Julia Schoch, Das Liebespaar des Jahrhunderts

„Im Grunde ist es ganz einfach: Ich verlasse dich.
Drei Wörter, die jeder Mensch begreift. Es genügen drei Wörter, und alles ist getan. Man muss sie bloß aussprechen. Ich bin erstaunt, dass es so einfach ist. Und noch etwas erstaunt mich. Der Satz ist genauso kurz wie der, den ich am Anfang unserer Geschichte gesagt habe.
Am Anfang habe ich zu dir gesagt: Ich liebe dich.
Drei Wörter am Anfang, drei Wörter am Ende. Wie es aussieht, lässt sich das Wichtigste im Leben mit sehr wenigen Wörtern sagen.“
Und das ist jetzt dreißig Jahre her, dazwischen liegt die Geschichte dieses Liebespaares, von einer Ich-Erzählerin erzählt, die sich und ihren Partner – die beiden haben nicht geheiratet – zunächst als das Liebespaar des Jahrhunderts begreift.
Es gibt auch eine Kurzfassung dieser Beziehung:
Sie lernten sich kennen.
Sie liebten sich wie verrückt.
Sie liebten sich.
Ihre Liebe verwandelte sich.
Sie bleiben aneinander gewöhnt.
Sie kannten sich nicht mehr.
Und dann?
Die Ich-Erzählerin zieht Parallelen zwischen der Entwicklung ihrer persönlichen Liebesgeschichte mit der Welt da draußen bzw. der Geschichte des Westens, in der es offensichtlich keine weitreichenden und tragenden Ziele mehr gibt, wie zu Beginn des Mauerfalls:
„Auch dessen Zukunft ist mit den Jahren immer stärker in einem Nebel verschwunden. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit ist die Aussicht nur noch ein Szenario verschiedener Katastrophen. Das Erstrebenswerte scheint auschließlich in der Vergangenheit zu liegen.“
Was kann da noch tragfähig sein? Vor allem, wenn inzwischen auch die beiden gemeinsamen Kinder aus dem Haus sind. Findet dieses „Und dann?“ eine Antwort, die sinnstiftend ist?
Es ist ein leicht zu lesender, unaufgeregter, dennoch tiefgründiger Roman über eine Liebe, ihr Scheitern oder besser ihr Verschwinden in den Alltäglichkeiten des Zusammenlebens, in dem es wohl immer seine Zeit dauert, bis sich die Frage stellt, ob es tatsächlich noch ein Zusammenleben ist oder eher ein mehr oder weniger unverbundenes Nebeneinander.
„Ich muss mich aufraffen, über uns zu schreiben, … Erst wenn es festgehalten ist, existieren wir, das heißt:alles. Die Liebe und deren Verwandlung, die Leidenschaft, die Erstarrung und der Jubel, unsere Einsamkeit und unsere Zugewandtheit.
Also ungefähr das, nehme ich an, was man ein erfülltes Leben nennt.“
Es ist ein Buch, in dem sich sicher viele wiedererkennen, wie in einem Spiegel des eigenen Beziehungsalltages.
Julia Schoch, Das Liebespaar des Jahrhunderts, Biografie einer Frau, München 2023, 191 S., ISBN 978-3-423-28333-5