Freitag, 22. März 2019 | Kategorie: Aufgelesen, Zitate | Kommentare (1)

Die wohl schönste Erklärung für NAMASTE stammt von Mahatma Ghandi.
Er schickte sie einst seinem Freund Albert Einstein,
nachdem dieser ihn nach der tieferen Bedeutung des Wortes gefragt hatte:

“Ich verbeuge mich vor dem Ort in Dir,
an dem der ganze Kosmos wohnt.
Ich verbeuge mich vor dem Ort
der Liebe, des Lichtes, des Friedens,
der Wahrheit und der Weisheit in Dir.

Ich verbeuge mich vor dem Ort, wo,
wenn du an diesem Ort bist und
ich an diesem Ort in mir bin,
es nur das Eine von uns gibt.”

NAMASTE!

Donnerstag, 21. März 2019 | Kategorie: Allgemein | Kommentare (2)


Schon, horch, hörst du der ersten Harken
Arbeit; wieder den menschlichen Takt
in der verhaltenen Stille der starken
Vorfrühlingserde. Unabgeschmackt

scheint dir das Kommende. Jenes so oft
dir schon Gekommene scheint dir zu kommen
wieder wie Neues. Immer erhofft,
nahmst du es niemals. Es hat dich genommen.

Selbst die Blätter durchwinterter Eichen
scheinen im Abend ein künftiges Braun.
Manchmal geben sich Lüfte ein Zeichen.

Schwarz sind die Sträucher. Doch Haufen von Dünger
Lagern als satteres Schwarz in den Aun.
Jede Stunde, die hingeht, wird jünger.

(Rainer Maria Rilke)

Mittwoch, 20. März 2019 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (2)


Mutter, ich bin müde, lass in Deinen
Treuen Armen schlummern nun dein Kind,
Doch versprich mir erst nicht mehr zu weinen
Heiss und brennend Deine Tränen sind
Hier ist es kalt, und draussen Stürme wehen,
Doch im Traum ist alles licht und klar,
Engelkinder hab ich dort gesehen,
Immer wenn mein Aug geschlossen war.

Sieh! Da steht schon eins an meiner Seite,
Hör, wie süss es klingelt, Mutter, sieh
Doch die Flügel, weiss und glänzend beyde!
Mutter, gab ihm unser Vater die?
Gold und Blumen mir vor Augen schweben
Gottes Engel streut sie um mich aus.
Sag, bekomm ich Flügel auch im Leben,
Oder erst in seinem Sternenhaus?

Warum drückst Du meine Hand zusammen,
Warum so an meine, Deine Wang?
Sie ist nass und brennt doch wie die Flammen,
Bey Dir bleib ich ja mein Lebelang.
Laszt nur deine Thränen nicht mehr fliessen
Musz auch weinen, wenn Du traurig bist.
O wie müd! – Es will mein Aug sich schliessen
Sieh doch – sieh – wie auch der Engel küszt.

(Hans Christian Andersen)

Dienstag, 19. März 2019 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (2)


Der Tod ist groß,
Wir sind die Seinen
lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen
mitten in uns.

(Rainer Maria Rilke)

Montag, 18. März 2019 | Kategorie: Allgemein, Fotos, Gedichte | Kommentare (6)

Beim Aufgang der Sonne
und bei ihrem Untergang
erinnern wir uns an sie;
Beim Wehen des Windes
und in der Kälte des Winters
erinnern wir uns an sie;
Beim Öffnen der Knospen
und in der Wärme des Sommers
erinnern wir uns an sie;
Beim Rauschen der Blätter
und in der Schönheit des Herbstes
erinnern wir uns an sie;
Zu Beginn des Jahres und wenn es zu Ende geht, erinnern wir uns an sie;
Wenn wir müde sind
und Kraft brauchen,
erinnern wir uns an sie;
Wenn wir verloren sind
und krank in unserem Herzen
erinnern wir uns an sie;
Wenn wir Freude erleben,
die wir so gern teilen würden
erinnern wir uns an sie;
So lange wir leben,
werden sie auch leben,
denn sie sind nun ein Teil von uns,
wenn wir uns an sie erinnern.

(jüdisches Gebetbuch)

Sonntag, 17. März 2019 | Kategorie: Allgemein | Kommentare (2)


Wenn Sie sich an die Natur halten, an das Einfache in ihr, an das Kleine, das kaum einer sieht, und das so unversehens zum Großen und Unermesslichen werden kann; wenn Sie diese Liebe haben zu dem Geringen und ganz schlicht als ein Dienender das Vertrauen dessen zu gewinnen suchen, was arm scheint: dann wird ihnen alles leichter, einheitlicher und irgendwie versöhnender werden, nicht im Verstande vielleicht, der staunend zurück bleibt, aber in ihrem innersten Bewusstsein, Wach-sein und Wissen…

(aus: Rainer Maria Rilke. Briefe an einen jungen Dichter)

Samstag, 16. März 2019 | Kategorie: Denk-Würdiges, Fotos, Zitate | Kommentare (3)

Mit leerer Hand kommst du,
mit leerer Hand gehst du.
Und zwischen Nichts und Nichts
bist du verrückt genug zu glauben,
etwas zu besitzen.

(Osho)

Freitag, 15. März 2019 | Kategorie: Denk-Würdiges, Fotos, Zitate | Kommentare (4)

Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.

(Vaclav Havel)

Donnerstag, 14. März 2019 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (2)


Hast einmal wieder gestürmt?
Wildes, tobendes Element,
Wider Erd und Himmel
Feindlich kämpfend angerennt?
Töricht! Fruchtlos!
Sieh! Die Erde steht unbewegt
Und der Himmel wölbt sich, heiter glänzend,
Lächelnd über sie und dich.
Du aber bist trüb und düster
Und warst doch schön wie sie.


(Franz Grillparzer)

Mittwoch, 13. März 2019 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (3)

„Ich bin einundfünfzig Jahre, Zahnärztin und Nymphomanin.
Meine Geschichte zu erzählen erfordert schonungslose Ehrlichkeit und Offenheit, mein Ich ebenso Studienobjekt wie das dasjenige der gevögelten Männer, und auch der ungevögelten. Nur eine sorgfältige Untersuchung aller Beteiligten wird zur Auflösung führen, sei sie Versöhnung, Trennung oder Tod.“

Die Ich-Erzählerin weist schon auf der ersten Seite daraufhin, was den Leser, den sie immer wieder anspricht, erwartet: schonungslose Offenheit. Ab und zu warnt sie dann auch:

„Die Hypersexualität ist eine im internationalen Klassifikationssystem für Diagnosen verzeichnete Krankheit und betrifft Menschen, die über einen Zeitraum von sechs Monaten wöchentlich mindestens sieben Orgasmen haben, was uneingeschränkt auf mich zutrifft. Wenn ich nicht beischlafe, besorge ich es mir selbst. Sollten Sie die Schilderungen für entbehrlich halten oder sich gar abgestoßen fühlen, lesen Sie weiter auf Seite zweiundvierzig.
Im Anschluss werden Sie der Ehefrau meines künftigen Geliebten begegnen.“

Es ist ein Roman, in dem man die Protagonistin, die auf einer Nordseeinsel lebt, im Winter eine Woche lang begleitet. Auf der einen Seite erfährt man, welch lieblose Ehe sie mit ihrem Mann, einem Psychiater, führt, der kurz nach ihrer Hochzeit – vor immerhin fünfundzwanzig Jahren – aufgehört hat, mir ihr zu schlafen. Er hat nichts gegen ihre sexuellen Eskapaden, im Gegenteil. Er wartet stets auf sie, meist mit einem Glas Rotwein und führt häufig noch eine Art psychiatrisches Gespräch mit ihr.

Auf der anderen Seite erfährt man bis ins kleinste Detail, wie sie sich auf die Männer vorbereitet, mit denen sie schläft, wo immer sich die Gelegenheit ergibt: in ihrer Praxis, im Hotel, im Haus des jeweiligen Geliebten.

Sie betreibt nicht nur extreme Körperhygiene, sondern nimmt auch Drogen, um den körperlichen Strapazen gewachsen zu sein, Medikamente, um eventuelle Ansteckungsgefahren zu minimieren, denn sie schläft ohne Kondom mit den Männern, und Medikamente, die ihre körperlichen Alterserscheinungen – sie spricht vom Verfall – verlangsamen sollen.

Sie ist eine von ihrem Bedürfnis, mit Männern zu schlafen, Getriebene, zudem scheinbar suizidgefährdet. Sie setzt ihren Ruf, ihre sozialen Kontakte, ja selbst ihre berufliche Grundlage aufs Spiel.

Insofern ist es vielleicht ein interessantes Buch über eine liebeskranke Frau. Die vielen Fachtermini machen das Lesen allerdings nicht lustvoller und stehen im krassen Gegenteil zu der sonst ziemlich vulgären Sprache hinsichtlich ihres Sexuallebens. Aber vielleicht ist auch das Teil der Symptomatik.

Zudem fragt man sich immer wieder, weshalb sie sich nicht von ihrem Mann trennt, den sie als solchen offen verachtet. Ihre Antwort ist, sie sei ihm hörig.

Gleichzeitig droht Gefahr von Außen: Ein Eisberg, der durch den Sturm an die Küste getrieben wird, gefährdet das auf einem Strandgrundstück stehende Haus, in dem sie mit ihrem Mann wohnt. Die Funktion dieser „Nebenhandlung“ wird erst am Schluss erkennbar.

Ich habe den Roman nur widerwillig gelesen, fühlte mich verpflichtet durchzuhalten, da ich keine Bücher rezensiere, die ich nicht ganz gelesen habe. Konnte mich immer wieder fragen, worin genau mein Widerstand besteht. Nur das kann ich auch in meinem normalen Alltag. Dazu muss ich „Vor der Flut“ nicht lesen.

Corinna T. Sievers, Vor der Flut, Roman, Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt 2019, 222 S., ISBN 978-3-627-00261-9