Durchsuchen nach
Kategorie: Gedichte

Winterstille

Winterstille

Nun hat der Berg sein Schneekleid angetan,Und Schnee liegt lastend auf den TannenbäumenUnd deckt die Felder zu, ein weißer Plan,Darunter still die jungen Saaten träumen. Fried‘ in der Weite! Nicht ein Laut erklingt —Ein Zweig nur bebt und stäubt Kristalle nieder,Gestreift vom Vogel, der empor sich schwingt —Und still ist alles rings und reglos wieder. In Winters Banden liegt der See und ruht,Die Wellen schlafen, die einst lockend riefen.Nicht spielen mehr die Winde mit der Flut,Kaum regt sich Leben noch…

Weiterlesen Weiterlesen

Amaryllis

Amaryllis

Das Atelier ist heiß.Draußen, drunten die andere WeltKlopft ihre Teppiche, schreit und bellt.Der Maler, der das wußte, er weißEs jetzt nicht mehr. Die Zeit steht still.Der Pinsel zecht, läuft, zecht, läuft schnellUnd weiter, als er darf und will.Reglos im Stuhle das schöne ModellTräumt von sich selber, von Amaryll. (Joachim Ringelnatz)

Der Schauende

Der Schauende

Ich sehe den Bäumen die Stürme an,die aus laugewordenen Tagenan meine ängstlichen Fenster schlagen,und höre die Fernen Dinge sagen,die ich nicht ohne Freund ertragen,nicht ohne Schwester lieben kann. Da geht der Sturm, ein Umgestalter,geht durch den Wald und durch die Zeit,und alles ist wie ohne Alter:die Landschaft, wie ein Vers im Psalter,ist Ernst und Wucht und Ewigkeit. Wie ist das klein, womit wir ringen,was mit uns ringt, wie ist das groß;ließen wir, ähnlicher den Dingen,uns so vom großen Sturm bezwingen,…

Weiterlesen Weiterlesen

Kaltes Herz

Kaltes Herz

Schwarzes Eisen, kalt und spröde, Schelten möchte ich dich nicht, Weil es dir an Lebenswärme Und an Biegsamkeit gebricht. Bist du doch in Feuersgluthen Zischend einst emporgewallt, Eh‘ du unter Hammerschlägen Mußtest werden starr und kalt. Und, so sollt auch ihr nicht schelten, Wenn ihr seht ein kaltes Herz, Sollt ihm heißes Mitleid zollen, Weil es gleicht dem todten Erz. Wißt ihr denn, ob es nicht glühend, Zischend einst emporgewallt, Bis es unter Schicksalsschlägen Ward wie Eisen starr und kalt?…

Weiterlesen Weiterlesen

Pfützen

Pfützen

Pfützen spiegeln das Himmelslicht.Sie haben ein helles Gesicht. Meide ihre Mulden!Tritt nicht in Lachen.Wenn sie dich dreckig machen,Ist’s dein Verschulden. Pfützen sind Schicksal für manches Getier,Sind aber für Kinder Seligkeiten.Häufig werden sich zwei oder vierMenschen um Pfützen streiten. (Ringelnatz)

Heinzelmännchen

Heinzelmännchen

(Ein seltenes Bild hinterm Haus) Wie war zu Köln es doch vordemMit Heinzelmännchen so bequem!Denn, war man faul … man legte sichhin auf die Bank und pflegte sich:Da kamen bei Nacht,ehe man’s gedacht,die Männlein und schwärmtenund klappten und lärmten,und rupftenund zupften,und hüpften und trabtenund putzten und schabten…Und eh ein Faulpelz noch erwacht,…War all sein Tagewerk… bereits gemacht! … O weh! nun sind sie alle fort,und keines ist mehr hier am Ort!Man kann nicht mehr wie sonsten ruhn,man muss nun alles…

Weiterlesen Weiterlesen

Heute Morgen

Heute Morgen

Wann war ein Mensch je so wach Wie der Morgen von heut? Nicht nur Blume und Bach, Auch das Dach ist erfreut. Selbst sein alternder Rand, von den Himmeln erhellt, – wird fühlend: ist Land, ist Antwort, ist Welt. Alles atmet und dankt. O ihr Nöte der Nacht, wie ihr spurlos versankt. Aus Scharen von Licht War ihr Dunkel gemacht, Das sich rein widerspricht. (Rainer Maria Rilke)

Schnee

Schnee

Schnee, zärtliches Grüßender Engel,schwebe, sinke –breit alles in Schweigenund Vergessenheit!Gibt es noch Böses,wo Schnee liegt?Verhüllt, verfernt er nichtalles zu Nahe und Hartemit seiner beschwichtigendenWeichheit, und dämpft selbstdie Schritte des Lautestenin Leise?Schnee, zärtliches Grüßender Engel,den Menschen, den Tieren! –Weißeste Feierder Abgeschiedenheit. (Franziska Stoecklin)

Vergeßner Sonnenschein

Vergeßner Sonnenschein

Die Nacht holt heimlich durch des Vorhangs Faltenaus Deinem Haar vergeßnen Sonnenschein.Schau, ich will nichts, als Deine Hände haltenund still und gut und voller Frieden sein. Da wächst die Seele mir, bis sie in Scherbenden Alltag sprengt; sie wird so wunderweit:an ihren morgenroten Molen sterbendie ersten Wellen der Unendlichkeit. (Rainer Maria Rilke)