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Kategorie: Rezensionen

Jehuda Bacon, Manfred Lütz, „Solange wir leben müssen wir uns entscheiden.“

Jehuda Bacon, Manfred Lütz, „Solange wir leben müssen wir uns entscheiden.“

Wie geht Leben in und nach Auschwitz? Dieser Frage gehen Jehuda Bacon und Manfred Lütz in einem Gespräch nach, das die beiden in Israel geführt haben, wo Bacon seit 1946 als Künstler lebt. Er hat zunächst an der Bezalel-Akademie studiert und dort später als Professor Grafik gelehrt. Wie schafft man es, in der Hölle von Auschwitz nicht zu zerbrechen, zwei Todesmärsche zu überleben und anschließend ein weitgehend zufriedenes, künstlerisch kreatives Leben zu führen und nicht zu versteinern, zu verbittern? Für…

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André Heller, Das Buch vom Süden

André Heller, Das Buch vom Süden

„Das Buch vom Süden“ ist ein Entwicklungsroman der besonderen Art – inhaltlich und sprachlich. Es hat ein wenig gedauert, bis ich mich in das Buch eingelesen habe, vielleicht waren mir anfangs die Ausführungen und Beobachtungen des jungen Julian Passauers ein wenig zu detailliert, um mich zu faszinieren. Doch dann hat mich sein Werdegang neugierig gemacht: Julian desertiert schon bei der Musterung. Was ein ihm bekannter Graf so kommentiert: „Schon bei der Musterung, das ist überdurchschnittlich früh.“ Vor allem aber ist…

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Abbas Maroufi, Fereydun hatte drei Söhne

Abbas Maroufi, Fereydun hatte drei Söhne

„Das Leben hatte für mich keine Bedeutung mehr. Weder konnte ich mich an etwas erfreuen noch bekümmerte mich etwas. Die einzige Frage, die ständig in meinem Gehirn aufleuchtete und wieder verlosch, war jene nach meinem Schicksal. Würde Mama sich noch einmal vor Assad aufrichten, um mich hinter ihren ausgebreiteten Armen zu verbergen? Besaß sie noch die Kraft und Größe jener Tage, als sie dich exekutierten? Weshalb kommen wir, so weit wir auch fahren, nicht an?“ Der Ich-Erzähler, der seinem Schicksal…

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Adrian Stokar, Einstürzende Gewissheiten

Adrian Stokar, Einstürzende Gewissheiten

In diesem Roman – wie immer im leserfreundlichen Format mit Lesebändchen – geht es um einen Autounfall, der bereits am 11.Oktober 1975 passiert ist. Der Industrielle Paul Burkhart hat am Steuer gesessen und den Unfall verursacht, bei dem sein Beifahrer tödlich verunglückt ist. Denn er war – im Gegensatz zum Fahrer – nicht angeschnallt. Seitdem ist Burkhart nie wieder Auto gefahren. Zum 75. Geburtstag des Industriellen soll der Journalist von ihm ein Portrait verfassen und versucht, sich durch Interviews mit…

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Helle Helle, Wenn du magst

Helle Helle, Wenn du magst

„Ich will es kurz machen, ich weiß nicht wohin mit mir.“ Ende Oktober – die Nächte sind schon kalt – verirrt sich Roar, der bei einer Tagung auf dem Lande die Gelegenheit ergreift, das erste Mal in seinem Leben joggen zu gehen. Mit schmerzender Blase – seine Joggingschuhe haben verschiedene Größen, was er vorher nicht bemerkt hat – verirrt er sich im Wald und trifft auf eine Joggerin, die ebenfalls den Weg zurück nicht mehr findet. „Ich dachte, ich würde…

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Mark Schaevers, Orgelmann

Mark Schaevers, Orgelmann

„Orgelmann“ ist eine Heranführung an ein Malerleben, an das von Felix Nussbaum, jüdischer Maler, in Auschwitz ums Leben gekommen und in der Öffentlichkeit lange unbekannt. Libeskind konnte für die Werke Felix Nussbaums, die mit zahlreichen Abbildungen in diesem Band zu sehen und zu betrachten sind, in Osnabrück ein Museum bauen. Doch bis dahin war es ein weiter und mühsamer Weg, den Nussbaums Werke haben nehmen müssen, die teilweise in Kellern, auf Dachböden den Krieg überlebt haben, Vermächtnis eines Malers, der…

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Lars Gustafsson, Doktor Wassers Rezept

Lars Gustafsson, Doktor Wassers Rezept

„Etwas in meinem Leben hat – ohne meinen Willen oder gegen meinen Willen – systematisch darauf hingearbeitet, mich immer einsamer zu machen. Ich habe keine Verwandtschaft mehr. Auch keine richtigen Freunde. Nur diese kurzen sexuellen Kontakte, die mir über den Weg laufen, fast ohne dass ich darum gebeten habe.“ Und dennoch bezeichnet sich Doktor Kurth W. Wasser,der gerade achtzig geworden ist, als Gewinner. Es bleibt unklar, ob er damit sein gesamtes Leben meint oder nur die Tatsache, dass er häufig…

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Hans-Ulrich Treichel, Tagesanbruch

Hans-Ulrich Treichel, Tagesanbruch

Es ist eine kurze Erzählung, leise, sehr einfühlsam und berührend. Eine Mutter sitzt auf dem Bett ihres Sohnes, den sie auf ihren Schoß gebettet hat. Er ist gerade gestorben. Noch ist es mitten in der Nacht. Bis zur Morgendämmerung will sie mit der Benachrichtigung des Arztes warten, der dann die notwendigen Schritte einleiten soll. „Wenn der Tag begann, begannen die Sorgen.“ Ein Satz, der sich wie ein Motiv durch die Erzählung zieht. Doch jetzt genießt sie noch die Zweisamkeit mit…

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Louise de Vilmorin, Der Brief im Taxi

Louise de Vilmorin, Der Brief im Taxi

„Herz bedeutet Drama.“ Dramatisch klingender Romanauftakt einer amüsanten Geschichte um einen im Taxi liegengelassenen, geheimnisvollen Brief, der auf keinen Fall in falsche Hände geraten darf. Cécile Dalfort hat ihn geschrieben und auf der Fahrt mit dem Taxi zum Bahnhof, zu dem sie die Geliebte des Bruders begleitet, ist ihr der Brief unbemerkt aus der Tasche gerutscht. Cécile ist eine begabte, lustige, schöne, belesene und vor allem ziemlich unkonventionelle Frau, die oft kein Blatt vor den Mund nimmt. Sie liebt ihre…

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André Heller, Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein

André Heller, Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein

„Zuerst starb der Papst.“ So beginnt André Hellers Erzählung mit autobiografischen Zügen. Mitteilenswert für ein Kind? Ja, wenn es in Attweg, einem von Jesuiten geleiteten Internat, aufwachsen muss, dann schon. Bereits die ersten Zeilen machen deutlich, welch eigen-sinnigen Blick der Ich-Erzähler auf die Geschehnisse um ihn herum hat: „Einige Mitschüler waren klug genug zu weinen. Sie erhielten nach der Trauerveranstaltung von der Schwester Immaculata als Anerkennung ein Stollwerck-Bonbon.“ Er merkt daher auch sehr schnell, dass Geschehnisse, Anweisungen etc. nicht unbedingt…

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