Donnerstag, 25. Mai 2017 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (1)


Mein Leben ist ein leises Lied im Wind.
Ich töne wohl in euren breiten Gassen;
Doch weil sie lautem Lärm verfallen sind,
Können mich eure Herzen nimmer fassen.
Nur hin und wieder horcht ein Sonntagskind,
Fängt auf mein Lied und will es nimmer lassen,
Singt es mit mir hinein in Sturm und Wind
Und trägt mit mir die Liebe in das Hassen.

(Alfons Petzold)

Dienstag, 23. Mai 2017 | Kategorie: Allgemein, Fotos, Gedichte | Kommentare (2)


Du innig Rot,
Bis an den Tod
Soll meine Lieb Dir gleichen,
Soll nimmer bleichen,
Bis an den Tod,
Du glühend Rot,
Soll sie Dir gleichen.

(Karoline von Günderrode)

Montag, 22. Mai 2017 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (2)


Du fragst, was ist die Zeit? und was ist Ewigkeit?
Wo hebt sich Ew`ges an, und hebet auf die Zeit?
Die Zeit, sobald du sie aufhebst, ist aufgehoben,
Wo dich das Ewige zu sich erhebt nach oben.
Die Zeit ist nicht, es ist allein die Ewigkeit.
Die Ewigkeit allein ist ewig in der Zeit.
Sie ist das in der Zeit sich stets gebärende,
Als wahre Gegenwart die Zeit durchwährende,
Wo die Vergangenheit und Zukunft ist geschwunden
In Gegenwart, da hast du Ewigkeit empfunden.
Wo du Vergangenheit und Zukunft hast empfunden
Als Gegenwart, da ist die Ewigkeit gefunden. –

(Friedrich Rückert)

Sonntag, 21. Mai 2017 | Kategorie: Aufgelesen, Merk-Würdiges | Kommentare (2)

Samstag, 20. Mai 2017 | Kategorie: Fotos, Merk-Würdiges | Kommentare (4)

Kommentarlos

Freitag, 19. Mai 2017 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

Der namenlose Ich-Erzähler dieses Romans, der von sich selbst immer wieder behauptet, er könne nicht schreiben, schon gar keinen Roman, ist neunzehn Jahre alt und bisher wohlbehütet in einem wohlhabenden Elternhaus in Tōkiō aufgewachsen. Seine Eltern haben ihm – wie es üblich ist – eine Frau ausgesucht, die er heiraten soll, aber nicht heiraten will. Die Frau, die erliebt, kann er dagegen nicht heiraten.

Für diesen jungen Mann eine ausweglose Situation. Er beschließt, Selbstmord zu begehen, hat aber nicht mit den Schwierigkeiten, sprich seinem Lebenswillen, gerechnet. Er schafft es also nicht, sich zu töten, aber in sein Elternhaus zurückkehren will er auch nicht.

„Ich wusste zwar nicht wohin, aber ich hatte fest vor, dorthin zu gehen, wo es keine Menschen gibt. … Unerträglich, wie diese verhangene Welt um mich herum wucherte und meinen Vorsatz lähmte, bis zu meiner Läuterung zu marschieren. Jeder Schritt meiner vor Angst angewurzelten Beine, den ich von Angst getrieben machte, führte einen Schritt weiter in diese Angst hinein. Einerseits von Angst getrieben, andereits davon gelähmt und wiederum keinen anderen Ausweg habend, als mich zu bewegen; nie mehr würde ich diesem Teufelskreis entkommen, soweit ich auch gehen mochte. Mein ganzes Leben lang würde ich mit dieser Angst marschieren. So sehr war alles vernebelt, dass ich mir wünschte, alles würde endlich ganz und gar dunkel werden.“

In dieser Seelennot und zudem völlig unerfahren im Umgang mit Menschen gerät er an Chōzō, der Arbeiter für ein Kupferbergwerk sucht und dafür Provision kassiert:
„‚Er da, hat er keine Lust zum Arbeiten?'“

Da dem Ich-Erzähler eh alles egal ist, geht er aus „Selbstverleugnung“ mit. Doch der Weg zum Bergwerk und in es hinein wird für ihn durch viele Grenzerfahrungen im Kontakt mit anderen Menschen und den Grenzen seines eigenen Körpers zum Initiationsweg, ständig heftigen Gefühlsschwankungen unterworfen, die gut nachvollziehbar und sehr detailliert beschrieben werden.

Auf einer Leiter in den tiefsten Tiefen des Kupferbergwerkes stehend macht er eine Erfahrung, die er „Todesabkehr und Rückkehr ins Leben“ nennt. Ihm wird schlagartig bewusst, wie unsinnig sein Tod sein würde, zumal niemand davon Kenntnis bekäme.

„Du musst, koste es, was es wolle, bis oben hinauf.“

Hat er bis dahin nur völlig bildungsferne und zudem sehr grobschlächtige Menschen getroffen – meist völlig abgestumpft und ausgemergelt – die ihn ausgelacht haben, weil sie wussten, dass er der Arbeit im Bergwerk nicht gewachsen sein würde, trifft er auf dem Weg aus der Unterwelt auf Yasu, der ihm auf Augenhöhe begegnet. Ihm gelingt es, dem jungen Mann seine Verantwortung gegenüber Japan klar zu machen:

„‚Wenn jemand mit Bildung Bergmann wird, dann ist das ein Schaden für Japan.'“

Für eine Übergangszeit arbeitet er noch in der Buchhaltung einer Kantine, um sein Gesicht sich selbst gegenüber nicht zu verlieren. Dann – fünf Monate später – kehrt er nach Tōkyō zurück.

„Das waren meine ganzen Erfahrungen als Bergmann. Und alles entspricht der Wahrheit. Das kann man schon daran erkennen, dass das hier kein Roman geworden ist.“

Dieser Roman ist so anders als „Kokoroko“ und „Sanshirōs Wege„, da er in der sozialen Unterschicht mit seinen verschiedenen Idiomen angesiedelt ist, zudem eingeengt auf die Perspektive des Ich-Erzählers. Dennoch geht es um die Darstellung eines bürgerlichen individuellen Schicksals in der japanischen Gesellschaft zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit auch heute noch immer aktuellen Themen. Daher: absolut lesenswert für Leser, die keinen Roman mit spannender äußerer Handlung brauchen!

Natsume Sōseki, Der Bergmann, Roman, übersetzt und mit einem sehr informativen Nachwort versehen v. Franz Hintereder-Emde, be.bra verlag, Berlin 2016, 339 S., ISBN 978-3-86124-920-7

Donnerstag, 18. Mai 2017 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (2)


Uns überfüllts. Wir ordnens. Es zerfällt.
Wir ordnens wieder und zerfallen selbst.
Wer hat uns also umgedreht, daß wir,
was wir auch tun, in jener Haltung sind
von einem, welcher fortgeht? Wie er auf
dem letzten Hügel, der ihm ganz sein Tal
noch einmal zeigt, sich wendet, anhält, weilt –,
so leben wir und nehmen immer Abschied.

(Rainer Maria Rilke)

Mittwoch, 17. Mai 2017 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (2)


Immer wird sie eine Bedeutung haben
diese Zahl 17
meine Erinnerungs-, Wunsch- und Sehnsuchtszahl

Sie lässt mich dankbar und traurig sein
für das, was war
über das, was nicht mehr sein kann

Zumindest nicht in dieser Welt
in der ich
mit der 17 im Herzen weiterlebe

(mona lisa)

Dienstag, 16. Mai 2017 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (2)


Vor lauter Lauschen und Staunen sei still.
Du mein tieftiefes Leben;
Daß du weißt, was der Wind dir will.
Eh noch die Birken beben.

Und wenn dir einmal das Schweigen sprach,
Laß deine Sinne besiegen.
Jedem Hauche gib dich, gib nach,
Er wird dich lieben und wiegen.

Und dann, meine Seele, sei weit, sei weit.
Daß dir das Leben gelinge,
Breite dich wie ein Feierkleid
Über die sinnenden Dinge.

(Rainer Maria Rilke)

Montag, 15. Mai 2017 | Kategorie: Allgemein | Kommentare (2)

Ich schwelle in meiner Flut über die Erde.
Es wirft meine wilde Welle Tang an den Strand,
Muscheln, violette Quallen und kleine Seepferde.

Aber der Ekel zischt, dass ich mich gezeigt.
Ich krieche in mich zurück,
Und der Nordwind schweigt.

Ebbe ist… Kinder gehen, sammeln, suchen
Und sehen Krabben, nasse Sterne,
Erstaunlichstes Getier.

Ich aber bin längst in der Ferne wieder bei mir.

Und was ich an den Strand warf, stirbt in der Luft
Oder in des Menschen Hand. –
Nur die Taschenkrebse graben sich
Mit ihren Scheren in den Sand.
Sechs Stunden warten sie bis zur nächsten Flut. –

Die Taschenkrebse kennen mich gut.

(Klabund)