Donnerstag, 8. Dezember 2016 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (1)

Heute heißt es mal wieder: Abschied nehmen.

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Nicht immer eine einfache Angelegenheit. Was es damit auf sich haben kann, weshalb es so oft so schwer fällt, hat für mich Edmond Haraucourt in einem seiner Gedichte gut zur Sprache gebracht:

Le Rondel de l’adieu

Partir, c’est mourir un peu,
C’est mourir à ce qu’on aime:
On laisse un peu de soi-même
En toute heure et dans tout lieu.

C’est toujours le deuil d’un vœu,
Le dernier vers d’un poème;
Partir, c’est mourir un peu.

Et l’on part, et c’est un jeu,
Et jusqu’à l’adieu suprême
C’est son âme que l’on sème,
Que l’on sème à chaque adieu…
Partir, c’est mourir un peu.

(Edmond Haraucourt)

Mittwoch, 7. Dezember 2016 | Kategorie: Aufgeschnappt, Fotos | Kommentare (2)

An diese Erklärung meiner Eltern musste ich heute beim Anblick des Morgenrots denken. Die bekamen wir als Kinder zu hören – meist aber war es ein Abendrot ;)

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Dienstag, 6. Dezember 2016 | Kategorie: Allgemein | Kommentare (1)

Manchmal ergeht es mir so, wie Rilke es in den folgenden Zeilen ausdrückt, dann ist Auf- und Ausräumen, Ordnen, Sortieren, Klären angesagt:

Mein Inneres ist so unwirtlich, daß ichs gar nicht unternehmen kann, Sie darin herumzuführen, ja es ist wahrscheinlich verstellt und ungangbar, – reston dehors.

(Rainer Maria Rilke, aus 365 Tage mit Rilke, Insel Verlag)

Sonntag, 4. Dezember 2016 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (2)

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Mein sind die Jahre nicht, die mir die Zeit genommen;
mein sind die Jahre nicht, die etwa möchten kommen;
der Augenblick ist mein, und nehm ich den in Acht,
so ist der mein, der Jahr und Ewigkeit gemacht. –

(Andreas Gryphius)

Samstag, 3. Dezember 2016 | Kategorie: Allgemein | Kommentare (0)

Die Geschichte von Romeo und Julia, dem wohl berühmtesten Liebespaar der Weltliteratur, kennt sicher (fast) jeder. Die Geschichte der unglücklich Verliebten, die aus verfeindeten Familien stammen und unter tragischen Umständen Selbstmord begehen, ist verfilmt worden, es gibt Ballettaufführungen und natürlich zahlreiche Ausgaben dieses Theaterstückes.

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Die von Kat Menschik illustrierte Ausgabe ist in jeder Hinsicht etwas Besonderes. Wie auch der von ihr illustrierte Band von Kafkas „Ein Landarzt“ – ist diese Ausgabe von „Romeo und Julia“ Teil einer neuen Reihe von Werken der Weltliteratur, die sie nach eigenen Vorstellungen illustriert.

Die Textausgabe folgt der von L.L. Schücking überarbeiteten und ergänzten Schlegelschen Übersetzung. Die Illustrationen sind sehr modern, aussagekräftig, ohne die Fantasie des Lesers einzuengen. Die satten Farben (Blut-) Rot und Lila sind vorherrschend: Der Einband – außen wie innen – und die typischen Illustrationen von Kat Menschik werden davon dominiert:

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Diesem Band hätte ich allerdings ein farbig passendes Lesebändchen gewünscht, da man erfahrungsgemäß ein Theaterstück selten „in einem Rutsch“ durchliest. Etwas ästhetisch Passendes zu finden, was als Lesezeichen dienen kann, wird sicher nicht so ganz einfach. Ich habe einen schwarzen Bleistift benutzt.

William Shakespeare, Romeo und Julia illustriert von Kat Menschik, Galiani Verlag Berlin 2016, 140 S., ISBN 978-3-86971-142-3

Freitag, 2. Dezember 2016 | Kategorie: Aufgelesen | Kommentare (4)

Wenn man in seinem Zimmer bleibt und tobt oder spottet oder die Achseln zuckt, wie ich es viele Jahre lang getan habe, sind die Welt und ihre Probleme entmutigend. Wenn man aber rausgeht und sich in eine wirkliche Beziehung zu wirklichen Menschen oder auch nur wirklichen Tieren setzt, besteht die sehr reale Gefahr, einige von ihnen zu lieben. Und wer weiß, was dann mit einem geschieht?

(Johnathan Frantzen, gefunden in: Der andere Advent 2016/17 am 1.12.)

Donnerstag, 1. Dezember 2016 | Kategorie: Allgemein, Rezensionen, Rezensionen (diverse) | Kommentare (2)

Vor diesem Konzert ‚Triadic Memories‚von Morton Feldmann letzten Mittwoch bin ich gewarnt worden: 90 Minuten Klaviermusik ohne Pause. Na, dann.

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Doch ich liebe die Konzertreihe „Musik für Freaks“, weil die „normalen“ Gehörgewohnheiten gegen den Strich gebürstet, auf den Kopf gestellt werden.
Ich erkundige mich vorher bewusst nicht, was mich erwartet, lasse mich einfach überraschen. Und das tut mir gut.
Erwartungen können nicht enttäuscht werden und das ist auch gut so.

Im Programmheft konnte ich lesen:
„EIN STÜCK EWIGKEIT, Morton Feldman
Ich bin kein Uhrmacher. Ich bin an der Zeit in ihrem unstrukturierten Zustand interessiert. Das heißt, mich interessiert, wie dieses wilde Tier im Dschungel, nicht im Zoo lebt. Mich interessiert die Art, wie die Zeit existiert, bevor wir unsere Klauen hineinschlagen, unsere Ideen und Vorstellungen.“

Wie sich wohl diese Gedanken – in Musik umgesetzt – anhören? Ich war gespannt. Noch größer wurde die Neugier, als der Pianist Alexander Melnikov uns darauf hinwies, schlafen könne man ruhig, aber nicht aufstehen und rausgehen, dann müsse er mit dem Spiel von vorn beginnen …

Oh ha. Nach den ersten Tönen, habe ich bezweifelt, dass es mir gefallen und ich die 90 Minuten unbeschadet würde hinter mich bringen können. Dann habe ich mich auf die Musik einlassen und lauschen können. Und war erstaunt, als die 90 Minuten vergangen waren, die letzte Stunde verging wie im Flug.

Ob ich Zeit jetzt als wilde Tiere im Dschungel erlebt habe – die Frage könnte ich nicht beantworten.

Doch ich weiß, dass ich froh bin mich diesem Hörerlebnis ausgesetzt zu haben. Das Motto „Raus aus alten Hörgewohnheiten“ passte und ist eine Einladung, Neues zu entdecken.

Mittwoch, 30. November 2016 | Kategorie: Aufgelesen, Fotos, Zitate | Kommentare (4)

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Viel hat der gelernt,
der die Trauer kennt.

(Aus dem Rolandslied, gefunden in Henning Mankell, Die schwedischen Gummistiefel)

Dienstag, 29. November 2016 | Kategorie: Allgemein, Aufgelesen | Kommentare (2)

Die Zeitschrift BRIGITTE hat nun nach WOMAN für die Frau ab 40 auch noch die Frau ab 60 entdeckt und eine Zeitschrift mit dem Titel WIR herausgegeben.
Untertitel:

Das Magazin für die dritte Lebenshälfte (!)
Habe ich vielleicht im Matheunterricht nicht richtig aufgepasst?

Montag, 28. November 2016 | Kategorie: Allgemein, Fotos, Rezensionen | Kommentare (5)

„Die schwedischen Gummistiefel“ ist nun definitiv Henning Mankells letzter Roman und kann als Folgeband der 2006 erschienenen „Die italienischen Schuhe“ angesehen werden, setzt die Kenntnis dieses Romans aber nicht voraus.

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Fredrik Welin, ehemaliger Chirurg, lebt nun seit Jahren auf seiner Insel im Schärengarten. Sein Großvater mütterlicherseits war Teil dieser Schärengemeinschaft. Er selbst hat nur den allernötigsten Kontakt zu den anderen Bewohnern.

„Ich stamme von den Inseln hier draußen ab, gehöre aber trotzdem nicht dazu. Ich bin ein entlaufener Arzt, der sich hier auf seinem ererbten Schärenhof versteckt hat. Dass ich heilkundig bin, ist natürlich ein Vorteil. Aber ein richtiger Schärengartenbewohner werde ich nie sein.“

Er werkelt beständig an seinem alten Bauernhaus herum, hat gerade das Dach repariert. „In einer Herbstnacht vor fast einem Jahr brannte mein Haus nieder. Es war ein Sonntag.“ Er kann im letzten Moment aus dem Haus fliehen, nur mit dem, was er am Körper trägt. „Tatsächlich hatte sich während einiger nächtlicher Stunden mein Dasein so verändert, dass ich plötzlich alles brauchte. Ich besaß nicht einmal mehr ein zusammenpassendes Paar Gummistiefel.“ Schwedische Gummistiefel ist das erste, was er bestellt. Es müssen schwedische sein, er akzeptiert keine anderen und ist bereit, auch länger darauf zu warten.

„Es gab keine Erklärung. Es schien als hätte sich das Haus selbst angezündet.
Als könnte ein altes Haus vor Erschöpfung und Trübsinn Selbstmord begehen.“

Innerhalb weniger Stunden verändert sich sein komplettes Leben, in das er nur mühsam hineingefunden hatte. In den Trümmern seines Haues findet er einen verkohlten Schuhspanner seines italienischen Schuhmachers. Alles andere ist bis zur Unkenntlichkeit verkohlt.

„Was wirst du jetzt tun?“ wird er gefragt und „antwortete nicht, weil ich keine Antwort hatte.“

Seine Tochter kommt auf die Insel, um ihm beizustehen, ist ihm in ihrer Art aber eher Last als Hilfe, denn wirklich vertraut sind die beiden nicht miteinander, kennen sie sich ja noch nicht wirklich lange und leben jeder sein eigenes Leben.

Polizei und Brandschutzversicherung beginnen mit ihren Ermittlungen und sind sich nach einiger Zeit sicher: Der Brand wurde gelegt. Welin gerät in Verdacht, sein eigenes Haus angezündet zu haben, was er stets und allen gegenüber vehement bestreitet.

Als er dann seiner schwangeren Tochter in Paris zu Hilfe eilt, brennt ein zweites Haus auf den schwedischen Schären. Es liegt nahe, dass es einen Serientäter gibt. Nur wem ist ein solches Verhalten zuzutrauen? Misstrauen breitet sich aus. Man beäugt sich noch stärker als vorher.

Am Ende ist klar, dass Welin sein Haus wieder aufbauen kann. In die Fundamente will er den verkohlten Schuhspanner einbetonieren. Bis es soweit ist, hat er viele Hindernisse zu überwinden, die ihn immer wieder vor die Frage stellen: Lohnt sich das in seinem Alter noch oder ist es dafür nicht schon zu spät? Vor allem für eine Beziehung zu einer erheblich jüngeren Frau?

„Dabei liebte ich nicht sie, sondern hatte ein heftiges Verlangen nach einer Frau, egal welcher, und ich war bereit, was auch immer zu sagen, um sie zu überreden.“ Es wirkt manchmal seltsam unerwachsen, wie er versucht aus seiner Einsamkeit heraus, Kontakt zu dieser Frau aufzunehmen, einer Journalistin, die über den Brand seines Hauses schreiben soll.

Es ist in jeder Hinsicht ein Altersroman, der auf unterhaltsame Art Themen wie Einsamkeit, zunehmende Gebrechlichkeit und die Angst vor Tod und Sterben anspricht und dies am Leben der Schärenbewohner deutlich macht, insgesamt skurrile, meist auf sich allein gestellte Persönlichkeiten.

Wer Mankells stille, unaufgeregte Art zu schreiben mag, der wird diesen Roman sehr gern lesen und ihn unterhaltsam finden.

Henning Mankell, Die schwedischen Stiefel, Roman, a.d.Schwedischen v. Verena Reichel, Paul Zsolny Verlag, Wien 2016, 475 S. ISBN 978-3-552-05795-1