Sonntag, 15. Juli 2018 | Kategorie: Allgemein, Aufgelesen, Worte, Zitate | Kommentare (0)


Es braucht Courage,
aufzustehen und zu reden.
Genauso braucht es Courage,
sich hinzusetzen und zuzuhören.

(Winston Churchill)

Samstag, 14. Juli 2018 | Kategorie: Allgemein, Fotos | Kommentare (5)

Freitag, 13. Juli 2018 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Fotos, Gedichte, Rezensionen | Kommentare (2)


„hauptsache es berührt“ spricht schon durch die Aufmachung mein ästhetisches Empfinden an. Ergänzt werden die zweisprachigen Gedichte von ansprechenden doppelseitigen Fotografien vor jedem der vier Kapitel, die viel Raum für eigene Fantasien und Interpretationen lassen:

die heilige widersetzt sich der verehrung,
die geräusche der stadt,
vor hellen Fenstern gestochen scharf,
mückenlarven schlupfbereit

Die Gedichte der jeweiligen Kapitel sind nummeriert, ohne Titel. In ihnen skizziert Joachim P. Harms Stimmungen, kurze Augenblicke und erzeugt entsprechende Stimmungsbilder, in die man sich begeben und verweilen kann, wenn man mag:

8
eine plastiktüte vorm wind
schraubt sich empor,
bleibt hängen im geäst.

schwärme von hängeschlössern
im maschendraht verstrickte
liebesschwüre.

vertäute schiffe.
ein mann schrubbt das deck.

Manchmal ergeben sich zunächst auch sprachliche (Lese-) Widerstände, wenn durch Enjambements Zeilen auf ungewohnte Art miteinander verwoben werden, die Sätze ellipsenförmig daherkommen:

9

sie gab ihm bratkartoffeln
und erklärte wie wichtig es sei
eine kunst
sie auf beiden seiten knusprig
und in der mitte nicht zu weich.

man könne auch zwiebeln dazu.
aber das sei nicht leicht
brennen sie an und zu glasig …

er wollte milchreis.
dampfend heiß
goldgelb zucker und zimt.

Insgesamt ergeben sich Sprach- und Stimmungsbilder, die man als Leser hinnehmen oder mit eigenen Assoziationen und Fantasien ergänzen und dann zu etwas Eigenem machen kann. Achtsam zu lesen in stillen Momenten, damit sie ihre Wirkkraft entfalten können.

Im Anhang kann man über die an der Entstehung dieses Bandes beteiligten Personen Näheres erfahren.

joachim p. harms, it touches that’s the main thing, hauptsache es berührt, ins Amerikanische Englisch übertragen von Allan Andre, Norderstedt 2016, 149 S., ISBN 978-3-7412-7130-4

Donnerstag, 12. Juli 2018 | Kategorie: Alltägliches, Fotos | Kommentare (2)


Eine fröhliche Aufforderung zur Müllbeseitigung.

Mittwoch, 4. Juli 2018 | Kategorie: Allgemein, Fotos | Kommentare (6)


Lege jetzt einfach mal eine kleine Sommerpause ein.
Zeit, um die Füße hochzulegen, die Seele baumeln zu lassen und zu genießen, was es zu genießen gibt.

Dienstag, 3. Juli 2018 | Kategorie: Allgemein, Aufgelesen, Worte | Kommentare (0)

Asyltourismus

Montag, 2. Juli 2018 | Kategorie: Zitate | Kommentare (2)

„Die schlimmste Sünde, die wir unseren Mitgeschöpfen antun, ist nicht, sie zu hassen, aber zu ihnen gleichgültig zu sein: das ist das Wesentliche der Unmenschlichkeit“

(George Bernhard Shaw)

Sonntag, 1. Juli 2018 | Kategorie: Fotos, Zitate | Kommentare (4)

Gib der Seele einen Sonntag und dem Sonntag eine Seele.

(Peter Rosegger)

Samstag, 30. Juni 2018 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (2)

Ich lobe den Tanz,
denn er befreit den Menschen
von der Schwere der Dinge
bindet den Vereinzelten
zu Gemeinschaft.

Ich lobe den Tanz
der alles fordert und fördert
Gesundheit und klaren Geist
und eine beschwingte Seele.

Tanz ist Verwandlung
des Raumes, der Zeit, des Menschen
der dauernd in Gefahr ist
zu zerfallen ganz Hirn
Wille oder Gefühl zu werden.

Der Tanz dagegen fordert
den ganzen Menschen
der in seiner Mitte verankert ist
der nicht besessen ist
von der Begehrlichkeit
nach Menschen und Dingen
und von der Dämonie
der Verlassenheit im eigenen Ich.

Der Tanz fordert
den befreiten, den schwingenden Menschen
im Gleichgewicht aller Kräfte.

Ich lobe den Tanz.

O Mensch
lerne tanzen,
sonst wissen die Engel
im Himmel mit dir
nichts anzufangen.

(Augustinus Aurelius)

Freitag, 29. Juni 2018 | Kategorie: Allgemein, Buch-Rezensionen, Fotos, Rezensionen | Kommentare (0)

Luisa ist ein zwölfjähriges Mädchen, begeisterte Leseratte, die alles verschlingt, was sie an Büchern bekommen kann, auch nachts noch bei Kerzenschein in ihrer Dachkammer. Sie lebt mit Mutter und Schwester als in Kiel Ausgebombte auf einem Gutshof ihres Schwagers Vincent, eines SS-Offiziers. Der Vater ist in Kiel geblieben. Er leitet ein Offizierskasino und taucht nur ab und zu mit diversen Luxusgütern auf, die es offiziell nicht mehr zu kaufen gibt. Woher er sie hat und welchen Preis er dafür zahlen muss, kann man nur erahnen. Das Leben während des Krieges ist für Luisa, ihre Mutter und Schwester mit vergleichbar wenig Einschränkungen verbunden.

Luisa ist ein aufgewecktes, neugieriges, noch unschuldiges Mädchen, das mit offenen Augen durch die Welt geht, sich aber vieles, was sie sieht, nicht erklären kann: Gefangene, warum werden sie hinter Stacheldraht gehalten, sind es Sträflinge oder Häftlinge? Woher hat die Perückenmacherin die vielen Haare? Was macht der mit Farbe überstrichene, aber immer noch sichtbare Davidstern auf dem Treppengeländer der Villa, die seit kurzem ihr Schwager mit ihrer Halbschwester Gudrun bewohnt? Weshalb wird ein Marineoffizier in Fesseln von einer Feier im Hause des Schwagers abgeführt?
Und wo ist ihre so lebenslustige, auf spendable Männer fokussierte ältere Schwester geblieben, die das Fest in Begleitung eines verheirateten Hauptmanns verlassen hat, aber zu Hause nicht mehr ankommt?

Der Roman ist nur scheinbar aus der kindlichen Perspektive heraus geschrieben. Ein immer präsenter auktorialer Erzähler weiß um die Erklärungen für das, was Luisa sieht: Der abgeführte Marineoffizier hat sich – schon ziemlich besoffen – in der Küche der Villa darüber mokiert, dass das bis dahin eherne Gesetz der Kriegsschifffahrt, die Besatzung eines versenkten Feindschiffes zu bergen, von seinem Oberbefehlshaber einfach außer Kraft gesetzt worden ist. Auch Schwester und Vater haben nicht immer regimetreue Ansichten von sich gegeben, zwar verklausuliert, aber doch immer ziemlich eindeutig. Vermutlich haben auch Vincent und Gudrun ihre Hände mit im Spiel, dass auf einmal auf dem Gutshof dann doch Flüchtlinge einquartiert werden und die Familie zusammenrücken muss. Denn Luisa hat sich heftigst gegen die sexuellen Übergriffe ihres Schwagers gewehrt, der sie als sein Geburtstagsgeschenk ansieht.

Der Roman erzählt keine lineare Handlung, sondern eher Episoden, scheinbar so wie Luisa ihre Tage verbringt: mit Arbeiten auf dem Gutshof, Ausflügen mit dem Fahrrad in die Umgebung, Luisas Verwirrung ob der ihr unbekannten Gefühle, die sie hat, wenn sie den jungen Melker Walter sieht, ihre Suche nach neuen Bücher, ihr Besuch eines Freundes, deren Mutter Perückenmacherin ist.

Ergänzt oder eher unterbrochen wird dieser Strang durch Einschübe mittelalterlich barock anmutender Episoden des fiktiven Schreibers Merxheims und seines Gefährten Bubenlebs, die von ihren Visionen berichten, offenbar während des Dreißigjährigen Krieges mit all seinen, zum Teil sehr detailliert geschilderten Gräueln der damaligen Krieger an der Bevölkerung, eine Kirche über das Wasser in ein anderes Dorf zu bringen. Diese Schilderungen fungieren offensichtlich als Parallele zu den Gräueln der Nazi-Schergen, die im Roman selbst nur sehr indirekt und „dezent“, quasi nur als Anspielungen Erwähnung finden, dann meist auch noch moralisierend glorifiziert mit menschenverachtender Naziideologie aus der Perspektive der Täter, die sich – wie Schwager Vincent – als wahrer Menschenfreund generieren. Dann aber – der Gerechtigkeit sei dank – nach dem Krieg genau deswegen hingerichtet wird.

Der Roman lässt mich als Leserin ein wenig ratlos zurück. Die Figuren sind sehr klischeehaft geraten, moralisch in Gut und Böse und die Menschlichen dazwischen eingeordnet. Die Dialoge sind entsprechend oftmals vorhersehbar, weil den moralischen Positionen der jeweiligen Personen zugeordnet. Ich bleibe mit der Frage zurück, was hat mir der Roman an neuen Erkenntnissen oder Einsichten gebracht? Wenn ich ehrlich bin: Nicht viel, um nicht zu sagen, gar nichts. Vielleicht aber habe ich auch schon zu viele Romane gelesen, die sich mit den Ereignissen des Nazizeit auseinandergesetzt haben. Dieser gehört für mich leider nicht zu den empfehlenswertesten.

Ralf Rothmann, Der Gott jenes Sommers, Roman, Berlin 2018, 254 S., ISBN 978-3-518-42793-4