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Kategorie: Gedichte

Der Winter

Der Winter

Wenn ungesehn und nun vorüber sind die BilderDer Jahreszeit, so kommt des Winters Dauer,Das Feld ist leer, die Ansicht scheinet milder,Und Stürme wehn umher und Regenschauer. Als wie ein Ruhetag, so ist des Jahres EndeWie einer Frage Ton, das dieser sich vollende,Alsdann erscheint des Frühlings neues Werden,So glänzet die Natur mit ihrer Pracht auf Erden. (Friedrich Hölderlin)

Letzter Abend im Jahr

Letzter Abend im Jahr

Es ist so dunkel heut,Man kann kaum in den Abend sehen.Ein Lichtchen loht,Verspieltes Himmelchen spielt AbendrotUnd weigert sich, in seine Seligkeit zu gehen.– So alt wird jedes Jahr die Zeit.Und die vorangegangene verwandelte der Tod. Mein Herz blieb ganz für sichUnd fand auf Erden keinen Trost.Und bin ich auch des Mondes Ebenich,Geleitetest auch du im vorigen Leben mich,Und sah ich auch den blausten Himmel im Gottost. O Gott, wie kann der Mensch verstehen– Das Weltall spaltet sich doch nicht -,Warum…

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Die Sonne bringt es an den Tag

Die Sonne bringt es an den Tag

Gemächlich in der Werkstatt saßZum Frühtrunk Meister Nikolas,Die junge Hausfrau schenkt‘ ihm ein,Es war im heitern Sonnenschein. –Die Sonne bringt es an den Tag. Die Sonne blinkt von der Schale Rand,Malt zitternde Kringeln an die Wand,Und wie den Schein er ins Auge faßt,So spricht er für sich, indem er erblaßt :„Du bringst es doch nicht an den Tag“ … (Chamissos, die ersten beiden Strophen seiner Ballade „Die Sonne bringt es an den Tag“)

Weihnachten ist der stillste Tag im Jahr

Weihnachten ist der stillste Tag im Jahr

Weihnachten ist der stillste Tag im Jahr,da hörst Du alle Herzen gehn und schlagenwie Uhren, welche Abendstunden sagen:Weihnachten ist der stillste Tag im Jahr,da werden alle Kinderaugen gross,als ob die Dinge wüchsen die sie schauen,und mütterlicher werden alle Frauenund alle Kinderaugen werden gross. Da musst du draussen gehn im weiten Landwillst du die Weihnacht sehn, die unversehrteals ob dein Sinn der Städte nie begehrte,so musst du draussen gehn im weiten Land.Dort dämmern grosse Himmel über dirdie auf entfernten weissen Wäldern…

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Wintersonnenwende

Wintersonnenwende

Zeit der Wintersonnenwende,Gleichst du nicht dem alten Herzen,Das, gewöhnt an seine Trauer,Liebgewann die steten Schmerzen. Manchmal nur in einem TräumeErntet Ruhm es noch und GoldWenn um Schläfers Lippen fliegtEin verlornes Lächeln hold. (Georg Heym, Wintersonnenwend, die beiden letzten Strophen)

Der Engel

Der Engel

Mit einem Neigen seiner Stirne weister weit von sich was einschränkt und verpflichtet;denn durch sein Herz geht riesig aufgerichtetdas ewig Kommende das kreist.Die tiefen Himmel stehn ihm voll Gestalten,und jede kann ihm rufen: komm, erkenn -,gib seinen leichten Händen nichts zu haltenaus deinem Lastenden. Sie kämen dennbei Nacht zu dir, dich ringender zu prüfen,und gingen wie Erzürnte durch das Hausund griffen dich als ob sie dich erschüfenund brächen dich aus deiner Form heraus. (Rainer Maria Rilke)

Advent

Advent

Immer ein Lichtlein mehrim Kranz, den wir gewunden,dass er leuchte uns sehrdurch die dunklen Stunden. Zwei und drei und dann vier!Rund um den Kranz welch ein Schimmer,und so leuchten auch wir,und so leuchtet das Zimmer. Und so leuchtet die Weltlangsam der Weihnacht entgegen.Und der in Händen sie hält,weiß um den Segen! (Matthias Claudius)

Weihnachten bewahren

Weihnachten bewahren

Das ist Weihnachten bewahren.Ich beschließe zu vergessen,was ich für andere getan habe,und will mich daran erinnern,was andere für mich taten;ich will übersehen,was die Welt mir schuldet,und daran denkenwas ich der Welt schulde. Ich will erkennen,dass meine Mitmenschen genausowirkliche Wesen sind wie ich,und will versuchen,hinter ihren Gesichternihre Herzen zu sehn,die nach Freude und Frieden hungern.Ich will das Beschwerdebuch gegen die Leistungendes Universums schließenUnd mich nach einem Platz umsehen,wo ich ein paar Saaten Glücklichsein säen kann. (Henry van Dyke )