Weltenkenner
Der Sturm sprach einst: „Ich kenne die Welt; denn ich zerpflücke sie.“ Da sprach der Reif: „Ich kenne die Welt; denn ich erdrücke sie.“ Die Sonne lacht: „Ich kenne sie besser; denn ich beglücke sie.“ (Carmen Sylvia)
Der Sturm sprach einst: „Ich kenne die Welt; denn ich zerpflücke sie.“ Da sprach der Reif: „Ich kenne die Welt; denn ich erdrücke sie.“ Die Sonne lacht: „Ich kenne sie besser; denn ich beglücke sie.“ (Carmen Sylvia)
„Damals war er der Liebhaber von Claire gewesen. Ich weiß nicht, ob sie mit der Absicht, ihren Liebhaber an meine Mutter weiterzugeben, an jenem Winterabend gekommen war. Ich habe vergessen, meine Mutter danach zu fragen, und jetzt ist es zu spät.“ Die Ich-Erzählerin dieses kurzen Romans erzählt durchgehend lapidar, aber nicht simpel – die Un-Tiefen des Erzählten immer erahnbar – von den diversen Liebhabern ihrer Mutter, einer Kriegswitwe. Der Mann, Vater der Erzählerin, ist im Zweiten Weltkrieg gefallen, sie hat…
Dort, sieh, am Horizont lüpft sich der Vorhang schon!Es träumt der Tag, nun sei die Nacht entflohn; (Eduard Mörike, zwei Zeilen aus dem Gedicht „An einem Wintermorgen, vor Sonnenaufgang“)
Nun hat der Berg sein Schneekleid angetan,Und Schnee liegt lastend auf den TannenbäumenUnd deckt die Felder zu, ein weißer Plan,Darunter still die jungen Saaten träumen. Fried‘ in der Weite! Nicht ein Laut erklingt —Ein Zweig nur bebt und stäubt Kristalle nieder,Gestreift vom Vogel, der empor sich schwingt —Und still ist alles rings und reglos wieder. In Winters Banden liegt der See und ruht,Die Wellen schlafen, die einst lockend riefen.Nicht spielen mehr die Winde mit der Flut,Kaum regt sich Leben noch…
Sich zurückziehen, kann verschieden erlebt werden: Einmal als freiwilliger Rückzug und Gelegenheit, zu sich zu kommen, zu bilanzieren, was war, wie, wohin es weitergehen kann, soll. Es ist eine Form der Besinnung, ein Rückzug in die (äußere) Stille, die dann die oft vorherrschende innere Unruhe umso spürbarer werden lässt. Die innere Lautstärke kann in einem Ausmaß dröhnen, wie sie im normalen Alltag kaum oder nur schwer zu erkennen ist, es sei denn man meditiert regelmäßig. Was in mir will da…
Jener ist hohl und will voll werden,Dieser ist überfüllt und will sich ausleeren,-Beide treibt es, sich ein Individuum zu suchen, das ihnen dazu dient.Und diesen Vorgang, im höchsten Sinne verstanden,nennt man beidemal mit Einem Worte: Liebe,– wie? die Liebe sollte etwas Unegoistisches sein? (Friedrich Nietzsche)
Das Atelier ist heiß.Draußen, drunten die andere WeltKlopft ihre Teppiche, schreit und bellt.Der Maler, der das wußte, er weißEs jetzt nicht mehr. Die Zeit steht still.Der Pinsel zecht, läuft, zecht, läuft schnellUnd weiter, als er darf und will.Reglos im Stuhle das schöne ModellTräumt von sich selber, von Amaryll. (Joachim Ringelnatz)
Ich sehe den Bäumen die Stürme an,die aus laugewordenen Tagenan meine ängstlichen Fenster schlagen,und höre die Fernen Dinge sagen,die ich nicht ohne Freund ertragen,nicht ohne Schwester lieben kann. Da geht der Sturm, ein Umgestalter,geht durch den Wald und durch die Zeit,und alles ist wie ohne Alter:die Landschaft, wie ein Vers im Psalter,ist Ernst und Wucht und Ewigkeit. Wie ist das klein, womit wir ringen,was mit uns ringt, wie ist das groß;ließen wir, ähnlicher den Dingen,uns so vom großen Sturm bezwingen,…
Schwarzes Eisen, kalt und spröde, Schelten möchte ich dich nicht, Weil es dir an Lebenswärme Und an Biegsamkeit gebricht. Bist du doch in Feuersgluthen Zischend einst emporgewallt, Eh‘ du unter Hammerschlägen Mußtest werden starr und kalt. Und, so sollt auch ihr nicht schelten, Wenn ihr seht ein kaltes Herz, Sollt ihm heißes Mitleid zollen, Weil es gleicht dem todten Erz. Wißt ihr denn, ob es nicht glühend, Zischend einst emporgewallt, Bis es unter Schicksalsschlägen Ward wie Eisen starr und kalt?…
Mit einem Feuer fühlt der Mensch sich niemals allein. Die Flamme kann Gesellschaft leisten – darin steckt der Urzusammenhang zwischen Flamme und Seele. (Oswald Spengler)