Pim van Lommel, Endloses Bewusstsein

Aufgrund eigener Erfahrungen als Kardiologe mit PatientInnen, die einen Herzstillstand hatten und minutenlang ohne Bewusstsein waren, und ihren Erzählungen, was sie in der Zeit ihrer Bewusstlosigkeit mitbekommen hatten, beginnt er sich für das Phänomen der Nahtoderfahrungen zu interessieren, hört aufmerksam seinen PatientInnen zu, ja fragt sogar explizit nach ihren Erfahrungen während ihrer Bewusstlosigkeit und trifft auf PatientInnen, die erleichtert darüber sind, dass ihnen jemand zuhört und an ihren für sich selbst ja kaum oder gar nicht zu erklärenden Erlebnissen interessiert sind.
Er beginnt das Phänomen zu erforschen, beschäftigt sich mit Studien und gelangt im Verlauf seiner Arbeit zu der These, dass es ein nicht-lokaltes Bewusstsein geben muss, von dem schon antike Dichter Philosophen, unterschiedliche Religionen und Mystiker in ihren Texten gesprochen haben, ohne den – eher neuzeitlichen – Begriff der Nahtoderfahrung zu benutzen. Doch das, was sie wie beschreiben, weist große Ähnlichkeiten, ja sogar Übereinstimmungen mit neueren Studienergebnissen auf.
Und er befasst sich mit den Auswirkungen dieser Erfahrungen für das Weiterleben dieser PatientInnen, für die Konsequenzen, die diese Erkenntnisse für ÄrztInnen, die pflegenden Berufe im Krankenhaus und in Hospizen haben müsste und welchen Nutzen Angehörige daraus ziehen könnten, Sterbende in ihrem Prozess zu unterstützen.
Pim van Lommel begegnet immer wieder vielen Skeptikern und Gegnern seiner für ihn wissenschaftlich plausiblen These von einem nicht lokal begrenzten, sondern einem allgegenwärtigen Bewusstsein und wünscht sich „eine offene Geisteshaltung und das Aufgeben dogmatischer Betrachtungsweisen.“
Er hofft dennoch, „dass es mir gelungen ist, die Vorstellung eines nicht-lokalen Bewusstseins und die Konsequenzen dieser Sichtweise für die Wissenschaft, das Gesundheitswesen und unser Menschenbild zu verdeutlichen. Mit ist bewusst, dass dieses Buch nicht immer einfach zu lesen war. Sicherlich kann es nicht mehr sein als ein Ansatz für weitergehende Studien und daran anschließende Diskussionen.“
Ja, es ist kein einfach zu lesendes Buch. Ich hätte ihm einen kompetenten Lektor gewünscht, der Mut zu Kürzungen gehabt hätte. Es gibt zahlreiche Wiederholungen und Ähnlichkeiten von Textpassagen. Ich könnte mir vorstellen, dass dieses Buch durch zahlreiche wissenschaftliche Vorträge vor Fachpersonal entstanden ist, daher auch die vielen ausführlichen Studiendarstellungen und Zahlen, die mich als am Thema interessierte Leserin eher ermüdet haben. Bei manchen Kapiteln habe ich nur das am Ende jeden Kapitels stehendes Fazit gelesen ;)
Dennoch ein empfehlens-, lesenswertes und lohnendes Buch.
Pim van Lommel, Endloses Bewusstsein, Neue medizinische Fakten zur Nahtoderfahrung, a.d. Niederländischen v. Bärbel Jänicke, Ostfildern, 4. Aufl. 2023, 444 S., ISBN 978-3-8436-1313-2
4 Gedanken zu „Pim van Lommel, Endloses Bewusstsein“
Danke fürs Lesen, Beschreiben und Präsentieren.
Ich selber tue mich schwer mit diesen Berichten und bin sehr skeptisch dem Thema gegenüber. Aber eine seriöse Forschung auf diesem heiklen Gebiet darf natürlich sein.
Einen lieben Wochenendgruss zu dir,
Brigitte
Damit bist du dann in „guter Gesellschaft“ – wie man so sagt.
Seriöse Erforschung dieser NTE ist genau das, was v. Lommel macht bzw. erreichen will.
Er selbst gehörte anfangs zu den großen Skeptikern, bis er begann, Angaben von PatientInnen mit überprüfbaren Angaben zu vergleichen.
Hab einen wunderschönen Samstag.
Dieses Thema bewegt mich sehr,
auch, weil mir meine Schwester ihre Nahtoderfahrung vor Jahren sehr genau und glaubhaft geschildert hat.
Ich habe darüber auch schon mehrfach gelesen und den Eindruck gewonnen, dass manche Menschen, die so eine Erfahrung gemacht haben, den Tod offenbar kaum mehr scheuen.
Wissenschaftliche Lektüre zu diesem Thema ist mir jedenfalls willkommen, allerdings sollte so ein Buch wohl auch für mich keine Längen haben.
Liebe abendliche Grüße
Den Tod nicht mehr zu fürchten, scheint eine Erfahrung zu sein, die fast alle Menschen mit NTE haben.
Ich habe persönlich noch niemanden getroffen, der aus eigener Erfahrung davon berichten kann.
Herzliche Grüße