Joachim Poet Harms, Aus der Zeit gefallen

Joachim Poet Harms, Aus der Zeit gefallen

(Sorry, werde mir wohl angewöhnen müssen, Bücher vor dem Lesen, vor der Rezension zu fotografieren. Aber jetzt ist es wieder mal passiert und entspricht so gar nicht meinem ästhetischen Empfinden.)

Themen dieses 50 Seiten starken Bändchens sind bereits dem Untertitel zu entnehmen: „Über die Kunst zu Sterben(!)/zur Liebe und zum Mut“. Dem Gedicht „FREUDE“ auf der Rückseite kann man schon Genaueres entnehmen:

Lebenserwartung, Übersterblichkeit.
Wortungetüme, Wolkenstürme,
einen Himmel zu stürmen
der längst schon leergefegt.

Für und wider der Wissenschaft –
sie berühren mich nicht.
Sie sinken in die untere Instanz
der Zahlenreihen und Messwerte,
die die Autorität unserer Zeit ist.

Warum verneigen wir uns vor ihr,
vor Gebilden aus Menschenhand,
anstatt die Tage zu feiern,
die uns geschenkt,
auf die mit Freude zu blicken,
die noch unser sind,
gleich wie groß ist ihre Zahl.

In Gedichten, kurzen essayartigen Beiträgen, fiktiven Gesprächen setzt sich Joachim Poet Harms mit dem Thema (Corona-) Pandemie, Impfpflicht, dem gesellschaftlichen Umgang damit und menschlichen Krisen allgemein auseinander. Ausdrücklich will er keine „Anleitung zum Handeln“ geben, sondern will seine Beiträge verstanden wissen als „politische Poetik der gesellschaftlichen und politischen Situation, insbesondere der ihr zugrundeliegenden Struktur und der ihr innewohnenden Dynamik, die auch in anderen Themenfeldern am Werk sind.“

Für ihn ist es lebens-notwendig, zumindest sehr sinnvoll, „den Tod als Bestandteil des Lebens“ anzunehmen. Denn nur dann ist „Mut und die Liebe zum Leben möglich.“ Er sieht sich zudem in der Reihe seiner Vorfahren und widersetzt sich dem Wunsch nach einem angeleiteten Leben, das er in der Pandemie vielfach ausgemacht hat. Für ihn gibt es daher nicht die – offensichtlich weit verbreitete -Angst vor Krankheit und Tod, die Mut- und Hoffnungslosigkeit vieler, die an ihrem alten Leben festhalten wollen.

Liebe, Glaube und Kunst sind für ihn die tragenden Elemente eines lebendigen Lebens, das nicht einem unerbittlichen „Entweder-Oder“ verhaftet ist. Konsequenterweise lebt er sein Leben, jeden Tag, jeden Moment, so dass für ihn keine Zeit „ablaufen kann“:

„Ich werde immer genug Zeit haben. Ich brauche mich nicht zu beeilen, aus meinem Leben etwas zu machen. Ich brauche nicht den Tag zu pflücken. Ich muss auch nicht leben in dem Gefühl, den Tag zu nutzen, denn es könnte mein letzter sein. Ich brauche keine Liste, mit den Dingen, die ich noch tun will, noch erleben will. Ich muss nichts heute tun, weil morgen könnte es zu spät sein. Es ist Zeit genug und immer wird Zeit genug sein. Zeit genug, dass Träume wahr werden und Pläne sich erfüllen. Wann immer ich sterben werde, ich werde lange genug gelebt haben.“

Man wird sich sicher an manchen Thesen, Prämissen, Ausführungen reiben, in Widerstand gehen, nach Gegenargumenten suchen oder darüber nachdenken, wie man selbst Leben lebt oder Leben händelt.

Und genau dagegen hätte Joachim Poet Harms sicher nichts einzuwenden, der dann auch empfiehlt, sich zwischendurch eine Pause zu gönnen und dafür diverse Vorschläge bzw. Varianten für den klassischen Marini-Cocktail mit Oliven oder bitterer Schokolade bereithält.

Für die, die sich intensiver mit diesen Lebensthemen auseinandersetzen wollen, hat er eine Literaturliste mit Büchern erstellt, die ihn durch sein bisheriges Leben hin begleitet haben.

Joachim Poet Harms, Aus der Zeit gefallen, Über die Kunst zu Sterben/zur Liebe und zum Mut, 50 S., ohne Verlags- oder ISBN Angabe.

2 Gedanken zu „Joachim Poet Harms, Aus der Zeit gefallen

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