwüstungen haben sie auf ihre Spur gebracht.

Das Bedrückende dieses Romans ist, dass einem beim Lesen – trotz des expliziten Hinweises des Autors in seiner Danksagung, das Buch sei „ein Werk der Fiktion“ – klar wird, dass es sich genauso hätte ereignen können und jederzeit so oder ähnlich ereignet. Die Kenntnis der vielen religiös motivierten Attentate in den vergangenen Jahren in der ganzen Welt kann man einfach nicht außen vor lassen.

Die Botschaft des Romans ist eindeutig: Nur Offenheit, Vorurteilsfreiheit, die Möglichkeit mitmenschliche Kontakte über alle Religionszugehörigkeiten hinweg machen menschliches Leben und ein Miteinander möglich. Dennoch gibt es keinen erhobenen pädagogischen Zeigefinger. Nadeem Aslam erzählt „einfach“ die Geschichte dieser drei Menschen, deren Potential, sich zu entfalten und ihre Werte in die Welt zu bringen, durch die politische Situation nahezu zunichte gemacht wird – zumindest im öffentlichen Raum.

Das Glossar am Ende des Romans ist leider nur bedingt hilfreich. Denn viele unbekannte Begriffe tauchen dort nicht auf, so dass man immer wieder erfolglos sucht. Schade, mindert aber den Roman als solchen nicht.

Nadeem Aslam, Die goldene Legende, Roman, a.d.Engl. v. Bernhard Robben, Deutsche Verlags-Anstalt, München 2017,412 S., ISBN 978-3-421-04755-7

Montag, 16. Oktober 2017 | Kategorie: Allgemein, Aufgeschnappt, Fotos, Worte | Kommentare (4)

Gute Zäune machen gute Nachbarn.
Diesen Satz habe ich vor ein paar Tagen aufgeschnappt. Wo, weiß ich nicht mehr. Er hat mich aufhorchen lassen: Was sind „gute Zäune“, die gute Nachbarn machen?
Etwa diese:

oder der

oder …

oder …

Zäune, wohin das Auge sieht.
Grenzen sie ein oder aus?
Und wie machen sie gute Nachbarn?

Sonntag, 15. Oktober 2017 | Kategorie: Allgemein, Fotos | Kommentare (6)


Euch allen einen zauberhaften Sonntag!

Donnerstag, 12. Oktober 2017 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (2)


Ich möchte Leuchtturm sein
in Nacht und Wind,
für Dorsch und Stint,
für jedes Boot –
und bin doch selbst
ein Schiff in Not.

(Wolfgang Borchert)

Mittwoch, 11. Oktober 2017 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)


Mathias Malzieu ist ein junger Rockmusiker, Bestsellerautor und Filmemacher, der von sich sagt:

„Draufgängertum ist meine Droge. Mein Schädel ist eine prall gefüllte Schatzkammer aus Tausendundeiner Nacht, bei deren Anblick einem die Augen aus dem Kopfspringen. Langeweile ist mir fremd, außer, wenn ich von anderen ausgebremst werde. In meinem Herzen steigt ein Feuerwerk auf. Ich bin ein Vulkanmensch, durch meine Adern fließt Lava. Ich bin süchtig nach Überraschungen und suche ständig nach neuen elektrischen Zuckungen. Anders kann ich nicht leben.“

Doch von jetzt auf gleich ist er gezwungen, anders zu leben. Eine Autoimmunkrankheit reißt ihn aus seinem turbulenten Alltag. Anfangs ist er auf permanente Bluttransfusionen angewiesen. Doch die helfen irgendwann nicht mehr gegen die Krankheit. Wochenlange Krankenhausaufenthalte auf der Isolierstation und eine Knochenmarktransplantation sind die Folgen.

Dieses Jahr zwischen Leben und Tod durchzustehen und den Kampf gegen die Dame Okles mit ihrem tödlichen Schwert zu gewinnen, gelingt Malzieu mit Hilfe seiner prall gefüllten „Schatzkammer“, seinen Träumen, seinem Humor und seinem Bedürfnis, das, was er erlebt aufzuschreiben und nicht zu vergessen wie die meisten Patienten.

„Die Schwestern haben mir erzählt, dass manche Patienten ihren Krankenhausaufenthalt unbedingt vergessen wollen. Ich will ihn unbedingt erinnern. Dieses Bedürfnis steckt mir tief in den Knochen.

Ich werde eine Karriere als Spitzenpoetiker einschlagen. Ein Programm ausarbeiten und mich daran halten. Meine Träume verfolgen und sie mit anderen teilen. Ich möchte meine Leben für etwas Sinnvolles nutzen, um nicht die Arbeit derjenigen mit Füßen zu treten, die mir ihr Blut, ihr Knochenmark und ihre Zeit geschenkt haben. Ich möchte mich bei Walt Whitman bedanken und an Dionysos glauben. Ich habe eine zweite Chance bekommen, und ich will andere an diesem Fahrstuhl teilhaben lassen.“

Und so ist dieses Mutmachbuch entstanden, in dem der Autor den Weg seiner Krankheit und Genesung und die Dankbarkeit beschreibt, die er gegenüber den Menschen empfindet, die bei ihm geblieben sind und ihn durch ihr Dasein unterstützt haben.Es ist eine Reise durch die Hölle. Sich die vorzustellen, bleibt Aufgabe des Lesers, denn der Autor spricht zwar von seiner Angst, aber wie genau er damit umgeht, bleibt vage. Passt aber zu meinen Erfahrungen, dass Männer sich eher an Fakten halten und darüber sprechen als über die mit einer solchen Situation einhergehenden Gefühle. Die metaphorische und von Humor geprägte Darstellung ist stimmtig, denn durch Humor entsteht ja eine gewisse Distanz zum Erlebten.

Mathias Malzieu, Ich liebe das Leben viel zu sehr. Wie ich gegen den Tod rebellierte und eine zweite Chance bekam, a.d.Franz. v. Sonja Fink, carl’s book, München 2017, 222 S., ISBN 978-3-570-58569-6

Dienstag, 10. Oktober 2017 | Kategorie: Alltägliches, Fotos | Kommentare (4)


Farblich aufeinander abgestimmt.