Samstag, 25. Februar 2017 | Kategorie: Allgemein, Alltägliches, Aufgeschnappt | Kommentare (2)

Und wieder eine Alltagsperle gefunden, in der heutigen Sendung Kirche im WDR. Es ist der Satz, den eine Frau stets zum Ende ihres Besuches bei einer Familie sagt:

„Ich werde wiederkommen. Denn ich liebe mich, wenn ich bei euch bin.“

Dieser Satz erinnert mich an die Mutter meines ersten Freundes. Bei ihr durfte ich einfach sein, für mich eine Grundvoraussetzung dafür, mich selbst lieben zu können.

Sie habe ich nach der Trennung von dem Freund noch sehr lange sehr vermisst.

Freitag, 24. Februar 2017 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

Für mich ist es nach „Kokoro“ der zweite Roman dieses japanischen Schriftstellers. Zfeitlich ist „Sanshirōs Wege“ sechs Jahre vor „Kokoro“ erschienen.

Beide Romane sind nicht wirklich handlungsreich im Sinne äußerer Handlungen. Sie werden getragen von der Neugier und der Unwissenheit eines jungen Menschen, hier ist es Sanshirō, der gerade die Oberschule beendet hat und mit der Bahn nach Tokio reist, um dort ein Studium aufzunehmen, und erste Erfahrungen mit der Großstadt Tokio und seinen Menschen macht.

Interessant ist, was der Autor über seinen Roman sagt:

„Meine einzige Arbeit besteht darin, die Menschen in diese Welt freizulassen. Danach schwimmen sie nach eigenem Belieben, und es ist zu erwarten, dass sich ein Drama von selbst entfaltet. Unterdessen werden, wie ich hoffe, sowohl der Leser als auch der Autor von der Atmosphäre angesteckt, und sie werden den Personen allmählich näher kommen.“

Als Leser nimmt man an Sanshirōs Erfahrungen mit einer für ihn neuen Großstadtkultur, mit anderen Verhaltens- und Lebensweisen teil, und mit für ihn völlig neuen Erfahrungen im Umgang mit jungen Frauen, die sich so anders verhalten als die Frauen, die er auf dem Lande gesehen hat. Wirklichen Kontakt hat er mit ihnen bis dahin nicht gehabt. Entsprechend unsicher und verwirrt fühlt er sich in deren Gegenwart, zumal Mineko eine sehr selbstbewusste junge Frau zu sein scheint, die ihn fest in ihrem Bann gezogen hat. Zaghaft versucht er immer wieder – entgegen der von ihm anerzogenen Verhaltensweisen – auch allein mit ihr Kontakt zu bekommen, um mir ihr spazieren gehen zu können. Nie weiß er, dem Ehrlichkeit über alles geht, ob sie das, was sie sagt, auch meint oder ihn nicht einfach nur verspottet.

War er in seiner Heimat Teil der traditionellen Gesellschaft mit ihren Normen und Werten, so fühlt er sich in Tokio mit den aufkommenden individualistischen Lebensentwürfen und Normen entwurzelt, einsam und unverstanden und versucht herauszufinden, wie andere ledige Männer leben und zurechtkommen.

Schwierigkeiten hat er auch mit dem so selbstbewusst auftretenden Yojiro, einem Studienkollegen, der für ihn zunächst eine Art Vorbild zu sein scheint, dem er unkritisch folgt, ihm nahezu jedes Wort glaubt und ihm Geld leiht, was ihn dann selbst in eine prekäre Situation bringt, die er jedoch für sich zu nutzen weiß. Mit der Zeit merkt Sanshirō, das Yojiro nicht wirklich verlässlich ist, sondern eher ein Blender, Aufschneider, eine Art Hochstapler.

Ob und wie Sanshirōs sein Erwachsenenleben gestalten wird, bleibt offen. Klar wird auf jeden Fall, dass Mineko entgegen ihrer Äußerungen, dann doch einen Mann heiratet, den ihr Bruder für sie vorschlägt, während ihre Schwester, die eher immer in ihrem Schatten gestanden hat, sich gegen den Vorschlag des Bruders wehrt und Nein sagt.

Dem Roman habe ich mich, den Äußerungen des Autor entsprechend, nur allmählich genähert. Inhalt, Form und Struktur dieses als Fortsetzungsroman geplanten und konzipierten Romans waren gewöhnungsbedürftig. Vielleicht fehlte mir zunächst auch nur die innere Ruhe, mich auf diesen so ruhig und gemächlich daher kommenden Roman einzulassen.

Sinnvoll wäre es für mich gewesen, die Ausführungen des Übersetzers Christoph Langemann im Nachwort vor der Lektüre zu lesen. Er weist in klarer Form auf die Besonderheiten, wiederkehrenden Motive und die Symbolik von Farben und Pflanzen hin. Insgesamt sehr erhellend, bereichernd und nützlich. Jedem, der nicht wirklich Spezialist japanischer Literatur ist, ist das Nachwort zu empfehlen – als Vorwort ;)

Natsume Sōseki, Sanshirōs Wege, Roman, a.d. Jap. übersetzt und mit einem Nachwort versehen v. Christoph Langemann, aus der japan edition des be.bra Verlages, Berlin 2009, 270 S., ISBN 978-3-86124-9085

Donnerstag, 23. Februar 2017 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (4)


Der Wind singt sein Schlaflied
mit träumendem Rauschen,
die Blätter umschmeichelt er weich.
Ich laß mich verführen, dem Liede zu lauschen,
und fühl‘ mich den Gräsern gleich.

Es schauern die Lüfte
und kühlen mein heißes,
in Sehnsucht gehülltes Gesicht.
Die ziehenden Wolken verstreuen ihr weißes,
der Sonne gestohlenes Licht.

Die alte Akazie
verrieselt ihr Schweigen
in zitterndem Blättergewirr.
Die Düfte der Erde erheben sich, steigen
und fallen dann wieder zu mir.

(Selma Meerbaum-Eisinger)

Mittwoch, 22. Februar 2017 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)


(Copyright Liliane Steiner, kunstanst!fter verlag)

Kinder ab 4 Jahren werden aufgefordert, mit Katze Wilma auf Mäusejagd zu gehen. Ähnlich wie die „Raupe Nimmersatt“ hat Wilma immer Hunger und streift deswegen durch Stadt und Land, stets auf der Suche nach etwas Essbarem.

„Das ist Wilma. Sie hat einen Mordshunger. Schon den ganzen Morgen liegt sie erfolglos vor dem Mäusebau auf der Lauer. Ist ihr die Maus entwischt? Siehst du sie?“

Die Maus auf der großformatigen Seite zu finden, ist mit bloßem Auge nicht so ganz einfach, zumindest für Kinder in diesem Alter. Doch das Hardcover Bilderbuch in japanischer Bindung ist mit einer Lupe ausgestattet, die das Auffinden der versteckten Tiere einfacher und spannender macht, da die Kinder so aktiv in den Prozess des Suchens einbezogen werden.


(Copyright Liliane Steiner kunstanst!fter verlag)

Die Geschichte ist ziemlich simpel, im Grunde wiederholt sich auf jeder Seite der Suchprozess, allerdings an verschiedenen, stets zweifarbig gestalteten Orten. Es geht farbig, aber nicht grell bunt zu. So kann sich die mehrfache Suche auf die verstecken Tiere konzentrieren. Ich finde: sehr wohltuend.

Zudem lieben Kinder in dem Alter Wiederholungen, das weiß ich aus eigener Vorleseerfahrungen mit meinen Kindern. Manche Bücher konnte ich nicht oft genug vorgelesen und wehe, ich ließ etwas weg.

Der Autorin wünsche ich, dass dieses Bilderbuch wie auch „Die Sprachstarken 3“ von der Stiftung Buchkunst unter die schönsten deutschen Bücher gewählt wird.

Liliane Steiner, Wilmas Mäusejagd, kunstanst!fter verlag, Mannheim 2017, 56 S., ISBN 978-3-942795-49-4

Dienstag, 21. Februar 2017 | Kategorie: Aufgelesen, Aufgeschnappt, Gedichte | Kommentare (4)

Ich sammle Alltgs-Perlen. Das sind Augenblicke, die ich gern festhalten möchte, für die ich dankbar bin, an die ich mich zu erinnern versuche, in Momenten, in denen ich keine entdecken kann, nicht weil da keine sind, sondern weil ich sie nicht wahrnehmen kann.

Solche Alltagsperlenglücksmomente können ein Musikstück sein, ein Blick in den Garten, das Lächeln eines Vorübergehenden, ein gutes, liebevoll gemeintes Wort, Kommentare auf meinem Blog, ein Tag mit Sonnenschein ….

Manchmal sind es auch Radiosendungen, in denen jemand ein Gedicht einflicht – gibt es regelmäßig im WDR.

Heute Morgen war es ein Beitrag von Ingelore Engbrocks in der Sendung Kirche im WDR. Ihr Thema war die „Wahrnehmung“, die Achtsamkeit im Alltag. In dieser Sendung hat sie das folgende Gedicht von Rainer Malkowski eingefügt:

Sterne

Zu wenig Zeit genommen
für die Betrachtung der Sterne.
Ich rede nicht von Teleskopen.
Ich spreche von einer Dachluke
in einer ganz gewöhnlichen
wolkenlosen Nacht.
Vom Heimweg zu später Stunde,
nur flüchtig aufschauend,
den Schlüssel schon im Schloß.
Nicht, was ich nicht weiß,
reut mich.
Mich reut
der nachlässige Gebrauch
meiner Augen.

(Rainer Malkowski, Leseprobe aus: Die Herkunft der Uhr, Gedichte, 2004, Hanser)


Nein, das sind nicht die Sterne am Himmel, dafür reicht mein Objektiv nicht, sondern ein Theaterhimmel – für mich allerdings auch eine Erinnerungsperle an eine wunderbare Ballettaufführung im MIR.

Das Gedicht ist eine meiner heutigen Alltags-Perlen. Mit Achtsamkeit werden bis zum heutigen Abend sicher noch einige dazukommen.
Euch wünsche ich einen Guten Tag, in dem ihr eure Perlen finden und betrachten könnt.

Montag, 20. Februar 2017 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

„Die Bergwerke von Falun“ von E.T.A. Hofmann ist nach „Der Landarzt“ und „Romeo und Julia“ der 3. von Kat Menschik illustrierte Band in der Reihe „Meine Lieblingsbücher“ aus dem Galiani-Verlag. Der Wiedererkennungswert ist hoch: gleiches Format, dreiseitiger Farbschnitt, wobei die Farben von Band zu Band andere sind, und die „Handschrift“ von Kat Menschik:

(Copyright Kat Menschik, Galiani Verlag Berlin)

Dennoch fühlt sich dieser Band anders an, fein, glatt, haptisch sehr angenehm – erinnert er mich an eine PC-Mouse, die ich mal gehabt habe – ein echter Handschmeichler. Und dann:
Abgelegt neben meinem Bett, habe ich nach dem Löschen meiner Leselampe zunächst gedacht, ich hätte mein Handy nicht ausgeschaltet. Bei näherem Hinsehen, habe ich entdeckt: Das Buch leuchtet, genauer der Buchrücken und die hellen Teile des Covers. Was die sich heute so alles einfallen lassen.

Während der Lektüre dieser Erzählung aus der Epoche der Romantik ist mir dann deutlich geworden, dass die stets präsenten Kontraste von Hell-Dunkel, Tag-Nacht, Oben-Unten, die sich thematisch durch die gesamte Erzählung ziehen und auch den Inhalt dominieren, bereits in der Gestaltung des Covers im wahrsten Sinne des Wortes sichtbar werden – auch im Dunkeln!! Genialer Einfall!

Der Seemann Elis Fröbom, „ein schlanker hübscher Mensch, kaum mocht er zwanzig Jahr alt sein, hatte sich fortgeschlichen aus dem Getümmel, und draußen einsam hingesetzt auf die Bank, die neben der Tür des Schankhauses stand.“ Er mag mit den anderen die geglückte und so erfolgreiche Überfahrt nicht gebührend feiern.
Später kennt der Leser den Grund. Nach seiner Heimkehr erfährt Elis Fröbom vom Tod seiner Mutter und der damit verbundenen eigenen Heimatlosigkeit. Im Haus seiner Mutter leben nun fremde Menschen, für ihn ist da kein Platz mehr. Er ist obdachlos, sein Gemüt angegriffen:

„Ach, läg ich doch nur begraben in dem tiefsten Meeresgrunde! – denn im Leben gibts keinen Menschen mehr, mit dem ich mich freuen sollte!“

In dieser tief empfundenen Einsamkeit spricht ihn ein Alter mit tiefer rauer Stimme an:
„Ihr müsst gar großes Unglück erfahren haben, junger Mensch, daß ihr Euch schon jetzt, da das Leben Euch erst recht aufgehen sollte, den Tod wünschet.“ Er hört Elis lange einfach nur zu und erfährt dessen Lebensgeschichte, gepaart mit Hoffnungslosigkeit, Einsamkeit und „Lebensekel“.

„Alles, was Ihr tatet, was Ihr spracht, beweist, daß Ihr ein tiefes in sich selbst gekehrtes, frommes kindliches Gemüt habt, und eine schönere Gabe konnte Euch der hohe Himmel gar nicht verleihen. Aber zum Seemann habt Ihr Eure Lebetage nicht im mindesten getaugt. … Folgt meinem Rat, Elis Fröbom! geht nach Falun, werdet ein Bergmann.“

Zögernd macht Elis sich auf den Weg, zu den Bergwerken zu Falun. Stets zweifelnd, verzweifelt, stark träumend, begleitet von unterschiedlichen inneren Stimmen, voller Sehnsucht nach der Schönen, die er in seinen Träumen gesehen und die aus der Unterwelt zu retten seine Aufgabe zu sein scheint, bricht er auf in ein neues Leben.
Wer die Erzählung kennt, weiß wie die tragische Entwicklungs- und Liebesgeschichte endet. Den anderen möchte ich die Spannung bewahren.

Kat Menschiks Illustration halten das Zauberhafte, Unterirdische, Märchenhafte der Erzählung in ungemein passenden, zauberhaften Bildern fest, begleiten, interpretieren die Geschichte, zeigen die (Un-) Tiefen dieser Romantik-Erzählung auf, die man – wie gute Literatur fast immer – sicher mit Gewinn mehrfach lesen kann.

Eine wunderbare 3. Ausgabe dieser Reihe, die einen zum Sammler, zumindest zum Liebhaber dieser Bücher werden lassen kann. Ich bin restlos begeistert. Und das kommt nicht so oft vor ;)

E.T.A. Hofmann, Die Bergwerke von Falun, illustriert von Kat Menschik, Galiani Verlag Berlin 2017, 77 S., ISBN 978-3-86971-1331

Montag, 20. Februar 2017 | Kategorie: Gedichte, Merk-Würdiges | Kommentare (2)

Abwertungen
Beleidigungen
Demotivierungen
Erniedrigungen
Missachtung
Unterstellungen
Vorwürfe
und noch vieles mehr

Sind Formen der Zuwendung –
lebensentwertend

Besser
als gar keine?

(mona lisa)

Sonntag, 19. Februar 2017 | Kategorie: Aufgelesen | Kommentare (4)

„Nach Jahrzehnten der Dekonstruktion wäre es vielleicht an der Zeit, in Tiefenschichten der Sprache wieder zu graben nach Adern der Heiterkeit und Schönheit, nach dem dunklen Gott, nach großzügigen und weithin schreitenden Rhythmen des Seins.
Die Dichtung ist ein Turm, der Städte überragt und in welchem Dohlen wohnen.“

(Ulrich Fentzloff, Kommentar im Allgäuer Anzeigenblatt zu einer Veranstaltung 2012, auf der er Gedichte, Prosa und Essayistisches liest)

Samstag, 18. Februar 2017 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (2)

Weiche Frühlingswinde wehn
Um die Winterwende,
Die mir um die Wangen gehn,
Warm wie Mädchenhände.

Kleine Blumen blau und braun
Blühn schon an den Gassen,
Wie zwei Augen anzuschaun,
Die mich nie verlassen.

Bald, wie bald und heiß erblüht
Auch die Ros‘ im Hage,
Not als wie die Liebe glüht
Die ich heimlich trage…

(Georg Busse-Palma)

Freitag, 17. Februar 2017 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

Bis dahin kannte ich nur das als Kind so begehrte Hasenbrot, auf das man wartete, wenn abends der Vater nach Hause kam.
In diesem Bilderbuch
(Copyright Ulrike Möltgen, kunstanst!fter verlag)

geht es um ein riesiges Wurstbrot, das der Ich-Erzähler von seiner Mutter für den langen Schulweg bekommt. Das ist die gute Nachricht für ihn, da es kurz nach dem Krieg selten ist, dass Wurst aufs Brot kommt. Die schlechte ist: Er muss heute allein gehen, da seine beiden Mitschüler krank zu Hause bleiben. Und der Schulweg führt durch einen dunklen Winterwald, denn es ist kurz nach den Winterferien und noch vor Sonnenaufgang.
(Copyright Ulrike Möltgen, kunstanst!fter verlag)

Die Gefühle des Jungen auf diesem Weg durch den Wald, die unheimliche Stille sind gut nachvollziehbar erzählt, ebenso die kindlichen Strategien mit dieser beängstigenden Situation umzugehen:

„Die erste Hälfte von meinem Brot würde ich essen, sobald ich den Wald hinter mir hätte. Auf einem umgestürzten Baumstamm, von dem aus ich schon das Schuldorf sehen konnte.
Die zweite Hälfte würde ich nach der Schule essen. Auf dem Nachhauseweg. Mit diesen Gedanken hielt ich das mulmige Gefühl in Schach, das mir vom Bauch langsam in die Kehle stieg.“

Doch es kommt ganz anders. Denn – noch bevor er die Schule erreicht – begegnet er zwei angsteinflößenden Gestalten, denen er sich ausgeliefert fühlt. Gleichzeitig nimmt er die Verletztheit und Versehrtheit dieser Gestalten wahr und handelt aus sener Empathiefähigkeit intuitiv so, dass er die Gefahr bannt, die von ihnen ausgeht.

„Als ich aus dem Wald herauskam, funkelten die schneebedeckten Felder im Licht der ersten Sonnenstrahlen. Die Nacht war vorbei.“
Für ihn ist nicht nur die reale Nacht vorbei, sondern auch seine, in der er sich mutig seinen Ängsten gestellt und sein Herz hat sprechen lassen. Mit dem Ergebnis:

„An diesem Tag kam ich verdammt hungrig nach Hause. Meiner Mutter sagte ich, dass ich morgen wieder ein Brot ohne Wurst mitnehmen wollte. Weil so ein Wurstbrot überhaupt nicht satt mache.“ Das ist die kindliche logische Schlussfolgerung aus seinen bewegenden Erlebnissen im Wald.

Das Buch ist von Kilian Leypold einfühlsam aus der Ich-Perspektive des kleinen Schuljungen erzählt. Die Illustrationen von Ulrike Möltgen machen seine Ängste sichtbar und somit noch nachvollziehbarer für Kinder im Grundschulalter. Die Gestaltung durch Sonja Müller-Späth sollte ebenfalls nicht unerwähnt bleiben, ist doch der Erzähltext grafisch unterschiedlich gestaltet. Sätze, die die Gefühlslage des kleinen Jungen verdeutlichen, sind in einer Art Schreibschrift dick schwarz geschrieben, so dass sie dem Leser sofort ins Auge springen:

„Ich musst mich also noch vor Sonnenaufgang auf den Weg machen.“

Welche (Un-) Tiefen dieser Satz zum Ausdruck bringt, wird im Kontext deutlich und nachfühlbar. Ein sehr empfehlenswertes Bilderbuch – wie immer auch für Erwachsene, die Kinderbücher lieben!!! Soll es geben ;)

Ulrike Möltgen Kilian Leypol, Wolfsbrot, kunstanst!fter verlag Mannheim 2017, ISBN 978-3-942795-52-4