Freitag, 15. Dezember 2017 | Kategorie: Fotos, Frag-Würdiges, Merk-Würdiges | Kommentare (5)


Sind eine verwelkte Rose, ein faltiges Gesicht noch schön?
Wenn man Marilyn Monroe glaubt, auf jeden Fall:

„Wahre Schönheit und Weiblichkeit sind alterslos und nicht künstlich herstellbar.“

Donnerstag, 14. Dezember 2017 | Kategorie: Aufgelesen, Fotos, Gedichte | Kommentare (2)


Die längste Reise
ist die Reise nach innen.
Wer sein Los gewählt hat,
wer die Fahrt begann
zu seiner eigenen Tiefe
(gibt es denn Tiefe?) –
noch unter euch,
ist er außerhalb der Gemeinschaft,
abgesondert in eurem Gefühl
gleich einem Sterbenden
oder wie einer, den der nahende Abschied
vorzeitig weiht
zu jeglicher Menschen endlicher Einsamkeit.

Zwischen euch und jenem ist Abstand,
ist Unsicherheit –
Rücksicht.

Selber wird er euch sehen
abgerückt, ferner,
immer schwächer eures Lockrufs
Stimme hören.

(Dag Hammarskjöld, Zeichen am Weg, 2. Aufl. Stuttgart 2012, S.97)

Mittwoch, 13. Dezember 2017 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (2)

Wir gehen von warmen Zimmern in kalte
und von kalten wieder in warme Zimmer.

Das Neugeborene schreit plötzlich ins Licht.
Es wußte schon immer, daß der Erdrutsch kommen würde.

Wie viele rätselhafte Städte unter der Erde
baut nicht das, was wir das Herz nennen!

Der Beischlaf dient eher dem Erinnern als dem Vergessen.

Zuweilen sind wir trockene Schneekristalle
getrieben von einem eisigen Wind, in Wirbeln

über die großen blanken Eisflächen. Erbarmungslos.

An großen warmen Sommertagen weiden im grünen Schatten
königliche Hirsche unter mächtigen Baumkronen.

Ein sanfter Wind zieht durch die Landschaft.

Ich meine, mit dem Klagen muß es auch ein Ende haben.

(Lars Gustafsson, Die Stille der Welt vor Bach, S. 54)

Dienstag, 12. Dezember 2017 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (2)


Die Rosenblüte:
Erstarb in diesen Tagen:
O, diese Kälte!

(Shiki)

Montag, 11. Dezember 2017 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (4)

Kein Schlaf noch kühlt das Auge mir,
dort gehe schon der Tag herfür
an meinem Kammerfenster.
Es wühlet mein verstörter Sinn
noch zwischen Zweifeln her und hin
und schaffet Nachtgespenster.
– Ängste, quäle
dich nicht länger, meine Seele!
Freu dich! Schon sind da und dorten
Morgenglocken wach geworden.

(Eduard Mörike)

Sonntag, 10. Dezember 2017 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (2)

Heller Morgen

Als ich schläfrig heut erwachte,
– und es war die Kirchenzeit –
hörte ich’s am Glockenschlage,
dass es über Nacht geschneit.

Als ich froh die Läden aufstieß,
trug die Welt ein weißes Kleid,
meine ganze Seele wurde
glänzend weiß und hell und weit.

Denn in meinem hellen Zimmer
klang so hell der Glockenschlag,
dass ich schon im Traume wusste:
heute wird ein heller Tag.

(Börries Freiherr von Münchhausen)

Samstag, 9. Dezember 2017 | Kategorie: Allgemein, Alltägliches | Kommentare (2)

Schnee bedeckt Bürgersteig und Einfahrt.
Ich bin in der Garage, um den Schneeschieber und einen Straßenbesen zu holen.
Da tönt mir ein hellwaches: „Guten Morgen!“ entgegen.

Ein Nachbar – alter Schule wie er selbst sagt – hat in der kurzen Zwischenzeit bereits meinen Bürgersteig von Schnee befreit.
Ich kann es dankbar annehmen.
Wie lautete noch der Satz von James Henry Leigh Hunt, den ich es vor ein paar Tagen bei „Quersatzein“ gelesen habe?:

«Ein Geschenk geziemend und im rechten Geist entgegennehmen zu können, kann sogar das Gegengeschenk ersetzen.»

Freitag, 8. Dezember 2017 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (2)


Ei, du liebe, liebe Zeit,
ei, wie hat’s geschneit, geschneit!
Rings herum, wie ich mich dreh‘,
nichts als Schnee und lauter Schnee.
Wald und Wiesen, Hof und Hecken,
alles steckt in weißen Decken.

Und im Garten jeder Baum,
jedes Bäumchen voller Flaum!
Auf dem Sims, dem Blumenbrett
liegt er wie ein Federbett.
Auf den Dächern um und um
nichts als Baumwoll‘ rings herum.

(Friedrich Güll)

Donnerstag, 7. Dezember 2017 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

Der bekannte Hirnforscher vertritt in diesem Buch die These, dass es gelingen kann, die Selbstheilungskräfte des Gehirns rechtzeitig so zu aktivieren, dass eine Erkrankung an Demenz eher unwahrscheinlich wird.

Aufgrund der sogenannten „Nonnenstudie“, in der festgestellt wurde, dass es offenbar Personen gibt, „deren Gehirn genauso degeneriert und mit Ablagerungen übersät ist wie das von Patienten mit einer schweren Alzheimer-Demenz, (aber) bis ins hohe Alter, bis zu ihrem Tod kein Gedächtnisverlust oder andere Symptome einer Demenz aufgetreten sind“ geht Hüther davon aus, dass es eher an den Lebensbedingungen der Menschen liegt, wenn sie an Demenz erkranken.

Er geht der Frage nach, wie Lebensbedingungen sein müssen bzw. welche Fähigkeiten Menschen haben oder entwickeln müssten, um der „Demenzfalle“ zu entgehen.

„Verstehbarkeit, Gestaltbarkeit, Sinnhaftigkeit, so lauten die drei salutogenetischen Grundprinzipien, die es einem Menschen ermöglichen, jenes Gefühl von Kohärenz zu entwickeln, das die Voraussetzung für die Aktivierung der im Körper angelegten Selbstheilungskräfte ist.“

Gut verständlich erklärt er, was er darunter versteht und auch, was es an Veränderungen im Alltag braucht, um diese Grundprinzipien als Ressourcen zur Verfügung zu haben. Da gibt es Veränderungen, die einzelne für sich entwicklen können. Doch noch notwendiger sind gesellschaftliche Veränderungen in Schule, Wirtschaft, Forschung und Lehre, die andere gesellschaftliche Grundprinzipien möglich machen, weg vom Konkurrenzdenken, vom immer Höher, Weiter, Schneller hin zu Solidarität, Gemeinsamkeit, Fein- und Mitgefühl.

Diese Veränderungen bezeichnet er als einen notwendigen Paradigmenwechsel wie er auch nach der großen Pestwelle im Mittelalter angesagt war, um diese Epidemien auszurotten.

Ein verständliches, aufrüttelndes, Mut machendes Buch, wenn man sich auf Hüthers Thesen einlassen kann und will. Für Menschen, die bereits Bücher von ihm gelesen haben und mit seinen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Thesen vertraut sind, hält dieses Buch nichts wesentlich Neues bereit, im Gegenteil die ständigen Wiederholungen kommen mir als unnötige Zeitfresser vor.

Gerald Hüther, Raus aus der Demenzfalle! Wie es gelingen kann, die Selbstheilungskräfte des Gehirns rechtzeitig zu aktivieren, Arkana Verlag, München 3. Aufl.2017, 135 S., ISBN 978-3-442-34209-9

Mittwoch, 6. Dezember 2017 | Kategorie: Aufgelesen, Zitate | Kommentare (4)

Ich weiß dir Dank dafür, dass du mich so hinnimmst, wie ich bin.
Was habe ich mit einem Freund zu tun, der mich wertet?
Wenn ich einen Hinkenden zu Tisch lade, bitte ich ihn,
sich zu setzen und verlange von ihm nicht, dass er tanze.

(Antoine de Saint-Exupéry)