Andreas Pflüger, Niemals

“Niemals” ist nach “Endgültig” der zweite, wieder äußerst spannende Kriminalroman von Andreas Pflüger mit Jenny Aaron, seit einer Schussverletzung blind, und ihrem Team.

Jenny Aaron hat sich nach ihrer Erblindung zu ihrem Kollegen Pavlik und dessen Frau Sandra – mit beiden ist sie befreundet – nach Schweden zurückgezogen, um für sich zu klären, ob sie weiterhin als Ermittlerin in dem Berliner Spezialkommando arbeiten will.

Da erfährt sie von einer 2 Milliarden Schenkung ihres Erzfeindes Holm. Einfach so. Nein, natürlich nicht einfach so. Denn diese Milliarden hat Holm vorher jemandem “weggenommen” und auf einem Nummernkonto in Marrakesh sichergestellt. Und an diesem Jemand wird und muss sich Jenny Aaron rächen. Da das für sie keine Frage ist, hat sie damit auch die Frage nach ihrer Rückkehr beantwortet.

Mit Jenny Aaron, ihren Partnern Pavlik und Lissek, beide engste Vertrauten im Team, beginnt in Rom eine gnadenlos brutale Ermittlungsjagd, die mit Rückblicken in die nähere und entferntere Vergangenheit, nach Afrika, Frankreich und Deutschland führt, verkompliziert durch das Wissen, dass es in “höherer Etage” möglicherweise einen Maulwurf gibt, den es auszutricksen gilt, um das Leben des Teams nicht zu gefährden. Der Ermittlungsweg ist dennoch “gepflastert” mit unzähligen Leichen, die vielfach äußerst grausam zu Tode kommen.

Bewundernswert klar wird deutlich, auf welche Weise Jenny Aaron als blinde Ermittlerin ihre besonderen Fähigkeiten und Fertigkeiten einsetzt, die ihr ihr Gehör zur Verfügung stellt, und wie sehr sie gleichzeitig auf die Hilfe und Unterstützung Sehender angewiesen ist. Aaron und Pavlik ergänzen sich als Kollegen perfekt und sind gleichzeitig auch stets als Freunde füreinander da. Nur dass das manchmal ein wenig schwierig ist, da beide – in privater Hinsicht – nicht so gern die Hilfe anderer annehmen.

Im Gegensatz zu “Endgültig” bekommt der Leser mehr von den Gedanken und Befindlichkeiten Aarons und Pavliks mit. Und mit Pavlik und Sandra macht man sich als Leser Gedanken darüber, ob Aaron die Chance, ihr Augenlicht – wenigstens teilweise – wiederzugbekommen, nutzen wird. Denn dazu muss sie den Angaben des Arztes zufolge ihren stressbedingten Adrenalinspiegel herunterfahren, der für eine Genesung unabdingbar ist. Während ihrer Ermittlungen absolut unmöglich, da sie nur mit höchstem Adrenalinspiegel den Ermittlungen gewachsen ist.

Klar in Sprache und inhaltlicher Darstellung ist die Handlung, schon wegen der Zeit-und Ortswechsel eine Herausforderung. Man muss als Leser schon “dranbleiben”, um den Anschluss und Überblick nicht zu verlieren. Das allerdings fällt wegen der Spannung nicht wirklich schwer. Für Krimifans mit nicht allzu schwachen Nerven auf jeden Fall empfehlenswert. Die Lektüre des ersten Bandes ist sicherlich sinnvoll, auf keinen Fall aber notwendige Voraussetzung zum Verständnis von “Niemals”.

Der Anhang macht deutlich, welchen Rechercheaufwand Andreas Pflüger auch bei diesem Band betrieben hat, um die Geschichte um Jenny Aaron als blinde Ermittlerin so zu erzählen, dass ihre Handlungsweise als glaubwürdig und möglich durchgehen kann, auch wenn die Anklänge an den Superhelden James Bond als männliches Pendant nicht zu übersehen sind.

Andreas Pflüger, Niemals, Thriller, Suhrkamp-Verlag 2017, 473 S., ISBN 978-3-518-42756-9

Datum: 2. November 2017
Themengebiet: Buch-Rezensionen, Rezensionen Trackback: Trackback-URL
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