Rainer Moritz, Mein Vater, die Dinge und der Tod

Rainer Moritz, Mein Vater, die Dinge und der Tod

Rainer Moritz, Leiter des Literaturhauses Hamburg, erinnert sich anhand von Gegenständen, die er mit seinem Vater in Verbindung bringt, nach dessen Tod an das Leben mit ihm als Vater. Den Ausführungen, die er seiner Mutter gewidmet hat, stellt er folgendes Zitat von Gerhard Meier voran: „So hat man über die Dinge immer auch Kontakt mit dem Dahingegangenen.“ Moritz beginnt seine Erinnerungen mit dem Anruf seiner Mutter: „Rainer, Vati ist gestorben … Hat meine Mutter das so gesagt? Vermutlich, ein Ausdruck…

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Erling Kagge, Gehen. Weiter gehen

Erling Kagge, Gehen. Weiter gehen

In „Stille“ stand eher die Suche nach Stille im Lauten im Vordergrund als das Gehen selbst. In dem gerade erschienenen Band bietet Kagge dem Leser eine sehr persönlich gehaltene, mit vielen eigenen Erfahrungen und Erlebnissen gespickte „Anleitung“ zum Gehen an. Seine Ausführungen beginnen mit seiner Großmutter: „Eines Tages konnte meine Großmutter nicht mehr gehen. An diesem Tag starb sie. Physisch lebte sie noch eine Weile, doch die neuen Knie, die man ihr anstelle der alten eingesetzt hatte, waren abgenutzt und…

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Shozo Kajima, Motomenai – Ohne Verlangen

Shozo Kajima, Motomenai – Ohne Verlangen

Es ist nur ein kleines Büchlein. Zunächst ein wenig irritierend, denn die Einführung steht hinten im Buch und ist so zu lesen, dass man nicht – wie gewohnt – von rechts nach links umblättern kann, sondern von links nach rechts. Der Buchhändler hat mir versichert, das habe seine Richtigkeit, in Japan würden Bücher so gedruckt. Ok, also anders herum, nach einiger Zeit haben meine Synapsen mitgemacht. Dennoch ein ungewohntes Gefühl. Auf fast allen Seiten steht oft nur ein Satz, der…

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Karen Duve, Fräulein Nettes kurzer Sommer

Karen Duve, Fräulein Nettes kurzer Sommer

Der Titel ist eher irreführend, zumindest für mich. Ich bin mit der Erwartung an den Roman herangegangen, etwas über „Nettes kurzen Sommer“ zu erfahren, in dem sie als Person im Mittelpunkt steht. Der Roman umfasst allerdings einen Zeitraum von 1817-1821, immerhin vier Jahre, also nicht nur einen Sommer. Der Roman beginnt mit Anmerkungen der Autorin über ihre Quellen und ihren Umgang damit und weist den Leser einerseits auf die historische Bezogenheit des Romans hin und andererseits auf die Notwendigkeit und…

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Volker Kutscher, Marlow

Volker Kutscher, Marlow

Juhu! Der 7. Rath-Roman ist da. Spannend und interessant wie auch seine Vorgänger, gut geeignet für trübe Novemberabende oder -wochenenden. Mittlerweile ist Hitler an der Macht. Die politischen Veränderungen und die damit verbundenen Konsequenzen sind auch für Gereon Rath seine Frau Charly und den Pflegesohn Fritz spürbar. Gereon hat es zunächst mit einem scheinbar einfachen Verkehrsunfall zu tun und ist äußerst missmutig, überhaupt zu diesem Fall herangezogen worden zu sein, weil unter seinem Niveau als Oberkommissar, der er inzwischen geworden…

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Märtha Louise, Elisabeth Nordeng, Hochsensibel geboren

Märtha Louise, Elisabeth Nordeng, Hochsensibel geboren

Prinzessin Märtha Louise und ihre Freundin und Geschäftspartnerin Elisabeth Nordeng wollen – in Zusammenarbeit mit Kristin M. Hauge – mit diesem Buch zeigen, dass und wie Empfindsamkeit stark machen kann Es ist ein sehr persönlich gehaltenes Buch. Märtha und Elisabeth erzählen im Wechsel von ihrer Kindheit und Jugend, ihrem Erwachsenen- und Arbeitsleben und gehen in weiteren Kapiteln auf ihre besondere Nähe zu Tier und Natur, auf die Besonderheiten und Schwierigkeiten in ihren Beziehungen ein, um dann in eine Art Dialog…

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Sigismund Krzyzanowski, Münchhausens Rückkehr

Sigismund Krzyzanowski, Münchhausens Rückkehr

Nur Narren war es früher gestattet, die Wahrheit am Hofe auszusprechen. Sie hatten die sprichwörtliche „Narrenfreiheit“. Vielleicht gehört auch die Figur des Adligen Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen dazu, bekannt als „Lügenbaron“. In diesem Roman lässt der russische Schriftsteller Krzyzanowski Münchhausen in den zwanziger Jahren des letzen Jahrhunderts nach Berlin zurückkehren. Sinnigerweise entsteigt diese schillernde Figur seinem eigenen Roman, in den er später dann, nach seinen Reisen, die ihn nach London und nach Russland führen, zurückkehrt. selbstverständlich nachdem er…

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Susanne Nadolny (Hg.) Oh Boy! Von der Liebe zu jüngeren Männern

Susanne Nadolny (Hg.) Oh Boy! Von der Liebe zu jüngeren Männern

Das Cover dieses neu erschienenen Bandes täuscht ein wenig. Mann wie Frau scheinen alterslos, also gleichaltrig. Der tatsächliche Altersunterschied zwischen den Frauen und ihren jüngeren Freunden, Geliebten, von denen in den Texten die Rede ist, ist teilweise aber erheblich. Einige könnten Söhne der jeweiligen Frauen sein. Dennoch verstehe ich nicht, weshalb der Begriff „Boys“ benutzt wird, genauso wenig wie die immer weiter um sich greifende Bezeichnung „Mädels“ auch für erwachsene Frauen. Ich sehe in diesen „Verniedlichungen“ einfach keinen Sinn Trotz…

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Brigitte Ebersbach/ Unda Hörner, Der literarische Frauenkalender 2019

Brigitte Ebersbach/ Unda Hörner, Der literarische Frauenkalender 2019

Das wird ein Jahr der Frauen (in meiner Küche, wo der Kalender hängen wird), wie der Untertitel des Kalenders ankündigt. Jede Woche wird eine andere Frau, werden Frauengruppen vorgestellt, die im Jahr 1919 etwas Besonderes „auf die Beine“ gestellt haben, wie Marie Curie, die in Paris ihr Radium-Institut eröffnet hat. Mit ihr beginnt dieses besondere Jahr, denn in Deutschland dürfen Frauen am 19.1.1919 zum ersten Mal wählen, vier Tage nachdem Rosa Luxemburg, die für uneingeschränkte Freiheit und Demokratie eingesetzt hat,…

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Ein Sonntag im Herbst

Ein Sonntag im Herbst

Frühstück in der Sonne warmer Wind auf meiner Haut auf den abgeernteten Feldern leichte Staubwolken vor sich hertreibend Stille, ab und an Glockengeläut Vogelgezwitscher das Brummen einer Wespe sanftes Blätterrascheln gleichmäßiges Geräusch vorbeifahrender Autos Lesevergnügen klares Wasser … Ein Gefühl von Glück und Zufriedenheit – es ist alles da.