Rebekka Endler, Das Patriarchat der Dinge

Rebekka Endler, Das Patriarchat der Dinge

In diesem Sachbuch geht Rebekka Endler der These nach „Warum die Welt Frauen nicht passt“ – so der Untertitel.

Sie weist an verschiedenen Themen bzw. Lebensbereichen nach, dass „Männer für Männer forschen, sie designen für Männer und entwickeln für Männer“ mit zum Teil weitreichenden Folgen für Frauen.
Denn letztendlich geht es nicht in erster Linie nur um die Ästhetik von Design, sondern darum, dass z.B. das Design von Flugzeugen, Autos, Fahrrädern, aber auch Berufskleidung eher für männliche Körper konstruiert worden sind, mit denen Frauen dann aufgrund ihrer anderen Körperbeschaffenheit nicht wirklich zurecht kommen, was ihnen dann oft – schnell und pauschal – als Unfähigkeit etc. ausgelegt wird.

„75 % des Pflegepersonals im Pflege und Gesundheitssektor sind weiblich, dennoch sind die Utensilien, Klamotten und Schutzvorrichtungen für einen männlich normierten Körper designt worden. Es geht auch um die sogenannten FFP-Masken (Filtering Face Pice), die genormt so groß sind, dass viele Benutzerinnen Abstriche in der Schutzfunktion auf sich nehmen süssen, also in der einzigen Funktion, die diese Masken haben.“

Erst allmählich beginnt da ein Umdenken, etwa, wenn Uniformen für PolizistInnen, dem Personal bei der Feuerwehr etc. weiblicher Körperbeschaffenheit angepasst werden, so dass Schutzkleidung dann auch weibliches tatsächlich Personal schützt.

Die Ausrichtung auf die männliche Sichtweise in allen Bereichen gesellschaftlichen Lebens wird von Rebekka Endler zum Teil auch in der historischen Entwicklung und Veränderung dargestellt und setzt damit sehr interessante Impulse, genauer hinzuschauen und sich die Bedeutung für Frauen auch hinsichtlich ihrer Teilnahme am gesellschaftlichen Leben bzw. ihren Ausschluss klar zu machen.

Rebekka Endler übersieht die „Chance auf sozialen Wandel“ nicht. Doch bisher kann sie eher Erfolge einzelner Personen erkennen, „die trotz widriger Umstände erfolgreich sind. Es sind individuelle herausragende Leistungen, aber alleine lässt sich nur schwer an der Widrigkeit der Umstände rütteln. Was wir aus meiner Sicht brauchen, ist ein Prinzip der Räuber:innenleiter: eine dauerhafte, strukturelle Trittleiter derjenigen, die Ahnung und Erfolg haben und sich mit ihren Erfahrungen nach unten orientieren. Ansonsten erleben wir immer nur wieder das, was ich in diesem Buch als patriarchalisches Line Dancing beschrieben habe: Ein Schritt vor, zwei zurück.“

Mit ihrem Buch möchte die Autorin einen Beitrag dazu leisten, „dass patriarchales Design erkannt wird als das, was es ist: unpassend.“ Sie weiß, dass nicht jede:r Gegenstände designt und auf diesem Weg Veränderungen bewirken kann. Doch da gib es ja auch noch den weitreichenden Bereich von Sprache als Ausdruck von Denken und Weltdeutung. Und sie wünscht sich:

„Dass Sie dem Patriarchat Sand ins Getriebe schmeißen, auch, weil wir Verantwortung für alle jene tragen, die das selbst nicht können.“

Beginnt man/frau damit in der eigenen Umgebung wird Widerstand schnell erkennbar, in Krisenzeiten ganz besonders : „Habt ihr eigentlich keine anderen Sorgen?“ Doch letztendlich: Wer entscheidet über Kriege?

Ich halte „Das Patriarchat der Dinge“ für ein wichtiges Buch, ein Buch das Widerstand, langfristig aber zumindest das Bewusstsein für notwendige Veränderung weckten kann.

Rebekka Endler, Das Patriarchat der Dinge. Warum die Welt Frauen nicht passt. Dumont Verlag Köln 2021, 334 S. ISBN 978-3-8321-8136-9

4 Gedanken zu „Rebekka Endler, Das Patriarchat der Dinge

  1. ja, ich denke, dass diese radiosendung für mich ausreichend war, es gab wirklich viele denkanstöße und dinge, über die ich überhaupt noch nie nachgedacht hatte:-).
    lieber gruß
    Sylvia

    1. So ist es mir auch ergangen.
      Ich habe dann aber auch gemerkt, dass ich einige Aspekte so selbst noch nicht erlebt habe, wohl weil ich eine entsprechende Körpergröße habe. Bei elektrischen Geräten wie Bohrmaschinen etc. habe ich selbst oft schon gedacht: Für wen sind denn die gedacht? Oder bei Haushaltsgeräten frage ich mich manchmal, ob diejenigen, die sich konstruiert haben je mit solchen Dingen arbeiten, vor allem sie danach sauber machen …
      Herzliche Grüße

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