James Ellroy, Die schwarze Dahlie

Der mittlerweile verfilmte Krimi “Die schwarze Dahlie” ist ungewöhnlich, nicht nur wegen der brutalen Art und Weise, wie Elizabeth Short, die wegen ihrer schwarzen Kleidung von den Medien die schwarze Dahlie genannt wird, zu Tode gekommen ist. Denn deren Leiche ist anschließend noch in zwei Hälften geteilt und geschändet worden. Es ist auch die Besessenheit der beiden ermittelnden Polizisten Blanchard und Bleichert, die weit über das beruflich Normale hinausgeht. Der Krimi ist aus der Ich-Perspektive des ermittelnden Polizisten Dwight Bleichert geschrieben und beginnt so:

“Lebend bin ich ihr nie begegnet. Sie existiert für mich durch andere, bezeugt ihr Leben mittelbar in den Folgen, in die ihr Tod jene getrieben hat. Mich in die Vergangenheit zurückarbeiten, einzig um Tatsachen bemüht, erstand sie vor mir als ein trauriges kleines Mädchen und eine Hure, bestenfalls als jemand, aus dem etwas hätte werden können – ein Etikett, das möglicherweise auch auf mich zutrifft.”

Um Tatsachen bemüht, begeht er eine ganze Menge nicht gesetzeskonformer Aktionen, die ihn selbst in Schwierigkeiten und Lebensgefahr bringen. Doch er ist zunehmend mehr von der schwarzen Dahlie besessen, dass er sie sogar in den Frauen sucht, mit denen er schläft, obwohl er dies nicht dürfte, da nicht klar ist, inwieweit sie in diesen Fall involviert sind.

Zum Teil ist die Handlung ausschweifend und überbordend, gewinnt aber zunehmend mehr an Fahrt und Spannung, so dass ich dennoch dabeigeblieben bin. Die indirekte Darstellung der USA der vierziger Jahre hat mich nicht sooo interessiert, sondern eher schockiert, wie unglaublich brutal Polizisten bei Verhören mit Verdächtigen umgehen, vor allem, wenn es sich um Schwarze und Mexikaner handelt. Es ist eher Folter als Verhör. Doch auch innerhalb der Polizei geht es nicht immer nach dem Gesetz zu. Und deiner, der dazugehören will, muss erst einmal beweisen, dass und was er für ein Kerl ist.
Die Verfilmung werde ich mir daher auf keinen Fall ansehen!

James Ellroy, Die Schwarze Dahlie, Roman, Mit einem Nachwort des Autors, a.d. Engl. v. Jürgen Behrens, Berlin 3. Aufl. 2007, 483 S., ISBN 978-3-548-26675-6

Datum: 10. Januar 2013
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Ein Kommentar

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    [...] den ihr Kollege bearbeitet hat, dem Mord an Theresa Lofton, der in seiner Brutalität an die Schwarze Dahlie erinnert und ihn seelisch offensichtlich überfordert hat. Der Fall ist für sie erledigt, [...]

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