Mein Engel

Mein Engel

(Installation in der Autobahnkirche Baden)


Ich ließ meinen Engel lange nicht los,
und er verarmte mir in den Armen
und wurde klein, und ich wurde groß:
und auf einmal war ich das Erbarmen,
und er eine zitternde Bitte bloß.

Da hab ich ihm seine Himmel gegeben, –
und er ließ mir das Nahe, daraus er entschwand;
er lernte das Schweben, ich lernte das Leben,
und wir haben langsam einander erkannt…

Seit mich mein Engel nicht mehr bewacht,
kann er frei seine Flügel entfalten
und die Stille der Sterne durchspalten, –
denn er muss meiner einsamen Nacht
nicht mehr die ängstlichen Hände halten –
seit mich mein Engel nicht mehr bewacht.

(Rainer Maria Rilke)

4 Gedanken zu „Mein Engel

  1. hier (und heute) spricht mich das bild mehr an als das gedicht. und auch dass es eine „autobahnkirche“ gibt, finde ich bemerkenswert. gibt es da auch messen? für die lastwagenfahrer? das bild gefällt mir sehr.

    liebe grüße, andrea

    1. Es gibt noch drei weitere dieser Installationen. Sie sind Teil der Ausstellung „Engelwärts – Segen für Paare an der Autobahnkirche“ – offen wohl auch für gleichgeschechtliche Paare, der Regenbogenfahne vor der Kirche und entsprechend farbiger Sitzkissen nach zu urteilen.
      Ich war echt beeindruckt, auch von den Erklärungen und Gedichten in dem dort ausliegenden Begleitheft.
      Herzliche Grüße

  2. Das Poem von Rilke ist eines der schönsten Engelgedichte, die ich kenne.
    Man kann sich seinem Reiz einfach nicht entziehen.
    Und auch die bildende Kunst dazu in der Autobahnkirche fasziniert mich.
    Lieben Gruss, Brigitte

  3. Leben lernen – bis zum Schluss, um lebendig zu bleiben. Manchmal ganz schön heruasfordernd. Doch – für mich – lohnt es sich.
    Herzliche Morgengrüße, aus dem noch kühlen, allerdings auch grauen Speckhorn.

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