Die Sonnenblume

Die Sonnenblume

O Rosen, die mit Ruhme
Ihr prangt in Duft und Licht,
Ich bin die Sonnenblume,
Und ich beneid‘ euch nicht.

Des Falters flatternd Kosen,
Die Lieder im Gesträuch,
Der Menschen Lob, ihr Rosen,
Wie gerne gönn‘ ich’s euch!

Mir schafft es volle G’nüge,
Vom Himmelstau getränkt
In meines Liebsten Züge
Zu schauen still versenkt.

Zum Sonnenjüngling richte
Das Haupt ich früh und spät
Und nähre mich vom Lichte,
Das sein Gelock umweht.

Mein Auge bleibt dem Hohen
Auch dann noch zugekehrt,
Wenn er mit heil’gen Lohen
Zuletzt mich selbst verzehrt.

O sprecht, wie ließ‘ erwerben
Sich köstlicher Geschick,
Als so dahinzusterben
Sanft an des Lieblings Blick!

Drum blüht in eurem Ruhme,
Ihr Rosen wonniglich!
Ich bin die Sonnenblume,
Und selig bin auch ich.

(Emanuel Geibel)

2 Gedanken zu „Die Sonnenblume

  1. Oh ja, auch die Sonnenblumen haben ihre Schönheit und ihre Daseinsberechtigung.
    Toll, diese beiden „Sonnenanbeterinnen“!
    Lieben Morgengruss,
    Brigitte

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