Montag, 19. Februar 2018 | Kategorie: Allgemein, Fotos, Gedichte | Kommentare (2)

Gestern: Kälte mit Sonnenschein.
Ich habe mich auf den Weg gemacht und bin reichlich beschenkt worden.
Schönheit, wohin das Auge blickte, meist lag es direkt vor meinen Füßen.

Diese zeitlose, immer wieder zu bestaunende Schönheit hat Benn in seinem Gedicht Rauhreif 1912 treffend festgehalten:

Etwas aus den nebelsatten
Lüften löste sich und wuchs
über Nacht als weißer Schatten
eng um Tanne, Baum und Buchs.
Und erglänzte wie das Weiche
Weiße, das aus Wolken fällt,
und erlöste stumm in bleiche
Schönheit eine dunkle Welt.

(Gottfried Benn)

Sonntag, 18. Februar 2018 | Kategorie: Aufgelesen, Fotos, Zitate | Kommentare (4)


„Als mein Gebet immer andächtiger und innerlicher wurde, da hatte ich immer weniger und weniger zu sagen.
Zuletzt wurde ich ganz still.
Ich wurde, was womöglich noch ein größerer Gegensatz zum Reden ist,
ich wurde ein Hörer.“

(Sören Kierkegaard)

Dieses Zitat stammt aus der heutigen, wirklich hörenswerten Sendung „Lebenszeichen“mit dem Titel: Die Möglichmacher. Fluchtburg und Ruhepol. Über das Phänomen des Schweigens.

Samstag, 17. Februar 2018 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (4)


Das Feld ist kahl, auf ferner Höhe glänzet
Der blaue Himmel nur, und wie die Pfade gehen,
Erscheinet die Natur, als Einerlei, das Wehen
Ist frisch, und die Natur von Helle nur umkränzet.

Der Erde Stund ist sichtbar von dem Himmel
Den ganzen Tag, in heller Nacht umgeben,
Wenn hoch erscheint von Sternen das Gewimmel,
Und geistiger das weit gedehnte Leben.

(Friedrich Hölderlin)

Freitag, 16. Februar 2018 | Kategorie: Aufgelesen | Kommentare (2)

„Nichts eilt mehr. Das beliebte Gesellschaftsspiel namens Stress, bei dem es darum geht, einen Tag so geschickt zu packen wie einen Koffer, damit möglichst viel hineinpasst, ist für sie einstweilen beendet.“

(aus: Juli Zeh, Leere Herzen, München 2017, S. 249)

Donnerstag, 15. Februar 2018 | Kategorie: Fotos, Rezensionen | Kommentare (1)

„Leere Herzen“ ist nach „UNTERLEUTEN“, der aktuelle Roman Juli Zehs.

Der Roman spielt in der Nähe von Braunschweig in den zwanziger Jahren des 21. Jahrhunderts, also in der Zukunft Deutschlands, in der es mit der Demokratie nicht zum Besten steht, da „demokratieverdrossene Nicht-Wähler Wahlen gewinnen, während engagierte Demokraten mit dem Wählen aufhören“, es kaum noch Zeitungen gibt und wenig Menschen, die sich (politisch) noch für irgendetwas engagieren. Angela Merkel ist – nach erzwungenen Neuwahlen – zurückgetreten:

„Der Augenblick, als Angela nach offizieller Verkündung des Wahlergebnisses vor die Kamera trat und die Verantwortung für das starke Ergebnis der BBB übernahm. Sie formte die Hände zur Raute und erklärte in ihrer unterkühlten, leicht lispelnden Art, dass sie im heutigen Wahlergebnis nicht nur eine Katastrophe für Deutschland, sondern das Scheitern ihrer persönlichen Laufbahn sehe. Unter den Buh-Rufen einiger anwesender Journalisten brach die selbstbeherrschte Fassade der Ex-Kanzlerin schließlich zusammen. Eine Träne lief ihr über das Gesicht, während sie, die Zwischenrufe übertönend, ins Mikrofon rief: ‚Ich wünsche unserem Land, ich wünsche uns allen Glück!‘ Dann verließ sie das Podium, die Schultern hochgezogen, und wirkte dabei plötzlich wie eine alte Frau.“

In dieser gesellschaftlichen Situation, „in völliger Übereinstimmung mit dem Zeitgeist“ leitet Britta mit ihrem Kollegen Baba, unterstützt von Lassie, ihrem Computer, die Brücke, eine „Heilpraxis für Selbstmordprävention“. An ihre Praxis wenden sich Menschen mit Selbstmordabsichten, die sich einem ausgeklügelten Prüfsystem unterziehen müssen, mit dem sichergestellt werden soll, ob die Suizidgedanken wirklich ernst gemeint sind. Waterboarding ist da nur ein Test, den die Kandidaten bestehen müssen. Durchlaufen sie die Tests erfolgreich, werden sie gegen hohe Geldprovisionen an Organisationen vermittelt, die sie für ihre Ziele als Selbstmordattentäter einsetzten, so dass für sie ihr Selbstmord letztendlich noch Sinn macht:
„Als erster und einziger Terrordienstleister der Republik hat die Brücke die Branche befriedet und stabilisiert. Sie sorgt für das richtige Maß an Bedrohungsgefühlen, das jede Gesellschaft braucht. Und sie hat Babak und Britta ziemlich reich gemacht.“

„Britta liebt ihre Arbeit. Sie hat viel mit Menschen zu tun, lebt selbstbestimmt und tut eine Menge Gutes. Die Rettung von potenziellen Selbstmördern macht mit Abstand den größten Teil ihrer Tätigkeit aus.“ Denn diejenigen, die die Tests nicht bestehen, sind glücklich, dass die durch das Prüfungsverfahren ihren Sinn im Leben (wieder)gefunden haben und am Leben bleiben wollen.

Diese Dankbarkeit drücken sie Britta gegenüber mit viel Geld aus. So oder so ein gewinnbringende Geschäftsidee. Wenn da nur nicht Brittas ständige Übelkeit wäre, die sich massiv verstärkt, als in Leipzig ein Attentat passiert, ohne dass sie davon gewusst hat, es also nicht ihre Kandidaten sind, die dort eingesetzt wurden. Ab da läuft der so disziplinierten, strukturierten Britta so einiges aus dem Ruder, vor allem, als ihre Kleinfamilie in Gefahr gerät.

Britta vollführt zum Ende des Romans hin eine kaum nachzuvollziehende Wandlung von der selbständigen Geschäftsfrau hin zu einer Ehefrau und Mutter, die damit zufrieden scheint, ihre eigenen vier Wände sauber zu halten, neue Rezepte auszuprobieren und den Mann das Geld verdienen zu lassen.

Das neue Familienideal?

Es wird indirekt vieles angeprangert, etwa die Demokratieverdrossenheit, die „leeren Herzen“, sprich fehlende Ideale, für die es sich zu engagieren lohnt, und die damit einhergehende Ichbezogenheit der Menschen. Doch letztlich ist die Romanhandlung eine Art Krimi, in dem es um eine konkurrierende Bande geht, die der Brücke Schaden zufügen will.

Der Roman lässt mich gruseln angesichts dieses gesellschaftlichen Szenarios, das so undenkbar gar nicht ist, ermöglicht aber auch nicht ansatzweise eine Aussicht auf mögliche (gesellschaftliche) Veränderung. Der Rückzug ins Private scheint mir keine zu sein. Doch vielleicht ist es nicht Aufgabe eines Schriftstellers, Lösungen zu suchen, zu finden und anzubieten, sondern Sache engagierter Leser/Bürger und Politiker.

Juli Zeh, Leere Herzen, Roman, Luchterhand Verlag, München 2017, 348 S., ISBN 978-3-630-87523-1

Mittwoch, 14. Februar 2018 | Kategorie: Allgemein, Alltägliches, Aufgelesen | Kommentare (4)


„Bedenke Mensch, dass du Staub bist!“

Dieser Aufruf zur Fastenzeit sollte uns nicht davon abhalten zu lieben ;)
Beides ist möglich, es ist kein:
entweder … oder,
sondern ein:
sowohl … als auch.

Die Synthese daraus ist sicher machmal nicht einfach.

Dienstag, 13. Februar 2018 | Kategorie: Aufgelesen | Kommentare (2)


Wenn Du vor mir stehst und mich ansiehst, was weißt Du von den Schmerzen, die in mir sind, und was weiß ich von Deinen. Und wenn ich mich vor Dir niederwerfen würde und weinen und erzählen, was wüsstest Du von mir mehr als von der Hölle, wenn Dir jemand erzählt, sie ist heiß und fürchterlich. Schon darum sollten wir Menschen voreinander so ehrfürchtig, so nachdenklich stehen, wie vor dem Eingang zur Hölle.

(Franz Kafka)

Montag, 12. Februar 2018 | Kategorie: Allgemein, Alltägliches, Fotos | Kommentare (2)


Ich mag Rosen.
Den Rosen-Montag zu lieben, das überlasse ich herzlich gerne anderen.

Sonntag, 11. Februar 2018 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (4)


Das Leben ist gut und licht.
Das Leben hat goldene Gassen.
Fester wollen wirs fassen,
wir fürchten das Leben nicht.

Wir heben Stille und Sturm,
die bauen und bilden uns beide:
Dich – kleidet die Stille wie Seide,
mich – machen die Stürme zum Turm …

(Rainer Maria Rilke)

Samstag, 10. Februar 2018 | Kategorie: Allgemein, Alltägliches, Fotos | Kommentare (2)


Das war nicht der Zahn der Zeit, sondern der Frost der letzten Tage.
Jetzt kann ich für den Sommer neue Flaschen sammeln.