Ein grünes Blatt
Ein Blatt aus sommerlichen Tagen,Ich nahm es so im Wandern mit,Auf dass es einst mir möge sagen,Wie laut die Nachtigall geschlagen,Wie grün der Wald, den ich durchschritt. (Theodor Storm)
Ein Blatt aus sommerlichen Tagen,Ich nahm es so im Wandern mit,Auf dass es einst mir möge sagen,Wie laut die Nachtigall geschlagen,Wie grün der Wald, den ich durchschritt. (Theodor Storm)
Reduktion! Man will mehr sagenals die Natur und macht den unmöglichen Fehler, es mit mehr Mitteln sagen zu wollen als sie, anstatt mit weniger Mitteln. Das Licht und die rationellen Formen liegen im Kampf, das Licht bringt sie in Bewegung, biegt gerade, ovalisiert parallele, dreht Kreise in die Zwischenräume, macht den Zwischenraum aktiv. Daher die unerschöpfliche Mannigfaltigkeit. (Paul Klee)
Mir bleibt mein Lied, was auch geschieht,mein Reich ist nicht von dieser Welt,ich bin kein Märtyrer und Held,ich lausche allem, was da klingtund sich in mir ein Echo singt.Ob jedes andre Glück mich flieht –mir bleibt mein Lied. (Max Herrmann-Neiße)
Tiefblau der Himmel, hell glänzt der Firn, da fällt ein Tropfen auf meine Stirn. Ich wend mich um, und spähe, spähe… nicht Wolken, nicht Menschen in meiner Nähe. Du schöner Himmel, von Glanz umwoben, sag, weinen denn die auch dort oben? (Maria Janitschek)
Diese Überbleibsel einer Veranstaltung, eines Workshops was auch immer habe ich gestern im Festspielhaus Recklinghausen entdeckt. Tanzen verboten – NEIN! NIE! schoss es mir sogleich durch den Kopf. “Ich lobe den Tanz,denn er befreit den Menschenvon der Schwere der Dinge,bindet den Vereinzeltenzu Gemeinschaft. Ich lobe den Tanz,der alles fordert und fördert,Gesundheit und klaren Geist– und eine beschwingte Seele. Tanz ist Verwandlungdes Raumes, der Zeit, des Menschender dauernd in Gefahr istzu zerfallen, ganz Hirn,Wille oder Gefühl zu werden. Der Tanz dagegen…
Ich komme nicht mehr zurecht mit dem Leben,ich bin verwunschen in fremdes Geschick,daß auch meine Freuden kein Glück mehr ergeben.Ins Leere verliert sich mein williger Blick. Ein Bittres verbirgt sich in allen Geschenken,daß Furcht mich vor jeder Wohltat befällt,und weil ich stets an das Verlorne muß denken,so ist mir der Gegenwart Gutes vergällt. Die kleine Freude an Tier und Blüte,an Menschen und Büchern und Bildern verblaßt.Was einst ich besah mit verklärender Güte,ist heut mir lästig, zuwider, verhaßt. Nahm früher ich…
Arbeit säst du in die spröden Furchen,Um im Schweiß einst Arbeit einzuernten;Arbeit hebst du von der staubgen Tenne.Arbeitsmann, wo bliebe dir die Freude,Streute nicht mit leichter Hand die GöttinZwischen falbe Saat dir blaue Blüten? (Friedrich Rückert) Arbeitstechnisch hat sich da sicher eine Menge verändert. Die körperlichen Belastungen beim Bestellen eines Feldes sind durch Maschinen geringer geworden ebenso der zeitliche Aufwand des Feldbestellens. Viele Arbeitsgänge, die früher nacheinander erledigt wurden, werden durch den Einsatz moderner Maschinen heute gleichzeitig durchgeführt. Doch Kornblumen…
Es glühen rote NelkenFreiheitssonnen entstammt,Es lodern rote Gluten,Die Freiheitssehnsucht flammt. Es naht der Tag der Tage,Der Freiheit Banner fliegt Weitauf, weitauf die Herzen,Die rote Nelke siegt. (Gedicht von Josef FriedmannArbeiter-Zeitung, 1. Mai 1909) Ja, ich weiß um die unterschiedliche Bedeutung roter Nelken. Als Jugendliche allerdings (noch) nicht. Da kannte ich sie nur langstielige Sträuße, gebunden mit Asparagus-Grün. Damals ein Blumen-Klassiker. Für mich allerdings der Inbegriff von Spießigkeit. Und welche Blumen bekam ich zum Abschlussball? Natürlich einen Strauß roter Nelken. Und…
Brennessel, verkanntes Kräutlein, Dich muß ich preisen,Dein herrlich Grün in bester Form baut Eisen,Kalk, Kali, Phosphor, alle hohen Werte,Entsprießend aus dem Schoß der Mutter Erde,Nach ihnen nur brauchst Du Dich hinzubücken,Die Sprossen für des Leibes Wohl zu pflücken,Als Saft, Gemüse oder Tee sie zu genießen,Das, was umsonst gedeiht in Wald, auf Pfad und Wiesen,Selbst in noch dürft´ger Großstadt nahe Dir am Wegesrande,Nimms hin, was rein und unverfälscht die gütige NaturDir heilsam liebend schenkt auf ihrer Segensspur! (Heinrich Hoffmann) PS: In…
(Einen Spaziergang habe ich heute Nacht nicht gemacht, wohl aber im Vollmond gebadet. Er schien genau in mein Schlafzimmer.) Still wie der Mond, der dort entsteigt,Und mir die dunklen Wege zeigt,So geh ich, von Gedanken Trunken,Die ganze Welt liegt schlafversunken.In stillen Adern fließt das Leben,Das spürsam alles erfüllt:In tiefer Ruhe eingehüllt,Wird jeder neuen Kraft gegeben.Nur wen’ge, die der stillen NachtDie tiefsten Quellen aufgemacht:Sie fühlen der Gestirne Bahnen,Die warme Seele jeden Baums.Zum Wissen wird ihr dunkles Ahnen,Zum Leben der Gesang des…