Napoleon

Das Fieber warst du einer bösen Zeit;
Vielleicht bestimmt des Uebels Grund zu heben.
So flammtest du durchs aufgeregte Leben!
Doch, wie des Krankenlagers Aengstlichkeit,
Dem Fieber pflegt der Krankheit Schuld zu geben,
Schienst du allein der Feind nur aller Ruh‘,
Und trugst die Schuld, die früher war als du!
…
– Denn seit du fort, fließt nun nicht mehr das Blut,
In dem vor dir schon alle Felder rannen?
Ward Lohn den gegen dich vereinten Mannen?
Ist heilig das von dir bedrohte Gut?
Die Tyrannei entfernt mit dem Tyrannen?
Ist auf der freien Erde, seit du fort,
Nun wieder frei: Gedanke, Meinung, Wort? –
Dich lieben kann ich nicht! – Dein schweres Amt
War: eine Geißel Gottes sein hienieden.
Das Schwert hast du gebracht und nicht den Frieden, –
Genug hat dich die Welt darum verdammt!
Doch jetzt sei Urtheil vom Gefühl geschieden,
Das Leben liebt und haßt; der Todten Ruhm
Ist der Geschichte heil’ges Eigenthum.
…
Geh‘ hin, und Ruhe sei mit deinem Tod,
Ob du die Ruhe gleich der Welt gebrochen!
Hat doch ein Größerer bereits gesprochen:
„Von Höherm lebt der Mensch als nur vom Brod!“
Das Große hast am Nied’ren du gerochen,
Und sühnend steh‘ auf deinem Leichenstein:
Er ward zu groß, weil seine Zeit zu klein!
(Franz Grillparzer)