Großes Morgenrot

Großes Morgenrot

Du bist die Zukunft, großes Morgenrotüber den Ebenen der Ewigkeit.Du bist der Hahnschrei nach der Nacht der Zeit,der Tau, die Morgenmette und die Maid,der fremde Mann, die Mutter und der Tod. Du bist die sich verwandelnde Gestalt,die immer einsam aus dem Schicksal ragt,die unbejubelt bleibt und unbeklagtund unbeschrieben wie ein wilder Wald. Du bist der Dinge tiefer Inbegriff,der seines Wesens letztes Wort verschweigtund sich den Andern immer anders zeigt:dem Schiff als Küste und dem Land als Schiff. (Rainer Maria Rilke)

Joseph Roth, Beichte eines Mörders, erzählt in einer Nacht

Joseph Roth, Beichte eines Mörders, erzählt in einer Nacht

Die „Beichte eines Mörders, erzählt in einer Nacht“ – ursprünglich 1936 erschienen – ist in einer besonders schönen Ausgabe mit Illustrationen von Klaus Waschk bei Faber und Faber verlegt worden. In der Rahmenhandlung tritt ein Ich-Erzähler auf, der in Paris gegenüber des überwiegend von Russen frequentierten Restaurants „Tari-Bari“ wohnt. Dort geht er des öfteren essen, da „im russischen Restaurant … Zeit keine Rolle spielte. Eine blecherne Uhr hing an der Wand. Manchmal stand sie, manchmal ging sie falsch; sie schien…

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Tierischer Besuch

Tierischer Besuch

Dieser Fasan hat mich gestern aus dem Mittagsschlaf geklopft. Zunächst unsichtbar hörte ich etwas kräftig an die Scheibe klopfen. Und dann sah ich ihn. Vielleicht war die frisch geputzte Fensterscheibe ein Spiegel. Etwas benommen stolzierte er dann von dannen.

Kluge Sterne

Kluge Sterne

Die Sterne sind klug, sie halten mit FugVon unserer Erde sich ferne;Am Himmelszelt, als Lichter der Welt,Stehn ewig sicher die Sterne. (Heinrich Heine, 3. Strophe des Gedichts „Kluge Sterne“)

Auf der Post

Auf der Post

Als ich an der Reihe bin, werde ich gefragt: Was soll denn mit dem Päckchen passieren? Ja was wohl? Weshalb gehe ich mit einem Päckchen zur Post? Es war dann wegen des Formats doch ein Paket. Das Gewicht zählte nicht.

Herbsthauch

Herbsthauch

Lässt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,Bis er ihn völlig gelichtet.Alles, o Herz, ist ein Wind und ein Hauch,Was wir geliebt und gedichtet. (Friedrich Rückert, Herbsthauch, 3. Strophe)

Alain Claude Sulzer, Unhaltbare Zustände

Alain Claude Sulzer, Unhaltbare Zustände

„Unhaltbare Zustände“ des Schweizer Schriftstellers Alain Claude Sulzer ist ein von feiner Sprachmelodie getragener Roman über Robert Stettler, einen in die Jahre gekommenen, unverheirateten Schaufensterdekorateur, der seit Jahrzehnten die großen Schaufenster des bekannten Kaufhauses „Quatre Saisons“ mit Akribie und Sorgfalt gestaltet. Stettler ist ein Mann, dem nichts fehlt: „Er empfand keinen Mangel, kein Bedauern, sondern Zufriedenheit über die Gleichförmigkeit der dahinschwindenden Tage, Nächte, Wochen Monate und Jahre. Keine Sehnsucht zerriss ihn je, kein Veränderungsdrang, kein Veränderungszwang schwemmte unangebrachte Gefühle an…

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