Allerheiligen

Allerheiligen – ein Tag, der mit vielen verschiedenen Erinnerungen verbunden ist:
Als Kind die Spaziergänge mit den Eltern zu den Gräbern der Großeltern, die Feierlichkeit, aber auch das Geheimnisvolle der vielen Lichter auf den Gräbern, die Bemerkungen über den Zustand verschiedener Gräber, vor allem über die nicht beleuchteten …
Später dann die eher „erzwungenen“, weil die Mutter – kurz nach dem Tod meines Vaters – mir gegenüber behauptete, sie könne nicht so ganz allein zum Grab des Vaters gehen. Bei ihr angekommen, waren dann alle Geschwister und ein Enkel da.
Ich mag diese festgelegten Gedenktage nicht wirklich, vor allem, wenn sie mit Gedenkformen verbunden sind, die mir nicht entsprechen. Ich brauche für mich keine sichtbare Grabstelle, um „meiner“ Toten zu gedenken. Ein mit mir bekannter Steinmetz (!) behauptete mir gegenüber einmal, der Mensch brauche das. Ok, ist ja gut für sein Gewerbe, wenn dem so ist.
Seine Grabstellengestaltung haben mir im Übrigen sehr gefallen. Dennoch habe und werde ich sie nicht in Anspruch nehmen.
In diesem Jahr gedenke ich einmal auf eine andere Art und Weise:
Ich backe für meine Liebsten Christstollen, die ja bekanntlich gut durchziehen müssen, damit sie aromatisch werden und schmecken. Es ist ein altes Rezept meiner ehemaligen Schwiegermutter, das auf sehr verschlungene Weise bei mir gelandet ist.
Sie hat es wiederum von ihrer Mutter übernommen. so jedenfalls die Legende.
Um diesen „berühmt berüchtigten“ Stollen ranken sich diverse Erinnerungen: Dass man ihn in der Familie des Vaters meiner Söhne auf eine bestimmte Art und erst ab einem bestimmten Zeitpunkt essen durfte – habe ich erst gemerkt, als ich gegen diese mir unbekannten Regeln verstoßen habe, indem ich den Stollen mit ein wenig Butter bestrichen habe.
Aus meiner eigenen Familie kenne ich die Stollen-Tradition nicht. Bei uns wurden Plätzchen gebacken.
Mein späterer Mann backte zwar keinen Stollen, dafür kam regelmäßig im November ein Riesenpaket bei uns an mit echten Dresdener Stollen, die er dann in der Adventszeit großzügig verteilte.
Damals hatte ich das Rezept noch nicht, und auch die Zeit nicht, sie zu backen.
Heute ist das Backen für mich eine stille Möglichkeit, der Menschen zu gedenken, die mich auf meinem Weg begleitet haben und auch heute noch begleiten. Sonst bräuchte ich ja keine mehr zu backen ;)
Und natürlich brennt auch eine Kerze für diejenigen, die nicht mehr leben ;)
2 Gedanken zu „Allerheiligen“
das ist aber eine schöne und ganz besonders persönliche weise, diesen tag zu gestalten. und mit einem seeeehr verführerischem ergebnis!
liebe grüße von einer, die auch keine grabstätte braucht, um an einen verstorbenen zu denken, andrea
Ich erlebe es ebenfalls, dass ich keine Gedenkorte aufsuche. Voriges Jahr, nach Jahren, war ich wieder einmal am Grab meiner Großeltern, als dies nach einem Ausflug in die Gegend passte. War keiner außer uns anwesend, das war schön.
Erinnerungen an meine Großeltern, auch so sinnliche wie über Bäckereien, sind für mich die schönsten. Ganz stark werden Erinnerungen von Weihnachten hervorgerufen, wegen der Düfte und Bräuche.
Herzliche Grüße & einen guten Abend, C Stern