Hinaus an den Strand

Hinaus an den Strand will ich gehen,
Wenn keiner wacht
Das wilde Meer zu sehen
Und die heilige Nacht.
Und wieder faßt mich das alte Weh –
Am Strand tanzt ein Boot.
Das lockt mich hinaus in die tosende See,
Fort, fort für immer von Haß und Not,
In die See, in die Nacht, in das Glück, in den Tod.
Ich löse das Tau
Und die Freiheit lacht
Hinter Nebel und Grau.
Und ich fahre jubelnd hinaus in die Nacht,
Das Elend fliehend zu Tod und Glück.
Einmal nur blick ich zurück.
Da winkt am Land Eine Freundeshand –
Und wie ich das seh,
Da hab ich vergessen all Haß und Not.
Es faßt mich wieder das alte Weh.
Ich wende das Boot Zurück zum Land
Und küsse die treue Freundeshand.
(Joachim Ringelnatz)
4 Gedanken zu „Hinaus an den Strand“
Das ist ein für Ringelnatz, wie ich ihn kenne, ungewöhnliches Gedicht. Hat – in seiner formalen und inhaltlichen „Erhabenheit“ – was von Schiller, finde ich. :)))
Tolles Foto!
Liebe Grüße, Andrea
Ja, auch ich war ein wenig erstaunt, dass Ringelnatz Autor dieses Poems ist. Macht ja „nur“ die Bandbreite seines dichterischen Gestaltens sichtbar.
Liebe Grüße
Einfach wunderbar, dieses Poem von Ringelnatz (ja, er konnte auch ganz nachdenklich sein) zur erhabenen Landschaft am Meer.
Ich bin begeistert.
Einen lieben Sonntagsgruss,
Brigitte
Ich lese es eher als ein Poem über die Wichtigkeit und Bedeutung von Freundschaft in düsteren Zeiten.
Aber so sind gute Gedichte eben, sie lassen so einige Deutungsaspekte zu.
Hab einen freundlichen Sonntag.