Dana Grigorcea, Die Dame mit dem maghrebinischen Hündchen

Nach ihrem Roman “Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit” hat nun der Dörlemann Verlag in gewohnt handlichem Format Dana Grigorceas Novelle, “Die Dame mit dem maghrebinischen Hündchen” herausgegeben.

Titelbild und Covertext geben die ersten Hinweise auf den Inhalt dieser Novelle. Anna, Ballerina in Zürich, verheiratet mit einem viel beschäftigen Arzt, geht mit ihrem maghrebinischen Hündchen im Zürcher Frühling spazieren und lernt dabei den Gärtner Gürkan kennen, der versucht, ihren Hund mit einem Keks anzulocken.

Die gemeinsam verbrachten Stunden erinnern an ein “Sommermärchen”. Annas Wahrnehmung scheint intensiver zu werden: “In allem sah sie Zuwendung und Güte.” Zunehmend mokiert sie sich über ihre Künstlerbekanntschaften: “Wie überdrüssig ihr plötzlich diese Begeisterung vorkam, dieses mechanische Vortäuschen von Leben und Frische. Was für eine Zeitverschwendung mit diesen Freunden, die sich Künstler nannten!”
Auch ihren Mann, der die Wände seiner Praxis ausschließlich mit Plakaten ihrer Ballettaufführungen dekoriert hat, betrachtet sie mit kritischer Distanz: “Anna fiel auf, dass er immerzu nickte und einverstanden war mit ihr. Er war wie ein Spiegelbild ihrer selbst, ein verzögertes, das sich in der Verzögerung über sie mokierte.”

Gürkan dagegen scheint ihr etwas Echtes, Ursprüngliches zu verkörpern, an dem sie durch den Kontakt mit ihm teilhaben kann. Dass er verheiratet und Vater einiger Kinder ist, scheint ihr kaum bedenkenswert.
“Anna lächelte nun den ganzen Tag von früh bis spät. Wenn sie ein einen Spiegel blickte oder in ein Schaufenster, wandte sie schnell den Blick ab.
Dass sie so glücklich war, kam ihr bald merkwürdig vor, es beunruhigte sie. Dieses Glück war wohl nur ein Trug, einer vor dem jähen Ende.”

Grükans Satz “Ich möchte mit dir leben Anna.” bleibt unbeantwortet.

Diese in kurzer Zeit zu lesende Novelle lässt momentane Glücksmomente aufblitzen, vermittelt eine Ahnung von dem, was Glück sein könnte, ein Hauch von Leichtigkeit und Lebendigkeit stellt sich ein – für kurze – fragwürdige – Momente.

Dana Gricorcea, Die Dame mit dem maghrebinischen Hündchen, Dörlemann Verlag, Zürich 2018, 125 S., ISBN 978-3-03620-055-0

Datum: 31. Januar 2018
Themengebiet: Buch-Rezensionen, Rezensionen Trackback: Trackback-URL
Feed zum Beitrag: RSS 2.0

Ein Kommentar

  1. Sonja | Sonntag, 4. Februar 2018 17:50
    1

    Wieder eine so schöne Inniglichbesprechung!
    Mit dankendem Gruß
    Sonja

Kommentar abgeben