Jacqueline Kornmüller, Das Haus verlassen

Jacqueline Kornmüller, Das Haus verlassen

Schon die Hinweise, wie es zu diesem Buch gekommen ist, ist interessant. Autorin und Illustratorin verbindet ihre Begeisterung für den Schriftsteller Haruki Murakami. Jacqueline Kornmüller ist Regisseurin in Wien und hat zu Kat Menschik Kontakt aufgenommen, da sie Murakamis „Die unheimliche Bibliothek“ inszenieren und Bilder Kat Menschiks verwenden wollte.

Bei der Premiere lernen sich die beiden Frauen dann kennen und es beginnt eine „Zusammenarbeit, die scheinbar mühelos oder eher unterbewusst die Arbeit der anderen aufgreift und zu etwas Eigenständigem macht, ohne die Verbindung zu verlieren“.

Kat Menschik ist von der Geschichte Jacqueline Kornmüllers sofort eingenommen und bereit, sie zu illustrieren:
„Was ich gezeichnet habe, ist nicht ihr Haus, worüber sie geschrieben hat, ist nicht mein Haus. Aber Text und Bilder greifen ineinander. Unsere Ideen und Gedanken verweben sich. Manchmal bleiben wir rätselhaft.“ Besser kann man eigentlich nicht beschreiben, was als weiteres Exemplar in der Reihe der Lieblingsbücher im Verlag Galiani erschienen ist.

Die Ich-Erzählerin beschließt nach Jahren, sich von ihrem Haus zu trennen, um wieder frei zu sein für Neues:
„Die Idee, das Haus zu verlassen, entstand unmerklich. Zunächst waren es nur leise Stimmen, die in die Nacht gesagt, unbeantwortet blieben. Tag um Tag wurden die Stimmen lauter. Verkauf das Haus, sagten sie. Warum war nicht die Frage.“
Auf die Anzeige hin melden sich verschiedene Interessenten, denen das als Person auftretende Haus vorgestellt und mit der Ich-Erzählerin gemeinsam begutachtet werden, z.B. wie sie durchs Haus gehen, welche Fragen, Einwände, Vorlieben und Abneigungen sie haben. Und auch das Haus hat ein „Wörtchen“ mitzureden, ist es doch so gar nicht mit dem Verkauf einverstanden. Es wirbt vehement für den Verbleib der Ich-Erzählerin im Haus:

„Nur hier findest du deine Ruhe, deine Inspiration. Hier sitzt du an deinem Schreibtisch, schaust in Kontemplation auf die Hühner, … Und denkst über deine komischen Projekte nach. Gib’s zu, du kannst nicht mehr ohne mich. Ich bin deine Hülle, dein Körper, deine Haut.“

Nach und nach lernt man die Entstehung des Hauses, die einzelnen Räume mit ihren Besonderheiten und Einrichtungsgegenständen kennen, die dann wiederum Rückschlüsse auf die Vorlieben der Bewohnerin zulassen, mit erstaunlichen Ähnlichkeiten zu Kat Menschik und dem, was man von ihrem Leben und durch ihre Illustrationen weiß.
Und ja, da ist ja auch noch der zauberhafte Garten, der zu jeder Jahreszeit etwas Blühendes zu bieten hat.
Ich kann gut nachvollziehen, dass Kat Menschik sich in diese Geschichte verliebt hat und ihr sofort zahlreiche Illustrationsmöglichkeiten eingefallen sind, diese Geschichte auch mit ihren zauberhaften Bildern zu ergänzen und zu einem stimmigen Ganzen zu machen.
Es ist eine leichte unterhaltsame Geschichte für einen gemütlichen Nachmittag, die dennoch hier und da gesellschaftskritische Aspekte aufscheinen lässt, nicht laut, aber eindeutig. Ein wunderschönes Geschenk für Menschen, die Geschichten lieben, die bunten und gleichzeitig zarten Illustrationen Kat Menschiks mögen oder für solche, die einfach zauberhaft gestaltete Bücher mit Lesebändchen und einem kupferfarbigen Kantenschnitt mögen. Lieblingsbücher, die bei einigen sicher einen Sammeltrieb auslösen können.

Jacqueline Kornmüller, Das Haus verlassen, illustriert von Kat Menschik, Galiani Verlag Berlin 2024, 93 S., ISBN 978-3-86971-286-4

8 Gedanken zu „Jacqueline Kornmüller, Das Haus verlassen

  1. Oh menno, ich habe doch so viele Bücher, kann doch nicht jedes kaufen, das mir gefällt! Das hier gefällt mir sehr, auch deswegen weil ich von Kat Menschik noch nie was gesehen habe.
    Liebe Grüße aus dem strömenden Regen

  2. Ja, auch Häuser können Neigungen für und Abneigungen gegen Menschen haben, warum nicht?
    Kenne weder die Autorin noch die Illustratorin, klingt jedenfalls außergewöhnlich und einladend, das schöne Buch.
    Herzliche Abendgrüße!

    1. Kannte bisher auch nur die Illustratorin, die u.a. Murakami Erzählungen illustriert hat, von Wolff, Die Schwimmerin und die in meiner Rezension erwähnte Reihe im Galiani Verlag.
      Ich finde ihre Illustrationen gekonnt, zauberhaft, in ihrer Farbigkeit stimmig, inspirierend und stilistisch so individuell, fast einzigartig, dass ich ihre Zeichnungen stets als ihre erkennen würde.
      Herzliche Abendgrüße

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