Donnerstag, 26. März 2015 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (2)

Und du wartest, erwartest das Eine,
das dein Leben unendlich vermehrt;
das Mächtige, Ungemeine,
das Erwachen der Steine,
Tiefen, dir zugekehrt.
Es dämmern im Bücherständer
die Bände in Gold und Braun;
und du denkst an durchfahrene Länder,
an Bilder, an die Gewänder
wiederverlorener Fraun.

Und da weißt du auf einmal: das war es.
Du erhebst dich, und vor dir steht
eines vergangenen Jahres
Angst und Gestalt und Gebet.

(Rainer Maria Rilke)

Mittwoch, 25. März 2015 | Kategorie: Allgemein, Alltägliches, Aufgelesen | Kommentare (2)

“Dass im Leben gar nichts sicher ist, dachte er, dass der Boden, auf dem man geht, immer rutschig ist, als schüttete jemand unentwegt Seifenwasser aus, dass man ausrutschen kann, fallen, und dann nicht mehr auf die Beine kommt. Und dass man alles verlieren kann, jederzeit, von jetzt auf nachher. Und dass man sich nicht ausruhen kann, sich nicht verlassen, auf nichts und niemanden. Dass man ständig auf der Hut sein muss. Dass jederzeit ein Unglück geschen kann, aber vor allem nachts und im Morgengrauen, wenn es still ist, und danach ist nichts mehr wie zuvor. Und das lässt sich dann nicht rückgängig machen, das ändert sich nie mehr.”

(aus: Petra Hofmann, Nie mehr Frühling, Picus Verlag Wien 2015, S. 204)

Ich wünsche allen, die – warum auch immer – den Boden unter den Füßen verloren haben, Menschen, die ihnen liebevoll zur Seite stehen.

Dienstag, 24. März 2015 | Kategorie: Worte, Zitate | Kommentare (2)

„Wenn jemand viele Belehrungen aufsagt, jedoch
- als unachtsamer Mensch -
nicht nach ihnen handelt,
wie ein Viehhirte, der das Vieh anderer zählt,
nimmt er nicht am kontemplativen Leben teil.“

(Buddha)

Montag, 23. März 2015 | Kategorie: Allgemein, Alltägliches | Kommentare (4)

Wer erleben will,
was er noch nie erlebt hat,
muss tun,
was er noch nie getan hat.

- ganz einfach ;)

Montag, 23. März 2015 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (3)

“Nie mehr Frühling” ist der beeindruckende Erstlingsroman von Petra Hofmann, in dem das Leben der Hermine Stoll erzählt wird, gleichzeitig aber auch die Geschichte ihres Dorfes, beginnend mit der “neuen Zeit” in den 30igern des letzen Jahrhunderts bis in die 90iger Jahre. Dabei stehen überwiegend die Frauen im Focus, was nicht weiter verwunderlich ist, sind doch die meisten Männer zunächst im Krieg.

“Auf dem Küchenboden liegt sie, vor dem Herd, zusammengekrümmt.
Sie regt sich nicht.
Mutter?, sagt Paul.
In den Kleidern liegt sie da, die dünnen Beine in den Gummistiefeln. …
Ihm wir übel. Und doch muss er hinsehen, muss ihre Fratze betrachten, die kurzen grauen Fusseln auf ihrem Schädel, ihre schmale Gestalt in den zerlumpten Kleidern. … Packen möchte er die Mutter jetzt, sie schütteln, wach auf, möchte er schreien, verfluchtes Weibsstück, du elende Kreatur!”

Diese herzzerreißende, gleichzeitig so befremdliche Szene wiederholt sich wörtlich am Ende des Romans wie eine Rahmenhandlung. Denn nach der zitierten Eingangsszene beginnt die chronologische Erzählung von Hermines Leben mit der Schilderung eines Frühlingstages, an dem sie mit ihrer Schwester Lene in einem “Kleid mit Kornblumen” auf eine Maifeier geht:

“Die Dorfstraße liegt im hellen Licht des Frühlings, voll Verheißung ist die Luft…” Hermine trifft sich dort mit Karl, den sie später auch heiratet und ihm in ihrem Ehegelübde verspricht:
“Ja, ich will, … bis in den Tod und darüber hinaus”.

Karl muss später in den Krieg und kommt nicht wieder. Die lebensfrohe, fröhliche und auch sehr eigenwillige Frau, als die sie bis dahin durchs Leben gegangen ist, zerbricht daran, vernachlässigt sich und ihre beiden kleinen Kinder Paul und Dieter. Sie haben fortan kein wirkiches Zuhause mehr, wo es warm, hell ist und eine Suppe auf dem Tisch steht, sie sind auf sich allein gestellt und fühlen sich auch noch für die Mutter verantwortlich, mit verheerenden Folgen für ihre kindlichen Seelen.

Der Leser begleitet diese Menschen und die Menschen des Dorfes durch prägnante Situationen ihres Leben, bis hin zum Tod der Mutter und der sich daran anschließenden Beerdigung, an der nahezu das gesamte Dorf teilnimmt.

“Jeder hat sie mit seinen Augen betrachtet und jeder hat es besser gewusst. Und dabei auch seinen Stab gebrochen über sie, über ihr Leben. Aber das, denkt Paul, steht euch nicht zu, niemandem steht das zu. Ein Leben ist ein Leben, und es gilt. Das ist alles.”

Ein Buch, einfach geschrieben, doch in einer Sprache, die Verstehen ermöglicht, verschiedene Perspektiven darstellt, aber nicht verurteilt. Ein Buch, das vielleicht ein Begreifen der Kriegsgeneration ermöglicht, gleichzeitig aber auch verdeutlicht, wie schwierig bzw. unmöglich Verstehen für die Betroffenen ist, die eher gelernt haben, Gefühle zu schlucken und mit Alkohol zu betäuben als zu reden.

Ein sehr empfehlenswerter, kurzweiliger Roman, dem ich viele LeserInnen wünsche. Und mit Christine Westermann hoffe ich, dass es nicht das letzte Buch der Autorin ist.

Petra Hofmann, Nie mehr Frühling, Picus Verlag Wien 2015, 231 S., ISBN 978-3-7117-2019-1

Sonntag, 22. März 2015 | Kategorie: Allgemein, Fotos | Kommentare (1)

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Prachtvoll bist zu schauen im Ballsaal,
wenn du in dunklem lockig geringelten Haar, weiße Camelie, prangst.
Vornehm bist du und stolz,
und ein jeder, wenn er dich anschaut, muß dich bewundern.

(Hannes Trojan, 1837)

Sonntag, 22. März 2015 | Kategorie: Aufgeschnappt, Denk-Würdiges | Kommentare (0)

Heilen – manchmal
lindern – oft
trösten – immer

französisches Sprichwort aus dem 16.Jahrhundert, welches die zentralen Aufgaben eines Arztes aufzählt. Während des Symposiums der 8. Dattelner Kinderschmerztages wurde diskutiert, ob
töten – selten???
als eine weitere Aufgabe eines Arztes angesehnen werden sollte. Ergebnis: offen.

Samstag, 21. März 2015 | Kategorie: Aufgelesen | Kommentare (2)

Das Kleingedruckte zum Schluss:

“Die Ratschläge in diesem Kalender sind vom Verlag erarbeitet und geprüft worden, dennoch kann keine Garantie übernommen werden. Eine Haftung des Verlages und seiner Beauftagten für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist ausgeschlossen.”

Sollte man vielleicht immer zuerst lesen ;)

Freitag, 20. März 2015 | Kategorie: Allgemein, Zitate | Kommentare (0)

Platon unterscheidet zwei Arten von Bewegung:
das Bewegt-Werden und das Bewegen.

Das erste kann aufhören, wenn der Antrieb fortfällt. Alles, was sich auf diese Weise bewegt, ist sterblich.

Das Bewegende dagegen ist unvergänglich. Der bewegende Anfang ist das sich selbst Bewegende. Dieses aber kann weder untergehen noch erst werden, sonst würde der ganze Himmel und alles Werden zusammenfallen und still stehen und nichts mehr vorhanden sein, woraus Bewegtes werden könnte.

Donnerstag, 19. März 2015 | Kategorie: Aufgelesen, Denk-Würdiges | Kommentare (1)

Die ungelebten Wünsche machen alt,
nicht die erfüllten.

(Sabine Asgodom, Coaching-Impulse 19.3.2015)