Zum Gedenken

Zum Gedenken

ICH habe Tote, und ich ließ sie hin
und war erstaunt, sie so getrost zu sehn,
so rasch zu Haus im Totsein, so gerecht,
so anders als ihr Ruf. Nur du, du kehrst
zurück; du streifst mich, du gehst um, du willst
an etwas stoßen, daß es klingt von dir
und dich verrät. O nimm mir nicht, was ich
langsam erlern. Ich habe recht; du irrst,
wenn du gerührt zu irgendeinem Ding
ein Heimweh hast. Wir wandeln dieses um;
es ist nicht hier, wir spiegeln es herein
aus unserm Sein, sobald wir es erkennen.

(Rainer Maria Rilke, Requiem)

Ja, manche Beziehungen bleiben über den Tod hinaus auf besondere Art und Weise lebendig.
Sie sollten uns nur nicht daran hindern, ins eigene leibhaftige Leben zu kommen und vorwärtszuschreiten, da Rückwärtsgewandtheit, das Festhalten an dem, was war, die aktive, kreative Gestaltung der eigenen Zukunft sinnlos werden lässt.
Und: Das ist sicher nicht im Sinne derjenigen, die vor uns gegangen sind, zumindest nicht, wenn es liebende Wesen gewesen sind.

4 Gedanken zu „Zum Gedenken

  1. Deine Gefühle kann ich bis zu einem bestimmten Grad nachvollziehen. Aber jeder Abschied ist so persönlich und einzigartig und kann deshalb für Aussenstehende nur eine leise Ahnung sein.
    Das Rilkegedicht macht das auch deutlich.
    Ich lasse gute Wünsche und liebe Grüsse hier,
    Brigitte

  2. Da stimme ich dir völlig zu.
    Jeder Abschied ist einzigartig und hinterlässt andere Wirkungen, bewirkt Unterschiedliches.
    Darin genau würdigt man den zu Verabschiedenden (es müssen ja auch nicht immer Verstorbene sein) ja auch in seiner Individualität und gleichzeitig in der Bedeutung für das eigene Leben.
    Herzlichen Dank für deine guten Wünsche ;)

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