Samstag, 25. Oktober 2014 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

Die Kategorie “Lebenskunst-Roman” ist mir – ehrlich gesagt – noch nicht untergekommen. Der Titel “Wolfs letzter Tag” setzt eher Assoziationen von “einsamer Wolf”, “Tod und Sterben” frei als von “Leben” oder gar “Lebenskunst”.

Der Roman ist die Geschichte von Wolf dem Wolf, einem ehemaligen Leitwolf, dessen Tag gekommen ist, an dem er sein Rudel verlassen muss, um zu sterben. Wobei dieses Wort lange vermieden wird. “Jetzt ist es also soweit, denkt er. Ab Morgen muss der Wald ohne mich klar kommen.” Ganz schön selbstherrlich.

Und so hat er regiert. Die, die seine (weltanschaulichen) Ansichten nicht teilten, mussten sich unterwerfen oder das Rudel verlassen. Von den anderen ist er verehrt und respektiert worden. Denn er hat verstanden, dass er ohne das “Einverständnis der anderen” kein Oberhaupt sein kann.
Und Oberhaupt zu sein bedeutet für ihn:
- sich “selbst gestatten, den anderen den Weg zu weisen. … Dann – nur dann – folgen sie mir.”
- sich selbst zu respektieren, denn nur dann “begegnet man mir mit Respekt.”
- und einem Gesetz zu folgen das lautet:
“Wem das Leben eine Aufgabe stellt, dem schenkt es auch die Kraft, die er dafür benötigt. Immer! Ganz gleich, wie schwer die Aufgabe ist.” (Viktor Frankl lässt grüßen!)

Seine Leitwolfaufgaben hat er beizeiten seinem Sohn übertragen, “natürlich” mit großer Skepsis gegenüber dessen Neuerungen. Doch dieser grenzt sich sehr selbstbewusst ab, indem er erwidert: “Du hast auf deine Weise geführt. Ich tue es auf meine.” Wolf wertet es als “Wahn …, alles besser zu wissen” ab. Noch sind ihm “Selbstreflexion und – kritik” Fremdworte.

Dem üblichen Abschiedsritual entzieht er sich, da er keine Abschiedsrede halten will. Diese Aufgabe übernimmt dann – bezeichnender Weise – seine Tochter, obschon Wolf der Meinung ist, die Rüden hätten zu regieren, um die Weibchen zu schützen.

Danach begibt er sich auf seinen letzten Weg und begegnet Tieren, die seinen Zustand erkennen und sich daher trauen, ihm Fragen stellen: Wie es ihm beim Töten ergangen sei, ob er Angst kenne, was wäre, wenn er sein Leben verlängern könne.

Eben “Lebenskunstfragen”.
Oft ist er – zur Verwunderung der Fragenden – ratlos, weiß keine Antwort.

Im Übergang zum Moor betritt Wolf dann ein Reich ohne Geräusche, ohne Schatten und wird von einer Schlange empfangen, mit der er seine Zweifel hinsichtlich der “Großen Wölfin” diskutieren will. Doch ihre Antworten werfen ihn immer wieder auf ihn selbst zurück.

Kinder könnten die Verlegung ins Tierreich sicher ansprechend finden zumal die Sprache einfach ist und sehr oft auf bekannte Redeweendungen zurückgreift und Allgemeinplätze verwendet. Oder auch Erwachsene, die ihnen diesen Roman vorlesen und selbst gleichnishafte und mythische Darstellungen bevorzugen.

Oliver Bantle, Wolfs letzter Tag. Ein Lebenskunst-Roman, Tigerbaum Verlag, Freiburg 2014, 113 S., ISBN 978-3-9815172-8-6

Freitag, 24. Oktober 2014 | Kategorie: Allgemein, Denk-Würdiges | Kommentare (4)

“Habseligkeiten” wurde vom deutschen Sprachrat vor 10 Jahren als das schönste deutsche Wort gewählt.
“Geborgenheit” kam auf 2.Platz.

Als Reaktion auf das schönste deutsche Wort wurde 2006 das erste Mal das schönste bedrohte deutsche Wort gekürt. Die Wahl fiel auf “Kleinod”.

Welches sind eure Wort-Kleinode?

Donnerstag, 23. Oktober 2014 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (2)

Was ich suche,
wächst nicht auf den Bäumen.

Die Freunde
führen es nicht im Mund.

Der Hund bringt es nicht mit der Zeitung.

Als Software ist es nicht käuflich.

Und das alles
ist selbstverständlich -
wie die Stille
im Kopf einer Note.

(Rainer Malkowski, Die Gedichte, S. 576)

Mittwoch, 22. Oktober 2014 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

In diesem gut verständlich geschriebenen, übersichtlich strukturierten Sachbuch, geht es Doris Märtens darum, diverse Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sich Introvertierte im Privat- und Berufsleben “Gehör verschaffen”. Man liest – m. E. mit einigem Gewinn – entweder das gesamte Buch oder als “eiliger Leser” nur die jeweils zu seinem Verhaltensstil passenden Kapitel, die als Auflistung dem Inhaltsverzeichnis folgen.

Anhand eines Fragenkatalogs kann man sich über die verschiedenen Arten des Leiseseins klar werden. Märtin unterscheidet vier Verhaltensstile:
die Masterminds
die Supersensiblen
die Nerds
die Cocoonern.
Die Auswertung des Testes ist einfach und macht zugleich deutlich, wie sich der individuelle Verhaltensstil zusammensetzt. Eine allgemeine Darstellung der vier Verhaltensstile ergänzt den einleitenden Teil.

In den sich anschießenden Kapiteln geht es zunächst darum, die auch vorhandenen extravertierten Anteile zu entpuppen, die jeweils spezifischen Talente zu sehen und zu leben, sich unterschiedliche Möglichkeiten klar zu machen, schrittweise aus seinem Schneckenhaus herauszukommen und das Privatleben als Kraftquelle und Rückzugsort zu gestalten.

Anschließend wird die eigene Außenwirkung im Privat- wie auch im Berufsleben fokussiert, Möglichkeiten aufgezeigt, seinen Arbeitstag zu entstressen, eigene Führungsstärken zu entdecken und mit den zur Verfügung stehenden Mitteln, ein mögliches Publikum zu entwaffnen, um dann vielleicht sogar den Introvertierten zu “entfesseln”.

Die Kapitel führen zunächst allgemein in das jeweilige Thema ein, um dann für die verschiedenen Verhaltensstile z.T ganz praktische Anregungen zu geben, mit dem jeweiligen Problem kreativ umzugehen und nach eigenen Lösungen zu suchen. Es gibt dick gedruckte, orange unterstrichene Merksätze und am Ende eines jeden Kapitels ein Fazit: “Gedanke to go”, auch orange unterlegt.

Das Buch ist insgesamt ansprechend, anregend und informativ, übersichtlich und klar formuliert. Vom jeweiligen Erkenntnisstand des Lesers hängt es dann ab, wie neu die Informationen sind. Denn neu ist das Thema nicht. Der Anhang: Weiterlesen, -browsen, -schauen enthält dann noch zusätzliche Informationshinweise zum Thema.

Bei einer möglichen Neuauflage sollte dann allerdings die Seitenzählung korrigiert werden, die ab Kapitel 29 um eine Seite verrutscht ist.

Doris Märtin, leise gewinnt. So verschaffen sich introvertierte Gehör. Campus Verlag, Frankfurt/ New York, 2014, 221 S., ISBN 978-3-593-50003-4

Dienstag, 21. Oktober 2014 | Kategorie: Alltägliches, Aufgeschnappt | Kommentare (2)

O-Ton am Nachbartisch eines Cafés:

Ich verlange ja gar nichts, aber wenn sie wenigstens mal einen Kaffee ausgegeben hätte, wär’s ja ok gewesen, aber so …. .

Ob sie das wohl mal ausgespochen hat?
Sie hätte sicher sofort einen Kaffee bekommen.
Wünsche aussprechen erhöht die Chance, sie erfüllt zu bekommen ;)

Montag, 20. Oktober 2014 | Kategorie: Allgemein | Kommentare (2)

Das Leben hört nicht auf, lustig zu sein,
wenn Menschen sterben.
Ebenso bleibt es ernst,
wenn Menschen lachen.

(George Bernhard Shaw)

Genau das habe ich am Bett einer Dame erfahren, die auf einen Platz im Hospiz wartet.
Wir haben uns voneinander verabschiedet – für immer.
Und das heiter und gelassen.
Eine für beide heilsame Begegnung.

Sonntag, 19. Oktober 2014 | Kategorie: Alltägliches | Kommentare (0)

“Eine Pastorin? Keine Sorge“…, “Das heiratet sich weg, das Problem! Dein Kollege ist doch noch zu haben, nicht wahr?“
Das Problem, also die Pastorin, heiratet sich weg – das galt damals noch. Eine Pastorin, die heiratete, verlor ihr Amt, ihre Stelle, einfach alles. Pflichtzölibat für Pastorinnen noch in den 60 er Jahren!”

Diese Sätze gab es heute Morgen in der Sendung Lebenszeichen „40 Jahre Pfarrerinnen – Was die Gleichberechtigung von Frauen einer Kirche bringt“ zu hören.

Sie feiern immerhin schon ihr 40 Jähriges!

In der katholischen Kirche sind sie davon noch Lichtjahre entfernt.

Samstag, 18. Oktober 2014 | Kategorie: Allgemein, Fotos | Kommentare (0)

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Freitag, 17. Oktober 2014 | Kategorie: Denk-Würdiges, Merk-Würdiges, Zitate | Kommentare (2)

Die Hölle der Lebenden ist nicht etwas, das erst noch kommen wird. Wenn es eine gibt, ist es die, die schon da ist, die Hölle, in der wir jeden Tag leben, die wir durch unser Zusammensein bilden. Es gibt zwei Arten, nicht unter ihr zu leiden.
Die erste fällt vielen leicht: die Hölle zu akzeptieren und so sehr Teil von ihr zu werden, dass man sie nicht mehr sieht.
Die zweite ist riskant und verlangt ständige Aufmerksamkeit und Lernbereitschaft: zu suchen und erkennen zu lernen, wer und was inmitten der Hölle nicht Hölle ist, und ihm Dauer und Raum zu geben.

(Italo Calvino, Die unsichtbaren Städte)

Donnerstag, 16. Oktober 2014 | Kategorie: Aufgelesen, Zitate | Kommentare (0)

You may think I’m small,
but I have a universe inside my mind.

(Yoko Ono)