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Kategorie: Gedichte

Einsamkeit

Einsamkeit

Einsamkeit Einsamkeit, ernsthafte Frau, Tratest einst still in mein Zimmer, Ach, und ich wollte dich nimmer, Grüßte dich finster und rauh. Nicktest nur milde dazu, Ließest dich doch nicht verjagen, Mußte dich eben ertragen, Sangest mich heimlich zur Ruh. Sieh, und nun weiß ich genau: Wolltest du heut von mir scheiden, Würde ich tief darunter leiden, Einsamkeit, ernsthafte Frau. (Anna Ritter)

Eine neue Welt

Eine neue Welt

Auch wenn vielerorts die Welt in Trümmern liegt, geht die Natur ihren vorgegebenen Weg, wo und wie es ihr möglich ist. Ob sie uns da Vorbild sein kann? Das zum Blühen bringen, was in unserer Wirkmacht steht? Ja es umgibt uns eine neue Welt! Der Schatten dieser immergrünen Bäume Wird schon erfreulich. Schon erquickt uns wieder Das Rauschen dieser Brunnen, schwankend wiegen Im Morgenwinde sich die jungen Zweige. Die Blumen von den Beeten schauen uns Mit ihren Kinderaugen freundlich an….

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Abenddämmerung

Abenddämmerung

Am blassen MeeresstrandeSaß ich gedankenbekümmert und einsam.Die Sonne neigte sich tiefer, und warfGlührote Streifen auf das Wasser,Und die weißen, weiten Wellen,Von der Flut gedrängt,Schäumten und rauschten näher und näher – Ein seltsam Geräusch, ein Flüstern und Pfeifen,Ein Lachen und Murmeln, Seufzen und Sausen,Dazwischen ein wiegenliedheimliches Singen – Mir war, als hört ich verschollne Sagen,Uralte, liebliche Märchen,Die ich einst, als Knabe,Von Nachbarskindern vernahm,Wenn wir am Sommerabend,Auf den Treppensteinen der Haustür,Zum stillen Erzählen niederkauerten,Mit kleinen horchenden HerzenUnd neugierklugen Augen; – Während die…

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Weiße Wolken

Weiße Wolken

Weiße Wolken gehn im Blauen;als, ein Kind, im Gras ich lag,liebt‘ ich’s ihnen nachzuschauen,träumte einen schönen Tag. Weiße Wolken wandern immer,und ich freu, ein alter Mann,mich an ihrem lichten Schimmer,denk an meine Jugend dann. Weiße Wolken werden wandern,wenn ich lange nicht mehr bin;träumt ein Hügel unter andern,und sie ziehen oben hin. (Gustav Falke)

Muscheln, Muscheln

Muscheln, Muscheln

Muscheln, Muscheln, blank und bunt, findet man als Kind. Muscheln, Muscheln, schlank und rund, darin rauscht der Wind. Darin singt das große Meer in Museen sieht man sie glimmern, auch in alten Hafenkneipen und in Kinderzimmern. Muscheln, Muscheln, rund und schlank, horch, was singt der Wind: Muscheln, Muscheln, bunt und blank, fand man einst als Kind! (Wolfgang Borchert)

Rosenmontag

Rosenmontag

Am Rosenmontag liegen zwei,die kalten Hände noch verschlungen –das Leben strömte rauh vorbei,die beiden haben′s nicht bezwungen. Als überwunden grüssen sieden Sieger, dem das Glück begegnet –im Tod verbunden, segnen sieall jene, die das Leben segnet. (Otto Erich Hartleben)

Lampe und Spiegel

Lampe und Spiegel

„Sie faule, verbummelte Schlampe!“sagte der Spiegel zur Lampe.„Sie altes, schmieriges Scherbenstück!“gab die Lampe dem Spiegel zurück.Der Spiegel in seiner Erbitterungbekam einen ganz gewaltigen Sprung.Der zornigen Lampe verging die Puste:Sie fauchte, rauchte, schwelte und ruste.Das Stubenmädchen ließ beide in Ruheund doch – man schob ihr die Schuld in die Schuhe. (Joachim Ringelnatz) (Gut, dass kein Spiegel in ihrer Nähe ist!)

Eine gelbe Zitrone

Eine gelbe Zitrone

Es war eine gelbe Zitrone Die lag unter einer Kanone,Und deshalb bildete sie sich ein,Eine Kanonenkugel zu sein.Der Kanonier im ersten Glied,Der merkte aber den Unterschied.– – – – – – – – – – – – – – – – – –Bemerkt sei noch zu diesem Lied,Ein Unterschied ist kein Oberschied. (Joachim Ringelnatz)

Verheißung

Verheißung

Fühlst Du durch die Winternacht Durch der kalten Sternlein Zittern Durch der Eiskristalle Pracht Wie sie flimmern und zersplittern, Fühlst nicht nahen laue Mahnung, Keimen leise Frühlingsahnung? Drunten schläft der Frühlingsmorgen Quillt in gährenden Gewalten Und, ob heute noch verborgen, Sprengt er rings das Eis in Spalten: Und in wirbelnd lauem Wehen Braust er denen, die’s verstehen. Hörst Du aus der Worte Hall, Wie sie kühn und trotzig klettern Und mit jugendlichem Prall Klirrend eine Welt zerschmettern: Hörst Du nicht…

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