Silvesternacht

Silvesternacht

Die letzte Nacht im alten Jahr
Steigt auf so licht und sternenklar.
Ihr Sterne, wenn ihr niedergeht,
Die neue Zeit am Himmel steht.

Ihr wandert droben heiter fort
Und findet den bestimmten Ort.
Hier unten lebt sich’s sehnsuchtsvoll;
Wir wissen nicht, was werden soll.

Ihr tragt mit unverwandtem Sinn
Den Glanz durch Ewigkeiten hin.
Wir tun mit bangem Angesicht
Viel schneller aus das kurze Licht.

Ihr hört nicht auf den Stundenschlag;
Wir haben einen kurzen Tag,
Und was wir glauben, was wir tun,
Wird bald mit uns im Grabe ruhn.

Drum, Sterne, webt aus Silberglanz
Mir um die Stirn den Freudenkranz,
Dass ich mit heiterm Geist und frei
Der Gast des neuen Jahres sei.

(Paul Haller)

2 Gedanken zu „Silvesternacht

  1. Wie schön, dieses Gedicht von Paul Haller, der mir als einstiger Aargauer Dichter natürlich ein Begriff ist.
    Ja, „mit heiterem Geist“ wollen wir über die Jahresschwelle treten und „Gast des neuen Jahres“ sein!
    Herzlichen Silvestergruss,
    Brigitte

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