Robert Hunger-Bühler, Die Blume im Mund

Robert Hunger-Bühler, Die Blume im Mund

Nutzlos

nutzlos lieg ich da
in der Mittagssonne nutzlos
wie dieses Haiku

Darüber dass alles eine Bedeutung haben müsse, sinniert der Autor am Schluss dieses Bandes.
„Das Belanglose, Nichtige, Törichte lernten wir nicht. In dieser überlauten Welt wimmelnder Bedeutungsjunkies, … wünsche ich mir oft, die Sprache möge verstummen, austrocknen.“

Und fügt dann noch eine Art „Gebrauchsanweisung“ bei:
„Das Haiku möchte zweimal gesprochen werden, und in der Wiederholung wie ein Echo verklingen und verschwinden.“

So angeleitet geht’s dann ans Lesen bzw. Sprechen. Die Haikus sind nicht thematisch geordnet. Die drei Kapitel sind den Jahren 2020-2021, 2022-2023 und 2024-2025 zugeordnet. Ein Titelverzeichnis oder eins der Gedichtanfänge gibt es nicht. Denn einige Haikus haben Titel, andere wiederum nicht. Die Haikus betreffen alle möglichen Lebensbereiche von der

Kindheit
geh die Wege der
Kindheit und finde wieder
den alten Zauber

über das Jetzt

Immer ist Jetzt doch
dieses Haiku schreibe ich
jetzt noch zu Ende

Sie sind unpolitisch

Bierdosen spielen
ein melancholisches Lied
auf nassem Asphalt

oder greifen auch Themen wie den Antisemitismus oder das der Revolution auf und manche sind einfach nur poetisch:

müdes Mondlicht liest
im Buch das vor mir liegt die
letzten Worte weg

Jedes Haiku hat viel Platz auf der weißen Seite: eine Seite, ein Haiku, links- bzw. rechtsbündig gedruckt. Farbe hat’s nur auf dem Titelbild, ein rotes Blatt, das an sinnliche Frauenlippen erinnert. Für mich eine ruhige, vor allem ästhetische Gestaltung.
Einen Band, den man immer mal wieder zur Hand nehmen kann.
Vielleicht ein Haiku zur Nacht, laut gelesen oder auch vorgelesen?

Robert Hunger-Bühler, Die Blume im Mund, Haikus, Secession Verlag, Berlin 2026, 213 S., ISBN 978-3-96639-141-2

2 Gedanken zu „Robert Hunger-Bühler, Die Blume im Mund

  1. Schön ist das in den Beispielen und der Beschreibung.
    Ja, Haiku (es gibt ja beide Mehrzahlformen) bieten oft mehr als den reinen Text.
    Und man kann sie wunderbar als Anregungen im Denken und Fühlen sehen.
    Einen lieben Gruss, Brigitte

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