Arme Welt
Ja, so sind die meisten Menschen. Die Unglücksfälle schreiben sie sich ins Gedächtnis und memorisieren sie fleißig; aber das Glück, das viele Glück, beachten sie nicht… arme, arme Welt. (Paula Modersohn-Becker)
Ja, so sind die meisten Menschen. Die Unglücksfälle schreiben sie sich ins Gedächtnis und memorisieren sie fleißig; aber das Glück, das viele Glück, beachten sie nicht… arme, arme Welt. (Paula Modersohn-Becker)
„Mein Schreibtisch ist der einzige Ort, an dem ich mein Alter, meine Schmerzen, die Angst vergesse, obwohl ich darüber schreibe. Ich schreibe darüber, um nicht sang- und klanglos zu sterben.“ „Die späten Tage“ ist ein autobiografischer Text der Autorin, die als Kind russischer Zwangsarbeiter in Deutschland geboren wurde. Er erzählt z.T. in Rückblenden, vorwegnehmenden Gedanken über die Zukunft von ihrem (schriftstellerischen) Leben, ihrem Alltag mit ihrer späten Liebe zu Friedrich: „Mehrmals in der Nacht kommt Friedrich zu mir ins Zimmer…
Eine runzelige Alte,schleicht die Abenddämmerung,gebückten Gangesdurchs Gefildund sammelt und sammeltdas letzte Lichtin ihre Schürze. Vom Wiesenrain,von den Hüttendächern,von den Stämmen des Walds,nimmt sie es fort.Und dannhumpelt sie mühsamden Berg hinaufund sammelt und sammeltdie letzte Sonnein ihre Schürze. Droben umschlingt ihrmit Halsen und Küssenihr Töchterchen Nachtden Nackenund greift begierigins ängstlich verschlosseneSchurztuch. Als es sein Händchenwieder herauszieht,ist es schneeweiß,als wär es mit Mehlrings überpudert. Und die Kleine,längst gewitzt,tupft mit demniedlichen Zeigefingerden ganzen Himmel vollund jauchzt laut aufin kindlicher Freude.Ganz unten abermacht sie…
Fühlst Du durch die Winternacht Durch der kalten Sternlein Zittern Durch der Eiskristalle Pracht Wie sie flimmern und zersplittern, Fühlst nicht nahen laue Mahnung, Keimen leise Frühlingsahnung? Drunten schläft der Frühlingsmorgen Quillt in gährenden Gewalten Und, ob heute noch verborgen, Sprengt er rings das Eis in Spalten: Und in wirbelnd lauem Wehen Braust er denen, die’s verstehen. Hörst Du aus der Worte Hall, Wie sie kühn und trotzig klettern Und mit jugendlichem Prall Klirrend eine Welt zerschmettern: Hörst Du nicht…
Der Sturm sprach einst: „Ich kenne die Welt; denn ich zerpflücke sie.“ Da sprach der Reif: „Ich kenne die Welt; denn ich erdrücke sie.“ Die Sonne lacht: „Ich kenne sie besser; denn ich beglücke sie.“ (Carmen Sylvia)
„Damals war er der Liebhaber von Claire gewesen. Ich weiß nicht, ob sie mit der Absicht, ihren Liebhaber an meine Mutter weiterzugeben, an jenem Winterabend gekommen war. Ich habe vergessen, meine Mutter danach zu fragen, und jetzt ist es zu spät.“ Die Ich-Erzählerin dieses kurzen Romans erzählt durchgehend lapidar, aber nicht simpel – die Un-Tiefen des Erzählten immer erahnbar – von den diversen Liebhabern ihrer Mutter, einer Kriegswitwe. Der Mann, Vater der Erzählerin, ist im Zweiten Weltkrieg gefallen, sie hat…
Dort, sieh, am Horizont lüpft sich der Vorhang schon!Es träumt der Tag, nun sei die Nacht entflohn; (Eduard Mörike, zwei Zeilen aus dem Gedicht „An einem Wintermorgen, vor Sonnenaufgang“)
Nun hat der Berg sein Schneekleid angetan,Und Schnee liegt lastend auf den TannenbäumenUnd deckt die Felder zu, ein weißer Plan,Darunter still die jungen Saaten träumen. Fried‘ in der Weite! Nicht ein Laut erklingt —Ein Zweig nur bebt und stäubt Kristalle nieder,Gestreift vom Vogel, der empor sich schwingt —Und still ist alles rings und reglos wieder. In Winters Banden liegt der See und ruht,Die Wellen schlafen, die einst lockend riefen.Nicht spielen mehr die Winde mit der Flut,Kaum regt sich Leben noch…
Sich zurückziehen, kann verschieden erlebt werden: Einmal als freiwilliger Rückzug und Gelegenheit, zu sich zu kommen, zu bilanzieren, was war, wie, wohin es weitergehen kann, soll. Es ist eine Form der Besinnung, ein Rückzug in die (äußere) Stille, die dann die oft vorherrschende innere Unruhe umso spürbarer werden lässt. Die innere Lautstärke kann in einem Ausmaß dröhnen, wie sie im normalen Alltag kaum oder nur schwer zu erkennen ist, es sei denn man meditiert regelmäßig. Was in mir will da…
Jener ist hohl und will voll werden,Dieser ist überfüllt und will sich ausleeren,-Beide treibt es, sich ein Individuum zu suchen, das ihnen dazu dient.Und diesen Vorgang, im höchsten Sinne verstanden,nennt man beidemal mit Einem Worte: Liebe,– wie? die Liebe sollte etwas Unegoistisches sein? (Friedrich Nietzsche)