Manfred Lütz, Irre! Wir behandeln die Falschen

Manfred Lütz, Irre! Wir behandeln die Falschen

Der Mann ist mit seinem Buch in aller Munde, z.B. letzte Woche bei „Hallo Ü-Wagen“. Der lange Titel ist bereits Programm: „Irre! Wir behandeln die Falschen Unser Problem sind die Normalen Eine heitere Seelenkunde“ Es wendet sich an interessierte Laien und ist ein gut lesbarer Überblick über die Spezifika der häufigsten psychischen Krankheiten, wobei Lütz Perspektive auf der jeweiligen Außergewöhnlichkeit der Patienten in ihrer Krankheit liegt.  Immer wieder geht der Autor auf die Frage ein, was noch „normal“, was außergewöhnlich, bzw. schon als krank zu bezeichnen ist, und auf die Frage: Wer zieht die Grenze? Die Grenze zwischen außergewöhnlich und krank ist für ihn dann erreicht, wenn der Patient unter seiner „Außergewöhnlichkeit“ leidet und /oder für sich und seine Umwelt zur Gefahr wird. Lütz fordert, bei der Behandlung den Focus auf die Fähigkeiten und Fertigkeiten der Patienten zu achten, sie ihnen bewusst zu machen, weil diese es sind, mit denen der Patient Lösungen finden kann.
Ich habe beim Lesen oft geschmunzelt oder lauthals gelacht, da sowohl sein Blickwinkel als auch seine Formulierungen außergewöhnlich sind. Das Buch ist ein Plädoyer gegen die „Diktatur der Normalen“ für eine humane Gesellschaft, die das Ver-rückte und die Ver-rückten nicht bloß ausstößt, wie die Totalitarismen des 20. Jahrhunderts, sondern von ihnen lernen kann, Konventionen zu sprengen und der Gesellschaft ein menschliches Gesicht zu geben.

Manfred Lütz, Irre! Wir behandeln die Falschen, Unser Problem sind die Normalen, Eine heitere Seelenkunde, mit einem Vorwort von Eckart von Hirschhausen, Gütersloh, 11. Aufl. 2009, 189 S. ISBN978-3-579-06879-4

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