Haruki Murakami, 1Q84

Endlich als TBausgabe zu haben! Ein über 1000 Seiten langer Roman über eine ver-rückte Welt, in der sich manchmal sowohl die Protagonisten, Aomame und Tengo, als auch der Leser fragen, ob sie oder die Welt verrückt sind. Eine Welt, in der es zwei Monde gibt, Little People und eine Puppe aus Luft, zunächst nur in einem Roman beschrieben, später dann aber auch als Realität sichtbar. Allerdings nicht für alle. Alles klar?

Worum es in dem Roman geht, ist kaum erzählbar, welchem Genre der Roman angehört ebenfalls nicht. In 24 Kapiteln lernt der Leser im Wechsel das sonderbare Leben von Aomame und Tengo kennen, die nichts voneinander wissen, allerdings in der Grundschule eine nachhaltige Begegnung gehabt haben, als Aomame Tengo an die Hand nimmt und diese festhält. Kurz darauf verlieren sie sich aus den Augen, fühlen sich allerdings beide auf unbestimmte Art aneinander gebunden, zunächst eher unbewusst, im Verlauf der Handlung zunehmend bewusster und sehnsüchtiger.

Aomame ist Single, lebt sehr zurückgezogen und verdient ihren Lebensunterhalt als Trainerin in einem Fitnessstudio. Ab und an arbeitet sie als Auftragskillerin und bringt Männer um, die ihre Frauen misshandeln.

Tengo ist Mathematiklehrer und arbeitet daneben als Auftragsschriftsteller, meist unter einem Synonym, aber mit Ambitionen, „richtiger“ Schriftsteller zu werden. Er bekommt von einem Redakteur die Aufgabe, das Manuskript einer 17 Jährigen zu überarbeiten, da die Story gut sei, die Ausführungen aber oft kaum verständlich. Von diversen Skrupeln belastet, übernimmt Tengo die Aufgabe, wohl wissend, dass es sich um Betrug handelt. Der Roman erhält einen Preis und verkauft sich sehr, sehr gut.

Doch irgendwann beginnt der Roman Teil der Wirklichkeit von Aomame und Tengo zu werden, zunächst nach wie vor unabhängig voneinander. Zum Schluss des zweiten Romans, sieht und erkennt Aomame Tengo auf einem Spielplatz vor ihrem Haus.  Als sie unten ankommt, ist er weg. Und auch Tengo „sieht“ Aomame, ohne Kontakt mit ihr aufnehmen zu können. Ich gehe mal davon aus, dass dies im 3. Teil des Romans der Fall sein wird.

Murakami erzählt stilistisch einfach und klar, kompositorisch raffiniert mit diversen literarischen und musikalischen Anspielungen, inhaltlich verwirrend durch das Ineinanderfließen zweier Realitäten. Es kommt zu Längen und Wiederholungen, da gleiche Ereignisse aus verschiedenen Blickwinkeln dargestellt werden, die sich natürlich in Nuancen unterscheiden. Man braucht schon einen langen Atem und Spaß an der Darstellung von Differenzen, sonst wäre der Roman lang-weilig. Im März, wenn der dritte Band als TB erscheint, geht’s für mich auf jeden Fall weiter.

Haruki Murakami, 1Q84, a.d. Japanischen von Ursula Gräfe, München 2012

Datum: 26. Oktober 2012
Themengebiet: Buch-Rezensionen, Rezensionen Trackback: Trackback-URL
Feed zum Beitrag: RSS 2.0

2 Kommentare

  1. 1

    […] 3 ist der dritte und letzte Teil von 1Q 84, einer modernen, verrückten Variante von Romeo und Julia. Verrückt, weil die […]

  2. 2

    […] weniger alle. Diesen eher mehr. Die Handlung ist nicht so verschachtelt wie dies in seinem letzten Roman IQ 84 der Fall war, der mich hinsichtlich der vielen Namen an eine Grenze gebracht […]

Kommentar abgeben